{"id":422,"date":"2005-12-05T08:20:35","date_gmt":"2005-12-05T06:20:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=422"},"modified":"2024-03-01T18:41:53","modified_gmt":"2024-03-01T17:41:53","slug":"lebenszeichen-kleine-inventur-im-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2005\/12\/05\/lebenszeichen-kleine-inventur-im-dezember\/","title":{"rendered":"Lebenszeichen: Kleine Inventur im Dezember"},"content":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber drei Wochen kein Eintrag! Zwischen schlechtem Gewissen und Schreibblockade schwankend, will ich nun zumindest ETWAS von mir h\u00f6ren lassen: ich arbeite soviel wie noch nie! Mein Arbeitsalltag hat sich mit \u00dcbernahme der Pflege einer gro\u00dfen Website sehr stark verdichtet. Noch k\u00e4mpfe ich um die Beschr\u00e4nkung dieser Arbeit auf ein ertr\u00e4gliches Ma\u00df, bzw. auf die vereinbarten 10 Stunden pro Woche. Gelingt mir das nicht, werde ich den Job wieder abgeben m\u00fcssen, denn davon leben kann ich bei weitem nicht.<!--more--><\/p>\n<p>In der Finanzkrise hatte ich Zeit genug, so dass ich im Geiste des &#8222;ich nehme jede Arbeit an&#8220; auch zu ungewohnten Schritten bereit war, um meine Lage zu stabilisieren. Dahinter stehe ich auch jetzt noch, doch muss ich meine &#8222;restliche Selbst\u00e4ndigkeit&#8220; dabei ja weiterhin schaffen k\u00f6nnen &#8211; und zwar mit Lust und Laune und nicht im Dauerstress!<\/p>\n<h2>Frei geworden!<\/h2>\n<p>Hinzu kommt, dass ich vor fast drei Wochen spontan das Rauchen aufgab, was alle Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, alle Gewohnheiten und Routinen des allt\u00e4glichen Lebens und Arbeitens durcheinander wirbelte. Die ersten drei Tage konnte ich unm\u00f6glich ganztags vor dem PC sitzen, sondern f\u00fchlte mich nerv\u00f6s und ziemlich krank &#8211; dann wurde es langsam wieder besser. Ja, es ist wunderbar, nicht mehr an der Kippe zu h\u00e4ngen!<\/p>\n<p>Zuletzt rauchte ich eine Packung Tabak pro Tag, das sind etwa vierzig Zigaretten, die nichts &#8222;Befriedigendes&#8220; mehr an sich haben, sondern im Gegenteil das Gef\u00fchl vermitteln, es sollten deutlich mehr sein. Ausl\u00f6ser des pl\u00f6tzlichen Entschlusses war ein <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"grafics\/goto.gif\" alt=\"*\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/><a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-online.de\/artikel\/794023\" target=\"new\" rel=\"noopener\">Artikel in der ZEIT \u00fcber COPD<\/a> &#8211; die &#8222;schmutzige Krankheit&#8220; der Raucher mit den vielen Schachteljahren. Ich konnte es erst gar nicht lesen, denn bereits die ersten S\u00e4tze zeigten mir, dass der Text &#8222;von mir handelte&#8220; (wenn auch die Symptome noch nicht so drastisch sind, vermutlich dank der langj\u00e4hrigen Yogapraxis). Ich legte die Zeitung sofort weg, so sehr &#8222;erwischte&#8220; mich der Artikel &#8211; und dann fragte ich mich: Willst du das weiter so haben? Wegsehen, verdr\u00e4ngen und weiter qualmen? Das Erschrecken hatte die Lust auf eine Kippe extrem gesteigert, gleichzeitig war ich mir sehr bewusst, dass ich mich damit umbringe &#8211; und zwar auf eine ganz sch\u00f6n widerliche Art, n\u00e4mlich durch langsames Ersticken.<\/p>\n<p>Das Wegsehen und Verdr\u00e4ngen ist bei mir immer mit dem Gef\u00fchl verbunden (gewesen!), ich k\u00f6nne es mir nicht leisten, mich &#8222;der Sache zu widmen&#8220;: ohne Nikotin k\u00f6nne ich zum Beispiel nicht schreiben, mich nicht konzentrieren, meine Web-Kunden nicht mehr bedienen, also meinem Beruf nicht weiter nachgehen. Jedenfalls nicht ohne gr\u00f6\u00dfere Umgew\u00f6hnungsphase &#8211; eine Kur oder ein langer Urlaub zum Beispiel &#8211; und daf\u00fcr war einfach nie genug Geld und Zeit da. Ich rauchte also weiter und schaltete innerlich vom Thema weg, wenn besorgte Gedanken aufkamen.