{"id":4261,"date":"2000-04-17T11:08:54","date_gmt":"2000-04-17T09:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4261"},"modified":"2024-02-07T11:10:43","modified_gmt":"2024-02-07T10:10:43","slug":"alternativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/04\/17\/alternativen\/","title":{"rendered":"Alternativen"},"content":{"rendered":"<p>Morgens um 7 &#8211; naja, manchmal auch etwas sp\u00e4ter &#8211; setze ich mich vor&#8217;s Ger\u00e4t. An guten Tagen bleibt das Mailprogramm, dieses Scheunentor zur Welt, erstmal unber\u00fchrt, ich rufe den Editor auf und warte, da\u00df mir etwas einf\u00e4llt. Eine angenehme Art der Besinnung, der Geist sucht nicht, sondern &#8222;h\u00f6rt&#8220; &#8211; etwas, das kaum mehr funktioniert, wenn ich schon 40 verschiedene Infos und Kommunikationsangebote &#8218;reingelassen habe. Tagebuch-Schreiben ist praktische Selbstverteidigung gegen die zentrifugalen Kr\u00e4fte, die das Denken in 1000 Richtungen ziehen &#8211; durchaus interessante, spannende, manchmal wichtige, meist aber unwichtige Richtungen, zwischen denen das &#8222;Ich&#8220; zerissen und zerrieben wird und die F\u00e4higkeit zu verlieren droht, &#8222;wichtig&#8220; und &#8222;unwichtig&#8220; zu unterscheiden.<!--more--><\/p>\n<p>Was f\u00fcr das Denken das ziellose Schreiben ist, l\u00e4\u00dft sich f\u00fcr den K\u00f6rper sehr viel schwieriger finden. Immer wieder nehme ich mir vor, t\u00e4glich eine halbe Stunde spazieren zu gehen oder Yoga zu \u00fcben &#8211; und halte es dann doch nur kurze Zeit durch. Der Sauna-Besuch alle zwei Wochen macht immer wieder deutlich, wie sehr ich unter dieser sitzenden Lebensweise leide &#8211; ein Leiden, das im Alltag leicht vergessen wird, es gibt ja so viel Spannendes zu tun&#8230;. Wobei &#8222;tun&#8220; immer nur Tasten-Hacken und Maus-Klicken bedeutet, immer wieder sitzen, sitzen, sitzen&#8230;<\/p>\n<p>In den letzten Monaten kann ich es nicht mehr vergessen. Da hilft kein noch so komfortabler B\u00fcrostuhl: ich MUSS die Zeit einschr\u00e4nken, die ich vor diesem Apparat sitze. Und ich tue es zunehmend GERN. Beginne, knallhart denn computerfreien Sonntag zu verteidigen, Ausfl\u00fcge und Besuche zu machen, bin sogar so vermessen, einen &#8222;Feierabend&#8220; einzuf\u00fchren und die Abende anders zu verbringen, sei es auch nur mit einem Film oder einem Buch. Das ist zwar nicht die gro\u00dfe Abwechslung, was den K\u00f6rper betrifft, aber immerhin kann man dabei LIEGEN.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich war ich in der Schweriner Oper &#8211; zum ersten Mal im Leben, eingeladen von Freunden, die da einen ulkigen Statistenjob haben. Mein Gott, ich und Oper! Immer hatte ich diese volksferne Hochkultur elit\u00e4rer Bildungsb\u00fcrger verabscheut, ohne je einen Versuch zu machen. Es war eine Rossini-Oper, unter dem Titel &#8222;Ein T\u00fcrke in Mecklenburg&#8220; modernisiert &#8211; und wirklich stellenweise sehr lustig! Der ganze Event, das Lokalkolorit, das etwas herunter gekommene Opernhaus, die alles andere als elit\u00e4re Atmosph\u00e4re (keine &#8222;gro\u00dfen Abendroben&#8220; wie in Berlin) und die bewundernswerten Leistungen der S\u00e4nger haben mir gefallen &#8211; nach einer kleinen Gew\u00f6hnungsphase, in der mir die Schlichtheit der erz\u00e4hlten Geschichte rund um Liebe, (Un-)Treue und Eifersucht fast peinlich war. Intellektueller Hochmut, ganz klar, den ich seltsamerweise nicht sp\u00fcre, wenn ich einen Fantasy-Roman lese oder im TV einen Psycho-Thriller ansehe.<\/p>\n<p>Demn\u00e4chst werde ich mal das Theater antesten &#8211; auch etwas eher Fremdes f\u00fcr mich. Oder auch mal sehen, was die Volkshochschule hier so bietet, es mu\u00df ja nicht unbedingt &#8222;Eier-bemalen-in-sorbischer-Wachsmaltechnik&#8220; sein. Hauptsache offline!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens um 7 &#8211; naja, manchmal auch etwas sp\u00e4ter &#8211; setze ich mich vor&#8217;s Ger\u00e4t. An guten Tagen bleibt das Mailprogramm, dieses Scheunentor zur Welt, erstmal unber\u00fchrt, ich rufe den Editor auf und warte, da\u00df mir etwas einf\u00e4llt. Eine angenehme Art der Besinnung, der Geist sucht nicht, sondern &#8222;h\u00f6rt&#8220; &#8211; etwas, das kaum mehr funktioniert, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,9,11,414],"tags":[1150,1151,1149],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4261"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4261"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4261\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}