{"id":4202,"date":"2000-01-06T16:13:49","date_gmt":"2000-01-06T15:13:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4202"},"modified":"2024-02-02T16:16:24","modified_gmt":"2024-02-02T15:16:24","slug":"weise-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/01\/06\/weise-worte\/","title":{"rendered":"Weise Worte"},"content":{"rendered":"<p>Des \u00f6fteren bekomme ich E-Mail von Menschen, die es sicher gut mit mir meinen. Sie weisen mich darauf hin, da\u00df ich mich hier im falschen Film bewege: alle Texte zu Themen wie &#8222;Wer bin ich?&#8220;, alle Fragen nach dem &#8222;Woher-wohin-wozu?&#8220;, nach &#8222;Sinn&#8220; oder nach \u00fcbergreifenden Zielen seien obsolet. Nur das EGO stelle solche Fragen. Ein Beispiel:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Die Frage war wichtig. Die Erkenntnis, da\u00df eigentlich das Ego gefragt hat in Verbindung mit der Erfahrung, da\u00df es die transpersonale Liebe gibt, geben soviel Energie und Sicherheit, da\u00df eine Antwort nebens\u00e4chlich geworden ist. Das ist freilich eine Erfahrung, die mit Worten (mithin auch im Web) nicht mehr darzustellen ist. Doch gibt es Literatur, die anregen kann: &#8222;Die R\u00fcckkehr des friedvollen Kriegers&#8220; und &#8222;Die Erkenntnisse von Celestine&#8220;. Romanhaft aufbereitet werden die Wahrheiten aus Bibel, Buddhismus, Psychologie, &#8230; dem westlichen Menschen verdaulich dargeboten.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n f\u00fcr den westlichen Menschen! Und richtig: es gibt Erfahrungen, die sich im Web NICHT darstellen lassen, eine ganze Menge sogar. Au\u00dfer in eben dieser abstrahierten Form, die der Schreiber praktiziert und die niemandem n\u00fctzt. Ganze Bibliotheken widmen sich dem Unsagbaren, der Buchmarkt der letzten 20 Jahre quoll \u00fcber von Versuchen, sich dem zu n\u00e4hern, bzw. auch, damit Kasse zu machen. Manchmal mit den ulkigsten Mitteln und Methoden, manchmal mit Geschichten f\u00fcr das einfache Gem\u00fct, die dennoch gro\u00dfe Strahlkraft entfalten k\u00f6nnen (z.B. die uns\u00e4gliche Fabel &#8222;Johannes&#8220;).<\/p>\n<p>Wor\u00fcber man nicht reden kann, dar\u00fcber soll man schweigen, meinte dereinst Wittgenstein. Ein Verhalten, das den &#8222;westlichen Menschen&#8220; in der Regel \u00fcberfordert, &#8222;Kommunikation ist alles&#8220;, so wird uns ja t\u00e4glich ins Hirn geh\u00e4mmert. Doch wohin f\u00fchren solche Themen? Was bringen Predigten per E-Mail, Webseiten \u00fcber das &#8222;Klatschen der einen Hand&#8220;, oder gar &#8222;Diskussionen&#8220; \u00fcber das Spirituelle in Mailinglisten und Newsgroups? Nichts au\u00dfer jede Menge Streit \u00fcber die &#8222;richtige Lehre&#8220; oder den Austausch von harmonischen Plattit\u00fcden. Am schlimmsten streiten die fundamentalistischen Christen in den USA, in DE dominiert das tolerant-ignorante &#8222;anything goes&#8220; des ausgehenden New-Age.<\/p>\n<p>Seit aber das gesamte Leben als Folge der Computerisierung und Vernetzung f\u00fcr jeden sp\u00fcrbar umstrukturiert wird, verliert der spirituelle Marktplatz Kunden, Selbstverwirklichung und Sinnsuche treten zur\u00fcck hinter Weiterbildungskurse und Selbstbehauptungstrainings. (Pech, wer da sein Ego vorzeitig entsorgt hat&#8230;. :-) &#8222;Wer bin ich&#8220; wird vertagt bis zur neuen Antwort auf die Frage &#8222;Wie werde ich MORGEN Geld verdienen?&#8220;.<\/p>\n<p>Ich finde das gut, auch wenn es mich selbst immer mitbetrifft. Es bewegt sich wieder was, die Mehrheit ist aus dem energetischen Vakuum rundum gesicherter Verh\u00e4ltnisse herausgefallen, es gibt wieder Dinge, \u00fcber die zu reden ist, ja, geredet werden mu\u00df. Und vor allem: Wer existenziell gefordert ist, der wird durch seine Taten sichtbar, konkrete Handlungen sagen mehr als 1000 weise Worte!<\/p>\n<p>Und hier liegen die Chancen der Kommunikation im Netz: vom realen Leben kann berichtet werden, \u00fcber handfeste Fragen lohnt der Austausch, aktuelle Probleme k\u00f6nnen gemeinsam oft besser und schneller gel\u00f6st werden. Man hilft und bekommt Hilfe, man lernt, arbeitet, hat Erfolg und scheitert, lernt dabei sich selbst, den Anderen und die Welt kennen. Das Bewu\u00dftsein wendet sich wieder den Gegenst\u00e4nden zu, die uns entgegenstehen &#8211; wenn es auch heute keine Gegenst\u00e4nde mehr sind. Und: wenn gemeinsam etwas Drittes angesehen wird, werden wahre Kontakte, menschliche Begegnungen jenseits \u00f6konomischer oder psychologischer Bedingtheiten sehr viel wahrscheinlicher. Toll!<\/p>\n<p>Ich will also nicht wissen, welche B\u00fccher ich lesen soll, welchen Guru ich nicht verpassen darf, welche Lehre oder LEERE all meine Fragen \u00fcberfl\u00fcssig macht &#8211; ich m\u00f6chte etwas von DIR wissen, vom konkreten Anderen. Was bringt dir deine pers\u00f6nliche Metaphysik im Alltag? Bist du in &#8222;transpersonaler Liebe&#8220;, wenn der Chef dich k\u00fcndigt oder dein Konkurrent den wichtigsten Auftrag wegschnappt, wenn die Freundin dich verl\u00e4\u00dft oder die Kinder dich zur Wei\u00dfglut treiben? Und wie gehst Du damit um, da\u00df du es nicht bist? Gelassen die Verg\u00e4nglichkeit hinnehmen, den Augenblick genie\u00dfen? &#8211; ja warum rennst du dauernd ins Fitnesstudio? Warum nimmst du den Verfall Deiner Z\u00e4hne nicht gelassen hin, sondern investierst einen mittleren Gebrauchtwagen in &#8222;Zahnhalteapparat&#8220; und Zahnersatz?<\/p>\n<p>Fragen \u00fcber Fragen, Dinge, von denen man erz\u00e4hlen kann. Der Rest ist Schweigen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Des \u00f6fteren bekomme ich E-Mail von Menschen, die es sicher gut mit mir meinen. Sie weisen mich darauf hin, da\u00df ich mich hier im falschen Film bewege: alle Texte zu Themen wie &#8222;Wer bin ich?&#8220;, alle Fragen nach dem &#8222;Woher-wohin-wozu?&#8220;, nach &#8222;Sinn&#8220; oder nach \u00fcbergreifenden Zielen seien obsolet. Nur das EGO stelle solche Fragen. 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