{"id":4244,"date":"2000-03-14T10:18:50","date_gmt":"2000-03-14T09:18:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4244"},"modified":"2024-02-07T10:21:01","modified_gmt":"2024-02-07T09:21:01","slug":"vom-wanderzirkus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/03\/14\/vom-wanderzirkus\/","title":{"rendered":"Vom Wanderzirkus"},"content":{"rendered":"<p>Herzlichen Dank an die Leser, die mir wegen meiner Ausschaltprobleme Tips geschickt haben! Ja, ich habe so ein neues PC-Geh\u00e4use, doch es tut nicht ganz, wie es eigentlich soll &#8211; aber das ist ja praktisch normal, wer vom Ger\u00e4t Perfektion erwartet, sitzt einem Mythos auf: dem Mythos, wir w\u00e4ren in der Lage, etwas besseres zu schaffen, als uns selbst. Geschenkt!<!--more--><\/p>\n<p>Es regnet und regnet und regnet immer weiter. Unsere H\u00fchner werden na\u00df, weil sie das Scharren und Herumlaufen nicht lassen m\u00f6gen, dabei stehen sie keineswegs auf Wasser! Ich besuche die H\u00fchner manchmal, schaue ihnen zu, wie sie das Laub umw\u00fchlen und denke mir: es ist ihnen nie langweilig und Stre\u00df haben sie auch nicht. Doch ihre Hackordnung ist un\u00fcbersehbar: immer gibt es mindestens einen Underdog, ganz wie bei den Menschen.<\/p>\n<p>Morgen fahre ich nach Essen, \u00fcbermorgen zur\u00fcck. Eine Arbeitsbesprechung, manchmal reicht E-Mail einfach nicht. Ich reise ungern, scheue den Aufwand, doch dann ist es jedesmal sehr inspirierend, andere Networker zu treffen und gemeinsam etwas auszuspinnen. Alleine vor dem Monitor treffe ich letztlich immer nur auf mich selbst, trotz der vielen Kontakte. Ich lese E-Mails und verstehe sie im Rahmen meiner Erwartungen und Lebenserfahrung, sehe WebSites und beurteile sie nach bereits vorhandenen Kritierien. Und meine Motivationen sind ebenfalls allesamt &#8222;hausgemacht&#8220;, abh\u00e4ngig vom Wetter, von der k\u00f6rperlichen Befindlichkeit, der &#8222;Laune&#8220;, die daraus resultiert und recht wenig vom Input durch andere. Geht ja auch nicht anders angesichts des gewaltigen Inputs, den mensch durch das Netz erf\u00e4hrt, es ist wie eine \u00fcberm\u00e4chtige zentrifugale Kraft, die mich in alle Windrichtungen zerstreut, wenn ich mich nicht konzentriere.<\/p>\n<p>Wieder bin ich eingeladen, irgendwohin zu reisen, um ein bi\u00dfchen zu reden. Diesmal Frankfurt, nicht Tokyo, es kann gut sein, da\u00df ich zusage, es ist erst im November und Frankfurt liegt bei Wiesbaden, wo meine Family (Schwestern, Mutter) lebt. Auf Tagungen und Symposien Reden halten ist etwas, vor dem ich mich f\u00fcrchte. Gerade deshalb sag&#8216; ich manchmal zu, schlie\u00dflich treffen wir keine L\u00f6wen mehr in der Umgebung, zu Katastrophen neigt dieses Land auch nicht. Irgendwas mu\u00df ja mal sein, was es zu \u00fcberwinden, zu bestehen gilt, sonst roste ich ein.<\/p>\n<p>Die Scheu, vor fremden Gruppen zu reden, kenne ich mein Leben lang. Zur Auff\u00fchrung des Weihnachtsm\u00e4rchens in der Schule bekam ich 41 Fieber, um nicht auftreten zu m\u00fcssen! Auf das m\u00fcndliche Abitur hab&#8216; ich verzichtet. Doch mit 26 verschlug es mich in die Berliner Hausbesetzerbewegung und auf einmal klappte es. Ich WOLLTE etwas und es war kein Problem mehr, das auch einer beliebig gro\u00dfen Gruppe zu sagen, ja, es machte sogar Spa\u00df! Wenn ich bei dieser Leitlinie bleibe, bestehe ich jede Veranstaltung: nicht daran denken, was die wohl von mir erwarten, sondern daran, was ich IHNEN gerne mitteilen will. Im Grunde ist es eine tolle Sache, daf\u00fcr, da\u00df man sagt, was man denkt, auch noch Honorar zu bekommen! Und das in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit das kostbarste Gut ist und eigentlich die Leser, die Zuh\u00f6rer und Zuschauer bezahlt werden m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Mach ein paar Jahre etwas und rede davon &#8211; auf einmal geh\u00f6rst du zum Wanderzirkus! Keine Videokonferenz wird das je ersetzen, vermute ich mal. Immer wieder versammeln sich Menschen an verschiedenen Orten, vordergr\u00fcndig zu honorigen Zwecken, zu interessanten Themen und wichtigen Zukunftsfragen. Im Grunde aber ist es nicht das Thema, sondern das Ereignis: ein Energieaustausch, den kein Medium ersetzen kann. Gut so, es zeigt: wir sind noch keine Maschinen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzlichen Dank an die Leser, die mir wegen meiner Ausschaltprobleme Tips geschickt haben! 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