{"id":4133,"date":"1999-11-16T14:36:47","date_gmt":"1999-11-16T13:36:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4133"},"modified":"2024-01-11T14:37:47","modified_gmt":"2024-01-11T13:37:47","slug":"sterben-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/11\/16\/sterben-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Sterben &#038; Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Ob ich ein Forum ans Diary linken soll? Ich mag es, wenn Leserbriefe kommen, stelle sie gern auf die Briefe-Seite und kommentiere sie &#8211; vielleicht aber verhindere ich so ausf\u00fchrlichere Gespr\u00e4che zwischen Lesern? Und nicht immer kann ich ja selbst auf alles eingehen&#8230; Wer daf\u00fcr oder dagegen ist, m\u00f6ge doch mal schreiben!<!--more--><\/p>\n<p>Juh, vielen durch sein t\u00e4gliches <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/> <a href=\"http:\/\/www.sudelbuch.de\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">Sudelbuch<\/a> bekannt, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/briefe2.htm#juh\">schreibt heute<\/a>, die Verbannung des Sterbens hinter verschlossene Krankenhaust\u00fcren sei f\u00fcr die Gesellschaft eine Verarmung, der Entzug einer gemeinschaftsstiftenden Erfahrung. Ja, warum sollen wir noch zusammenkommen, wenn nicht, um dem Tod etwas entgegenzusetzen? Wenn wir den Tod nicht f\u00fcr wahr-nehmen, solange es eben geht, verliert auch DER ANDERE seine Faszination, den Aspekt, \u00fcber mich und mein blosses Dasein und Sosein hinauszuweisen.<\/p>\n<p>Ach je, jetzt werd&#8216; ich allzu philosophisch-abstrakt! Dabei ist mir das Thema ganz egoistisch-konkret eingefallen: ich will nicht, da\u00df mit mir beliebig verfahren wird, wenn ich mal nicht mehr selber kr\u00e4ftig genug bin, ein Ende zu setzen. Ja, mehr noch: ich m\u00f6chte sogar kreative Dienstleistungen des medizinisch-industriellen Komplexes f\u00fcr mich in Anspruch nehmen k\u00f6nnen! Schlie\u00dflich ist nicht einfach nur &#8222;der Abgang&#8220; denkbar, sondern sogar eine Kultur des Sterbens, die eine geeignete Umgebung und ein Zelebrieren der unterschiedlichsten Sinneseindr\u00fccke (Musik, Bilder, D\u00fcfte&#8230;.) umfa\u00dft &#8211; wie auch den Einsatz geeigneter Drogen. Und auch diese nicht nur, um Schmerzen zu stillen, sondern um &#8211; sofern man das sch\u00e4tzt &#8211; dem eigenen Bewu\u00dftsein auf die Spr\u00fcnge zu helfen. Was sollen noch Verbote in den letzten Tagen? Vor WAS soll jemand noch gesch\u00fctzt werden, wenn der Tod ansteht?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, da\u00df ich damit in eine Richtung denke, die sich diametral von <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/briefe2.htm#michael\">Michaels Bedenken<\/a> losl\u00f6st, der nicht zulassen will, da\u00df der Staat durch entsprechende Gesetze EXPLIZIT den Freiraum des Individuums, Art und Zeitpunkt seines Sterbens zu w\u00e4hlen, er\u00f6ffnet. Michael sagt zwar: &#8222;Ich m\u00f6chte nat\u00fcrlich dem Einzelnen alle Freiheit lassen, die er ohnehin faktisch hat&#8230;&#8220;, sieht damit aber dar\u00fcber hinweg, da\u00df dieser Freiraum nicht mehr existiert, sobald jemand im Krankenhaus ans Bett und\/oder an Apparate gefesselt ist. Wer dann keine Freunde oder \u00c4rzte hat, <i>die bereit sind, sich illegal zu verhalten<\/i> (und WER hat die schon!), ist aufgeschmissen und voll dem Umtrieb ausgeliefert.<\/p>\n<p>Die \u00d6konomie des immer unbezahlbarer werdenden Gesundheitssystems dr\u00e4ngt tats\u00e4chlich in diesselbe Richtung: je fr\u00fcher einer stirbt, desto billiger! Ich bin daf\u00fcr, hier mit Gesetzen Ausw\u00fcchse zu verhindern: der Einzelne soll SELBST entscheiden und nicht seine Verwandten oder die \u00c4rzte. Da\u00df diese individuelle Entscheidung aber von der Umwelt beeinflu\u00dft ist: ist denn das nicht immer so? Warum das zum Ende hin weghalten wollen?<\/p>\n<p>Letztlich mu\u00df ich ja keinen Staat machen und glaube einfach, da\u00df es so kommt. Ich bin bereit, Wetten darauf abzuschlie\u00dfen: Im Jahr 2020, wenn ich \u00fcber 65 bin, werden in meinem Briefkasten bzw. meiner Mailbox sich nicht nur die Urlaubsreise-Angebote stapeln, sondern immer \u00f6fter werden auch &#8222;finale Pauschaltrips&#8220; angeboten werden, vielleicht als Werbe-Beilage zur Arztrechnung oder als Infoschreiben der Krankenkasse.<\/p>\n<p>Ich vermute, meiner Generation und den J\u00fcngeren wird dies in den kommenden Jahrzehnten weniger Probleme bereiten, als den \u00c4lteren. Schlie\u00dflich haben wir (post &#8217;68) fast von Kindesbeinen an gelernt, uns zur Not gegen ein Umfeld zu wehren &#8211; eine Gesellschaft, die vom m\u00fcndigen B\u00fcrger ausgeht und ihm auch die letzte Freiheit l\u00e4\u00dft, k\u00f6nnen wir durchaus verkraften.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt: Ich fordere diese Freiheit, diese Rechte, um sie solange es irgend geht, pers\u00f6nlich NICHT zu nutzen. Denn mich interessiert, wie das Sterben &#8222;von selber&#8220; geht&#8230;., das kann ich aber nur in Ruhe beobachten, wenn ich nicht k\u00e4mpfen muss, wenn ich auf Wunsch alles haben kann, was ich aktuell zu brauchen meine.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob ich ein Forum ans Diary linken soll? Ich mag es, wenn Leserbriefe kommen, stelle sie gern auf die Briefe-Seite und kommentiere sie &#8211; vielleicht aber verhindere ich so ausf\u00fchrlichere Gespr\u00e4che zwischen Lesern? 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