{"id":4125,"date":"1999-11-12T13:10:50","date_gmt":"1999-11-12T12:10:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4125"},"modified":"2024-01-11T13:41:12","modified_gmt":"2024-01-11T12:41:12","slug":"wilde-blumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/11\/12\/wilde-blumen\/","title":{"rendered":"Lasst Millionen wilde Blumen bl\u00fchen!"},"content":{"rendered":"<p>Heute morgen liegt Reif \u00fcber der Landschaft und alles ist winterlich wei\u00df, auch die Wiese hinter dem Schlo\u00df. Bald wird das letzte Laub verschwunden sein und ich werde durch das W\u00e4ldchen hindurch sehen k\u00f6nnen. Wie schnell das alles geht! Um halb sechs abends ist es bereits stockdunkel und ich erinnere mich, da\u00df ich in Berliner Zeiten immer fragte: was treibt das Landvolk wohl an diesen langen Abenden? Nichts, wei\u00df ich jetzt. Ich gehe immer fr\u00fcher schlafen und wundere mich, da\u00df es in der Stadt selbstverst\u00e4ndlich war, auch winters die Nacht zum Tage zu machen, zumindest bis Mitternacht zu lesen, fernzusehen, zu arbeiten, oder auszugehen. Es ist, als h\u00e4tte die allgemeine Wachheit einer gro\u00dfen Zahl Menschen zur Folge, da\u00df man ebenfalls wach bleibt. Und hier ist die &#8222;Menschendichte&#8220; sehr gering und also f\u00e4llt man in den Schlaf, sobald es lange genug dunkel ist.<\/p>\n<p>Bis zum Jahresende hab&#8216; ich mir &#8218;frei&#8216; genommen: Auftr\u00e4ge und kommerzielle Arbeiten auf ein Minimum heruntergefahren. Jetzt ist also Platz f\u00fcr eigene Aktivit\u00e4ten: Die Schlo\u00df-Gottesgabe-Site macht mir gro\u00dfe Freude, ich bin geradezu in einen Design-Rausch verfallen und lerne auch mal wieder etwas Neues. Dann (es kann sich nur noch um Tage handeln) kommt endlich mein Lehr-Projekt, das ich schon lange plane und zu dem es mich immer st\u00e4rker hinzieht: Ich werde &#8211; zusammen mit einem Kollegen, der vom Journalismus kommt &#8211; das Thema &#8222;Schreiben f\u00fcr das Internet&#8220; didaktisch aufbereiten. SCHREIBEN ist der Ausgangspunkt und NICHT Design, Grafik, HTML, Netztechnik &#8211; obwohl all das nat\u00fcrlich eine Rolle spielen wird, ausnahmsweise aber mal eine DIENENDE!<\/p>\n<h2>Noch immer gilt: Selber machen geht!<\/h2>\n<p>Durch die Professionalisierung des Webdesigns entsteht mehr und mehr der Eindruck, mensch k\u00f6nne nicht selber dem Medium entsprechend die eigenen Inhalte ver\u00f6ffentlichen, ohne riesigen Aufwand an Zeit und Geld. Die Rede vom &#8222;Webseiten programmieren&#8220; hat sich etabliert und damit auch der Abschreckungsfaktor, der dem Wort PROGRAMMIEREN schon immer anhing, gerade f\u00fcr Leute, die eher mit Texten als mit Technik umgehen. Doch genau wie dereinst lesen &amp; schreiben geh\u00f6rt heute &#8222;Medienkompetenz&#8220; zu den Schl\u00fcsself\u00e4higkeiten, ohne die bald niemand mehr ein Bein auf den Boden der (nicht nur Erwerbs-) Gesellschaft bekommen wird. Millionen neue &#8222;User&#8220; kommen ins Netz, doch wird es ihnen alles andere als leicht gemacht, die Chancen und Gefahren richtig einzusch\u00e4tzen und vor allem, es F\u00dcR SICH zu nutzen, jenseits der platten M\u00f6glichkeiten des E-Commerce.<\/p>\n<p>1996, als ich meine ersten Seiten baute, ging das noch leicht, die Webgemeinde war klein, der kommerzielle Bereich dominierte noch nicht und die Idee &#8222;selber machen&#8220; lag nahe. Doch wer heute ins Netz kommt und &#8211; nat\u00fcrlich! &#8211; erstmal die in der Printpresse besprochenen Webseiten absurft, kommt nie auf die Idee, sowas l\u00e4ge im Bereich eigener M\u00f6glichkeiten &#8211; etwa so wenig, wie die M\u00f6glichkeit, ein eigenes Fernsehprogramm zu starten. Doch, entgegen dem ersten Anschein, ist genau diese M\u00f6glichkeit die zentrale Neuerung des Netzes, und nach wie vor ist das machbar, ja sogar immer besser machbar, denn es gibt unz\u00e4hlige Hilfen, Programme und Mailinglisten, die das &#8218;webben&#8216; erleichtern. Und wo heute nur Text und Bild und ein paar Animationen die Mittel des Ausdrucks sind, werden es morgen auch bewegte Bilder sein &#8211; ich bin mir sicher, da\u00df in einigen Jahren auch das &#8222;eigene Fernsehprogramm&#8220; aus vielen Homepages herauswachsen wird, schlie\u00dflich gibt es eine riesige Szene engagierter Hobbyfilmer.<\/p>\n<p>Jede Minute, die DU hier in diesem Diary liest, geht einem Printmedium oder einem Fernsehsender (oder einer E-Commerce-Site) verloren &#8211; klar, da\u00df der kommerzielle Sektor dar\u00fcber &#8222;not amused&#8220; ist und \u00fcber den &#8222;vielen Schrott&#8220; im Netz l\u00e4stert. Sollen sie l\u00e4stern, der Leser liest doch, was er lesenswert findet! Ich m\u00f6chte, da\u00df VIELE Schreiber zu Webgestaltern werden, da\u00df Millionen wilde Blumen neben den aufwendigen Z\u00fcchtungen stehen &#8211; genau wie in der &#8218;realen&#8216; Pflanzenwelt!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen liegt Reif \u00fcber der Landschaft und alles ist winterlich wei\u00df, auch die Wiese hinter dem Schlo\u00df. Bald wird das letzte Laub verschwunden sein und ich werde durch das W\u00e4ldchen hindurch sehen k\u00f6nnen. Wie schnell das alles geht! 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