{"id":4101,"date":"2024-01-02T15:25:39","date_gmt":"2024-01-02T14:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4101"},"modified":"2024-02-18T10:33:33","modified_gmt":"2024-02-18T09:33:33","slug":"ohne-migranten-waeren-wir-aufgeschmissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2024\/01\/02\/ohne-migranten-waeren-wir-aufgeschmissen\/","title":{"rendered":"Ohne Migranten w\u00e4ren wir aufgeschmissen!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jedes mal, wenn ich lese, dass bestimmte Leute am liebsten gar keine Migranten im Land h\u00e4tten, ja sogar von gro\u00dffl\u00e4chiger &#8222;Remigration&#8220; tr\u00e4umen, frage ich mich, wie dumm man eigentlich sein kann? Diese St\u00e4nkerer haben anscheinend keine Ahnung, dass unsere Wirtschaft ohne Migranten nicht mehr funktionieren w\u00fcrde und unser &#8222;Wohlstand&#8220; schnell den Bach runter ginge, w\u00fcrden sie uns verlassen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der Sp\u00e4ti links neben dem Mietshaus, in dem ich lebe, geh\u00f6rt einem Bulgaren. Ein paar Schritte nach rechts f\u00fchrt eine vietnamesiches Familie gleich zwei L\u00e4den: einen Backshop und einen weiteren Sp\u00e4ti f\u00fcr die &#8222;Nahversorgung&#8220; mit allem, was man mal eben so braucht. Migranten haben die fr\u00fcher &#8222;Tante Emma&#8220; genannten L\u00e4den \u00fcbernommen oder neu gegr\u00fcndet &#8211; ohne sie h\u00e4tten wir nur die Superm\u00e4rkte,\u00a0 Discounter und abseits der \u00d6ffnungszeiten die teuren Tankstellen. In meiner Stra\u00dfe gibt es auch Restaurants: italienisch, griechisch, vietnamesisch &#8211; und \u00fcberall arbeiten Menschen mit Migrationshintergrund. Auch auf den Baustellen, an denen ich vorbei laufen, sehe ich &#8211; rein ph\u00e4notypisch betrachtet &#8211; kaum &#8222;Urdeutsche&#8220; am werkeln.<\/p>\n<p>Das sind nur meine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fcck, aber wie sieht es statistisch aus? Hier mal die <strong>Branchen mit dem h\u00f6chste Anteil ausl\u00e4ndischer sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigter im Jahr 2022: <\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th align=\"left\">Branche:<\/th>\n<th>Anteil:<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Reinigungskr\u00e4fte<\/td>\n<td>37,4%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lebensmittelherstellung<\/td>\n<td>34,3%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Hoch- und Tiefbau<\/td>\n<td>31,2%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Tourismus, Hotel- und Gastst\u00e4tten<\/td>\n<td>28,0%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verkehr, Logistik (au\u00dfer Fahrer\/innen)<\/td>\n<td>25,4%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Landwirtschaft, Tierhaltung, Forstwirtschaft<\/td>\n<td>24,5%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lkw-Fahrer*innen (und andere Fahrzeuge)<\/td>\n<td>23,4%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ausbau und Innenausbau<\/td>\n<td>22,8%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Berufe in der Altenpflege<\/td>\n<td>16,3%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Zahlen stammen von der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, <strong>Selbst\u00e4ndige und Entsendete<\/strong> sind nicht dabei (<a href=\"https:\/\/migrations-geschichten.de\/in-welchen-berufen-arbeiten-auslaendische-arbeitskraefte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>).<br \/>\nUnd: Das sind jetzt nur ausl\u00e4ndische Besch\u00e4ftigte, also ohne die unz\u00e4hligen <strong>Menschen mit Migrationshintergrund<\/strong>, die bereits Deutsche sind. Zum Vergleich die <a href=\"https:\/\/mediendienst-integration.de\/migration\/bevoelkerung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zahlen des Mediendienstes Integration<\/a>: &#8222;Rund 12,2 Millionen von ihnen haben einen deutschen Pass. Etwa 11,6 Millionen sind Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder.&#8220;<\/p>\n<p>Hier dazu die neueste Tabelle vom Statistischen Bundesamt:<\/p>\n<p><strong>Verteilung Erwerbst\u00e4tiger mit und ohne Einwanderungsgeschichte (Migrationshintergrund), jeweils Anteil in % der Gesamtbev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>mit<\/th>\n<th>ohne<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/td>\n<td>3,0<\/td>\n<td>4,5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Akademische Berufe<\/td>\n<td>17,4<\/td>\n<td>24<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Technische u. gleichrangige Berufe<\/td>\n<td>15,1<\/td>\n<td>21,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>B\u00fcrokr\u00e4fte und \u00e4hnl. Berufe<\/td>\n<td>9,9<\/td>\n<td>14,5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Dienstleistungsberufe inkl. Verkauf<\/td>\n<td>15,4<\/td>\n<td>12,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei<\/td>\n<td>0,6<\/td>\n<td>1,5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Handwerk u. verwandte Berufe<\/td>\n<td>13<\/td>\n<td>10,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Montage, Bedienung v. Anlagen\/Maschinen<\/td>\n<td>9,9<\/td>\n<td>4,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Hilfsarbeitskr\u00e4fte<\/td>\n<td>15,6<\/td>\n<td>4,7<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Gesundheit? Ohne Migranten st\u00fcnde es schlecht um unsere Versorgung!