{"id":4142,"date":"1999-11-30T15:00:30","date_gmt":"1999-11-30T14:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4142"},"modified":"2024-01-11T15:21:15","modified_gmt":"2024-01-11T14:21:15","slug":"was-so-alles-herumsteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/11\/30\/was-so-alles-herumsteht\/","title":{"rendered":"Was so alles herumsteht&#8230;."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4145\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/corbuln.jpg\" alt=\"Designerliege\" width=\"208\" height=\"65\" \/>Der respektlose Titel kommt aus einem Unverm\u00f6gen: die Welt der materiellen Gegenst\u00e4nde ist ein Bereich, in dem ich wenig Freude finde. M\u00f6bel, Klamotten, Autos, auch die kleinen Geschenke, die die Freundschaft erhalten sollen &#8211; ja, manches sieht sch\u00f6n aus, aber das ist auch schon alles, was ich sagen kann. Beim Anblick eines solchen &#8222;Dings&#8220; erfa\u00dft mich nie die Lust, es zu besitzen, im Gegenteil. Ich sehe die Transportprobleme, stell mir vor, wie es wieder zu entsorgen w\u00e4re, sch\u00fcttele den Kopf angesichts der Preise und frag&#8216; mich, warum jemand soviel Geld ausgibt, um so ein sperriges Objekt irgendwohin zu stellen.<!--more--><\/p>\n<p>Mein Lebensgef\u00e4hrte hat sich einen gro\u00dfen tibetischen Teppich gekauft: warme Farben, 2 cm dick &#8211; er gibt dem Raum eine sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re und ich genie\u00dfe es, dort Yoga zu \u00fcben. Aber selber einen kaufen? Ich f\u00fchle kein Verlangen&#8230;. Ein Freund und Kollege richtet gerade sein Wohnzimmer neu ein und fragt mich nach meiner Meinung \u00fcber Sessel, Sofas und Tische &#8211; schlicht, edel, teuer, Bauhaus. Tja, was sagen? Ich kenne diese M\u00f6bel aus Architekturb\u00fcros, Banken und Arztpraxen, also erinnern sie mich daran. Auf einer Corbusier-Liege entspannte ich mich neulich im Wiesbadener Thermalbad. Wirklich ein tolles Teil und sehr sehr bequem! &#8211; w\u00fcrde es allerdings bei mir im Zimmer stehen, st\u00e4nde es nur im Weg: Wenn ich liegen will, liege ich am liebsten flach, eine schlichte Matratze oder ein v\u00f6llig unauff\u00e4lliges Bett reichen v\u00f6llig aus.<\/p>\n<p>Als Konsumentin physischer Dinge bin ich eine echte Versagerin, w\u00e4ren alle so, w\u00fcrde die Wirtschaft zusammenbrechen und die Autobahnen w\u00e4ren leer. Woher kommt das? Einerseits vielleicht durch eine Kindheit in beschr\u00e4nkten Verh\u00e4ltnissen: keine Spielzeugmengen, keine Mode-Klamotten, keine Gelegenheit, bei anderen Kindern mit &#8222;guck mal, was ich da HABE&#8220; zu landen. Daf\u00fcr lernte ich mit 5 Jahren eigendynamisch lesen &amp; schreiben und sobald ich in die Schule kam, konnte ich sagen: &#8222;Guck mal, was ich schon KANN!&#8220; Meine Welt war die Stadtb\u00fccherei, Woche f\u00fcr Woche schleppte ich Unmengen B\u00fccher nachhause, um mich ins &#8222;Virtuelle&#8220; zu vertiefen. Das war spannender und angenehmer, als die k\u00f6rperlichen Kampf- und Wettspiele der Hofkinder, bei denen ich regelm\u00e4\u00dfig versagte und entsprechend verspottet wurde.<\/p>\n<p>Aus so einer Grundkonditionierung findet man nicht einfach &#8218;raus, vielleicht nie. Anfang der 80ger, in der Berliner Hausbesetzerbewegung, bin ich dann binnen drei Jahren 7 mal umgezogen. Das hat meiner mittlerweile angenommenen Gewohnheit, B\u00fccher in immer gr\u00f6\u00dferen Regalen zu sammeln und auch sonst viel Zeug lieblos in der Wohnung zu stauen, den Rest gegeben. Auf Umz\u00fcge, f\u00fcr die man zehn Helfer und einen ganzen Tag braucht, hatte ich schon bald keine Lust mehr und reduzierte meine Habe auf das allern\u00f6tigste. Den letzten Umzug konnte ich ganz alleine binnen 3 Stunden erledigen, ich war wirklich &#8222;flexibel&#8220; geworden&#8230;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4146\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/myzimmer.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"190\" \/>Und heute? Mein Zimmer wird vom Computer-Arbeitsplatz dominiert und ist ansonsten nur sp\u00e4rlich eingerichtet. Ja, durch den neulich eingef\u00fchrten B\u00fcrotisch zus\u00e4tzlich zum Computertisch (auf dem Foto noch nicht da) ist es mir fast zu voll &#8211; doch den brauche ich, um auch mal Leute empfangen zu k\u00f6nnen, mit denen ich etwas arbeite.<\/p>\n<p>Einen guten Rat in Sachen &#8222;Welches M\u00f6bel?&#8220; kann ich also nicht geben &#8211; immer denke ich bei mir: lieber keins! Oder vielleicht eines aus Jute oder fester Pappe, das man ganz leicht herumtragen und wieder loswerden kann&#8230;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der respektlose Titel kommt aus einem Unverm\u00f6gen: die Welt der materiellen Gegenst\u00e4nde ist ein Bereich, in dem ich wenig Freude finde. M\u00f6bel, Klamotten, Autos, auch die kleinen Geschenke, die die Freundschaft erhalten sollen &#8211; ja, manches sieht sch\u00f6n aus, aber das ist auch schon alles, was ich sagen kann. 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