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich alles Quatsch, es gibt genug Menschen, auch in kreativen Berufen, die es geschafft haben. Aber man raucht eh&#8216; nicht aus Vernunftgr\u00fcnden und mit der Vernunft alleine kommt man auch nicht davon runter. Es muss ein ausreichendes Ma\u00df an Leiden dazu kommen und das Verlangen nach Befreiung vom absurden, innerlich gespaltenen Dasein: wie \u00c4TZEND, die Angst vor den Folgen des Rauchens zu beantworten, indem man sich hastig die n\u00e4chste ansteckt und &#8222;wegdenkt&#8220;! Erst recht, wenn die ganze Raucherei mit all ihrem Dreck, ihrem Gestank und ihren ganzk\u00f6rperlich bet\u00e4ubenden Folgen schon lange als Leiden wahrgenommen wird &#8211; und damit das eigene Tun als selbstverletzendes Verhalten.<\/p>\n<h2>Blo\u00df nicht &#8222;dran arbeiten&#8220;!<\/h2>\n<p>Ich h\u00f6re nicht zum ersten Mal auf und wei\u00df, dass mich &#8222;Befassung&#8220; mit dem Thema gerade NICHT weiter bringt. Weder n\u00fctzen mir Nikotinpflaster und Kaugummis, noch Gespr\u00e4che mit anderen Rauchern und Ex-Rauchern, noch fortlaufendes Ver\u00f6ffentlichen meiner Gef\u00fchle und Befindlichkeiten im Zuge des Abschieds von der Kippe. All das h\u00e4lt mich nur weiter fest im Bannkreis der Sucht, all das hatte ich ja schon bis zum Abwinken! F\u00fcr mich geht es jetzt einzig darum, mich vom Rauchen innerlich abzuwenden und es nicht durch das positive Erinnerungsverm\u00f6gen nachtr\u00e4glich zu verkl\u00e4ren. Der k\u00f6rperliche Entzug ist im Prinzip durch, ein paar kleinere &#8222;Gesundungskrankheiten&#8220; d\u00e4mpfen noch mein Befinden, doch der Gewinn an Wachheit und innerer Ruhe ist bereits immens.<\/p>\n<h2>Die Sinnfrage: wieviel Strampeln muss sein?<\/h2>\n<p>Genug davon! Das neue Kapitel meiner Suchtgeschichte ist zum Gl\u00fcck nicht die einzige positive Entwicklung seit der &#8222;Finanzkrise&#8220; vom September. Auch von Seiten meiner Webkunden war ich in den letzten Wochen ganz gut besch\u00e4ftigt, dazu lief der Schreibimpulse-Kurs zum Thema &#8222;Altern&#8220;, der mir viel Freude machte. Alles in allem war das (zusammen mit dem neuen Pflegejob) SO VIEL ARBEIT, dass ich phasenweise &#8222;auf dem Zahnfleisch ging&#8220; und dar\u00fcber ins Zweifeln kam: hat das mal wieder ein Ende? Warum tue ich das, wenn doch das Schlimmste vor\u00fcber, das sch\u00e4rfste Finanzproblem beseitigt ist? Soll ich jetzt Geld h\u00e4ufen, bzw. das anstreben, anstatt FREIE ZEIT zu haben, in der ich tun kann, wonach es mich gerade gel\u00fcstet, oder &#8211; noch besser &#8211; auch einfach mal gar nichts tun?<\/p>\n<p>Ich fragte mich auch: WANN ist f\u00fcr mich eigentlich &#8222;die Finanzkrise vorbei&#8220;? Ich stellte fest, dass es daf\u00fcr reicht, dass mein Konto im Plus ist und in den n\u00e4chsten drei Wochen nicht ins Minus zu rutschen droht, n\u00e4mlich dann, wenn die Miete (und allerlei anderes) abgebucht wird. Ist das aber nicht ein bisschen SEHR WENIG Augenmerk auf Sicherheit?? Immerhin bin ich \u00fcber 50, ohne jedes Verm\u00f6gen, ohne Versicherungen und ohne Aussicht auf Rente! Warum h\u00f6re ich immer gleich auf mit den Bem\u00fchungen, mehr Geld zu verdienen, wenn das Konto wieder im Plus ist? Ist das &#8222;spirituell korrekt&#8220; oder ein Fehlverhalten???<\/p>\n<p>Krass sp\u00fcre ich angesichts solcher \u00dcberlegungen, dass mein &#8222;Motivationskost\u00fcm&#8220; in Sachen Brotarbeit und Herzblut-Arbeit noch immer nicht gekl\u00e4rt ist! Meine immer mal wieder gestarteten Versuche, beides zu verbinden, sind keineswegs immer erfolgreich und befriedigend verlaufen. Oder sie sind nicht nachhaltig, wie etwa die Sponsoring-Schiene in diesem Diary: Mein Leben ist zu UNSTET, als dass ich st\u00e4ndig &#8222;wochengenau&#8220; besinnliche Artikel zu festen Themen schreiben k\u00f6nnte, wie sich heraus gestellt hat. Im Gegenteil, das Vorhaben w\u00e4chst sich schnell zur Schreibblockade aus, auch und gerade, wenn es sich um selbst gew\u00e4hlte Themen handelt. Mir f\u00e4llt dann z.B. etwas ein, \u00fcber das ich gerne im Digidiary schreiben w\u00fcrde, doch sofort steht da der Gedanke: Oh, da warten aber noch f\u00fcnf &#8222;bestellte Themen&#8220; &#8211; also erst die Arbeit und dann das Vergn\u00fcgen! F\u00fcr die Plan-Themen fehlt mir dann aber die Inspiration und die rechte Ruhe, ich werde vom Arbeitsalltag &#8222;weggesaugt&#8220; und im Ergebnis tut sich im Digidiary dann gar nichts.