{"id":4269,"date":"2000-04-25T13:45:31","date_gmt":"2000-04-25T11:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4269"},"modified":"2024-02-07T13:51:25","modified_gmt":"2024-02-07T12:51:25","slug":"glueck-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/04\/25\/glueck-allein\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcck allein"},"content":{"rendered":"<p>Im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/04\/21\/vom-plaudern-der-bilder\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Vom Plaudern der Bilder<\/a> hatte ich gegen die Texte angef\u00fchrt, da\u00df selbst Gespr\u00e4che von Angesicht zu Angesicht oft darauf hinauslaufen, zwanghaft Begriffe zu definieren, um eine Gemeinsamkeit im Verstehen herzustellen, die doch nie erreichbar ist. Wie zur Best\u00e4tigung kam ein &#8211; \u00fcbrigens wundersch\u00f6n formulierter &#8211; <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/leserbriefe-2000#iris\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Leserbrief von Iris<\/a>, indem sie zum Wort &#8222;Selbstausdruck&#8220; schreibt:<!--more-->    <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;&#8230;f\u00fchrt der ausdruck des selbst als einem singul\u00e4ren ereignis in seiner zwanghaftigkeit ein solches zu sein nicht wieder zur einer inszenierung, etwas stilisiertem &#8211; zu etwas das am wirklichen vorbeigeht? ist ein innerer drang in uns, zu inszenieren, zu stilisieren? ich kenne den drang, wenn ich mit klopfendem herzen und zitternden fingern mich hinsetze und irgendetwas schreiben muss, das handelt aber nur bedingt von mir, ich dr\u00fccke mich nicht aus, etwas dr\u00fcckt sich aus durch mich, ich bin nur ein instrument, durch das es hindurchfliesst.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Offensichtlich WIDERSPRICHT Iris jemandem &#8211; sei es mir, bzw. meinem <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/04\/21\/vom-plaudern-der-bilder\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Text vom 21.4., oder dem Zitat von Govinda<\/a>. Dabei sehe ich keinen Widerspruch: Das Selbst ist gerade NICHT das Ich, das nach Inszenierungen lechzt, um sich &#8211; immer erfolglos &#8211; seiner selbst zu vergewissern. Selbstausdruck ist ein hingegebenes H\u00f6ren auf das, was &#8222;von selbst&#8220; kommt und sich schreiben will, genau DAS, was auch Iris bechreibt und Govinda sagt.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel ist die nicht-literarische Textwelt vollst\u00e4ndig vom DISKURS verseucht: Rede und Gegenrede, Spruch und Widerspruch, These, Antithese, Synthese &#8211; usw. usf.. Selbst dort, wo gar kein Gegensatz ist, mu\u00df einer hineininterpretiert werden, um die &#8218;Lizenz zum Schreiben&#8216; zu versp\u00fcren. Einem Bild dagegen kann man nicht widersprechen, genauso wenig \u00fcbrigens, wie den Programmen &#8211; vielleicht ist das der Grund f\u00fcr ihre aktuelle Dominanz?<\/p>\n<p>Schon sehr lange bin ich der Diskurse m\u00fcde, aller Diskussionen \u00fcberdr\u00fcssig. &#8222;Andere Meinungen&#8220; nehme ich absichtlich nur noch als fremden Blick in die Welt wahr, nicht als etwas, das es zu widerlegen gilt im Ringen um die WAHRHEIT. Was ist denn schon Wahrheit? &#8222;Heute scheint die Sonne&#8220; &#8211; w\u00fcrde das der Maulwurf auch so sagen? Oder die Flechte auf dem Grund der Tiefsee? Ich brauche keine Wahrheit zu bem\u00fchen, um einen Standpunkt im Kampf aller gegen alle zu rechtfertigen. Alles was lebt, lebt vom Sterben, zumindest von der Unterdr\u00fcckung anderer und je mehr Menschen den Planeten bev\u00f6lkern, desto schlimmer wird es. \u00dcber DIESE Wahrheit brauche ich schon garnicht streiten, denn kein Argument wird sie mir nehmen k\u00f6nnen, leider!<\/p>\n<p>An den vier freien Tagen \u00fcber Ostern war ich ungew\u00f6hnlich viel mit anderen Menschen zusammen und gerade deshalb genie\u00dfe ich es jetzt wieder sehr, mit dem Monitor &#8222;f\u00fcr mich&#8220; zu sein. Mein Gott, wenn ich immer wieder diese Soziologen, Psychologen, Philosophen oder andere Meinungsmacher lese, die sich dar\u00fcber ereifern, da\u00df der Mensch vor dem Computer sozial vereinsamt, denke ich: Man sollte ihnen mal das Ger\u00e4t f\u00fcr ein paar Wochen entziehen, die Flucht in die Texte verunm\u00f6glichen, mal sehen, was sie dann sagen!<\/p>\n<p>Nichts gegen die konkreten Mitmenschen, ich treffe normalerweise nur Leute, die ich mag! Was mich stresst, ist das Verhalten in Gruppen, praktisch jede Gruppe nervt, weil alle beteiligten Individuen heftig um den Platz an der Sonne, um Aufmerksamkeit, Macht und Einflu\u00df, Ruhm und Ehre streiten, mehr oder weniger brachial. Ich kenne nur zwei Ausnahmen: Arbeitsgruppen, wenn die aktuelle Aufgabe die Leute an ihre Grenzen f\u00fchrt und \u00fcber sie hinaus &#8211; dann tritt gelegentlich ein luzides und sensibles miteinander-Umgehen auf, f\u00fcr Konkurrenzk\u00e4mpfe ist keine Zeit und keine Kraft mehr vorhanden, alle agieren wie T\u00e4nzer in einem vollkommen Ensemble, jeder gibt sein Bestes f\u00fcr die Sache. Das &#8222;Dritte&#8220; befreit f\u00fcr kurze Zeit vom Psychismus, ein Gesch\u00e4ft, das in therapeutisch ausgerichteten Gruppen vom Therapeuten verrichtet wird. Hier versetzt der Rahmen &#8211; oft auch &#8222;sch\u00fctzender Raum&#8220; genannt &#8211; die Teilnehmer in die Lage, die R\u00fcstung ablegen, das Visier herunterklappen zu k\u00f6nnen. Zuvorderst mit der Regel: Kritisieren und Argumentieren verboten, jeder spricht von sich.<\/p>\n<p>Im SPIEGEL konnte ich gerade lesen, bald werde uns die Wissenschaft mit erheblicher Lebensverl\u00e4ngerung begl\u00fccken, ja, eine Vervierfachung auf 360 Jahre sei im Blick! HAAAAA, wenn ich mir das mal vorstelle: 360 Jahre Spiegel-Headlines! 360 Jahre Hauen &#038; Stechen, 360 Jahre Skandale und Entlarvungen, 360 Jahre RTL2&#8230;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Beitrag Vom Plaudern der Bilder hatte ich gegen die Texte angef\u00fchrt, da\u00df selbst Gespr\u00e4che von Angesicht zu Angesicht oft darauf hinauslaufen, zwanghaft Begriffe zu definieren, um eine Gemeinsamkeit im Verstehen herzustellen, die doch nie erreichbar ist. 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