<\/p>\n<p>Nun, SO war es nicht gedacht! Den Sponsorinnen und Sponsoren hab&#8216; ich das auch gleich in einem Rundbrief mitgeteilt &#8211; zum Gl\u00fcck sind es ja im wesentlichen alte Stammleser, die mich vor allem in der Krise unterst\u00fctzen wollten! Die&#8220;wartenden Themen&#8220; werde ich auf jeden Fall noch schreiben, jedoch ohne konkreten Zeitdruck: vielleicht in der ruhigen Zeit zwischen den Jahren, wenn sowieso nichts weiter ansteht als schreiben, schreiben, schreiben.<\/p>\n<h2>Philosophieren in den heiligen N\u00e4chten<\/h2>\n<p>Ja, und das ist auch eine gute Nachricht: ohne besondere Werbeaktivit\u00e4ten haben sich genug Teilnehmer\/innen gefunden f\u00fcr den Jahreswechselkurs &#8222;Transfer 2006&#8220;. Ich hatte extra einen fr\u00fchen Anmeldeschluss gesetzt, um rechtzeitig zu wissen, ob der Kurs stattfindet oder nicht. Es ist n\u00e4mlich bl\u00f6de f\u00fcr mich und die Teilnehmer, erst kurz vor Start zu erfahren, was Sache ist. Schlie\u00dflich stimmt man sich auch ein bisschen ein auf das Philosophieren, Bilanzieren und Visionieren rund um die heiligen N\u00e4chte, das dieser Kurs anbietet. Nun sind genug Leute zusammen und ich kann den Anmeldeschluss im Grunde wieder aufheben: zwei, drei Pl\u00e4tze sind ja noch frei, k\u00fcnstlich verknappen will ich das Angebot nun auch nicht! :-)<\/p>\n<h2>Mal wieder was Neues tun!<\/h2>\n<p>H\u00e4tte die Woche doppelt so viele Stunden, k\u00f6nnte ich sie derzeit ohne Probleme f\u00fcllen! Die &#8222;kleine Inventur&#8220; w\u00e4re nicht vollst\u00e4ndig ohne die Dinge, die (noch!) NICHT geklappt haben: ich m\u00f6chte endlich, endlich wieder einmal ein neues, eigenes Webprojekt starten: es wird mit Berlin zu tun haben und es gibt bereits Pl\u00e4ne, Materialien und sogar die Domain! Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, so zugesch\u00fcttet mit Arbeit, wie ich gerade bin. In jedem Fall wird es von Beginn an kommerziell sein, sprich, es wird was zu kaufen, zu buchen, zu bestellen geben, ich hab&#8216; ja so die Nase voll von der &#8222;Kultur des Kostenlosen&#8220;!<\/p>\n<p>Auch hier im Diary m\u00f6chte ich etwas \u00e4ndern: nach vielen Jahren &#8222;h\u00e4ndischer Pflege&#8220; will ich endlich auf eine Blog-Technik (NICHT auf den Blog-Stil!) umsteigen. Auch daf\u00fcr hat die Zeit bisher nicht gereicht, doch stehe ich praktisch in den Startl\u00f6chern und befasse mich immerhin mit dem n\u00f6tigen KnowHow.<\/p>\n<p>Weitere Bilanzen und Visionen vertage ich f\u00fcr jetzt in den Transfer-Kurs, schlie\u00dflich will ich hier nicht zur Ank\u00fcndigungsministerin werden!<\/p>\n<p>Zum Schluss will ich euch auf eine Seite hinweisen, die Dirk Schr\u00f6der (ein URGESTEIN des deutschen Webs!) k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlicht hat: als letzte und derzeit einzige eigene Seite, der Rest ist unter Verschluss. Warum lest ihr im Artikel: <a href=\"http:\/\/www.macelib.hor.de\/\">Nie wieder allein<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber drei Wochen kein Eintrag! Zwischen schlechtem Gewissen und Schreibblockade schwankend, will ich nun zumindest ETWAS von mir h\u00f6ren lassen: ich arbeite soviel wie noch nie! Mein Arbeitsalltag hat sich mit \u00dcbernahme der Pflege einer gro\u00dfen Website sehr stark verdichtet. 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