<\/h2>\n<p>Im Jahr 2022 gab es nach den Daten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit rund 1,68 Millionen sozialversicherungs\u00adpflichtig Besch\u00e4ftigte in den Pflegeberufen, darunter insgesamt 244.000 ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte. Ihr Anteil hat sich zuletzt von acht Prozent 2017 auf 14 Prozent 2022 nahezu verdoppelt (<a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/143689\/Mehr-auslaendische-Arbeitskraefte-in-der-Pflege\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>) &#8211; es sind aber noch lange nicht genug, um den Mangel zu beheben! Beachte: Das sind nur &#8222;ausl\u00e4ndische&#8220; Besch\u00e4ftigte, also noch ohne die vielen Deutschen mit Migrationshintergrund! Z\u00e4hlt man diese dazu, bedeutet das: &#8222;<strong>Jede dritte Pflegekraft und jeder f\u00fcnfte Arzt stammt aus dem Ausland.<\/strong>&#8220; (Mai, 2022, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/migration-krankenhaeuser-pflegeheime-fachkraefte-aerzte-1.5581737\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SZ: In Krankenhaus und Pflegeheim geht nichts mehr ohne Migranten<\/a>).<\/p>\n<p>Wir alle kennen \u00c4rztemangel, der ohne Migranten noch viel dramatischer w\u00e4re, wie das <a href=\"https:\/\/www.svr-migration.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SVR_Factsheet_Jahresgutachten_2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faktenblatt zum Gutachten des Sachverst\u00e4ndigenrats f\u00fcr Integration und Migration 2022 (.pdf)<\/a> zeigt::<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Von den insgesamt rund 410.000 berufst\u00e4tigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten haben rund 130.000 einen Migrationshintergrund, das ist \u00fcber ein Viertel der gesamten \u00c4rzteschaft (27,3%). 56.000 haben keine deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft. Die wichtigsten Herkunftsl\u00e4nder sind Syrien (4.970), Rum\u00e4nien (4.514), Griechenland (2.723), die Russische F\u00f6deration (2.548) und \u00d6sterreich (2.415).&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<h2>Und die Selbst\u00e4ndigen?<\/h2>\n<p>Die sogenannte Gr\u00fcndungsquote bei Migranten (19,9 Prozent) ist mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte (8,3 Prozent). Und das trotz der vielen B\u00fcrokratischen H\u00fcrden, die ihnen im Weg stehen. (<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/unternehmen\/migranten-gruendungen-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>)<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Im Jahr 2021 gab es 703.000 Selbstst\u00e4ndige mit Migrationshintergrund in Deutschland <span class=\"external-link\">\u2013 etwa 7 Prozent mehr als 2011 (660.000, <span class=\"glossary context-hint\"><a>Erl\u00e4uterung<\/a><\/span><\/span>). Innerhalb dieser zehn Jahre wuchs ihr Anteil von rund <strong>15 auf 20 Prozent aller Selbstst\u00e4ndigen<\/strong>. Die knappe Mehrheit von ihnen sind Alleinunternehmer*innen. Etwa 47 Prozent (332.000) sind selbst Arbeitgeber*innen mit weiteren Besch\u00e4ftigten \u2013 und sorgten f\u00fcr zahlreiche Jobs: Verschiedenen Sch\u00e4tzungen zufolge stellen sie \u00fcber zwei Millionen\u00a0<span class=\"glossary context-hint\"><a>Arbeitspl\u00e4tze<\/a><\/span>.&#8220; (<span class=\"source context-hint\"><a href=\"https:\/\/mediendienst-integration.de\/integration\/arbeitsmarkt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a><\/span>).<\/p><\/blockquote>\n<h2>Fazit: Es sind viele, aber nicht genug!<\/h2>\n<p>Zwar stellen Migranten bereits in vielen Branchen einen erheblichen Anteil der Arbeitskr\u00e4fte, aber nicht nur in der Pflege werden h\u00e4nderingend weitere Fachkr\u00e4fte gesucht. Die Alterspyramide steht schon lange auf dem Kopf. Bedeutet konkret:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es gibt heute 1,8 Millionen offene Stellen, bis 2035 werden infolge der demografischen Entwicklung Deutschlands f\u00fcnf Millionen Besch\u00e4ftigte mehr in Rente gehen, als junge Besch\u00e4ftigte nachkommen. Deutschland ben\u00f6tigt selbst bei einer konservativen Rechnung mindestens 500.000 zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland und eine Zuwanderung von knapp einer Million Menschen pro Jahr, um die L\u00fccke, die die Babyboomer auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen werden, zu f\u00fcllen. Selbst wenn die Schutzsuchenden, die bereits heute in Deutschland leben und noch nicht in Arbeit sind, alle in Arbeit k\u00e4men, w\u00fcrden sie nur einen kleinen Teil der heute bestehenden Arbeitskr\u00e4ftel\u00fccke schlie\u00dfen&#8220;. (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2023-11\/migration-fachkraeftemangel-pull-faktoren-asylpolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine Ausl\u00e4nder- und\u00a0 Immigranten-feindliche Politik, wie sie &#8222;v\u00f6lkisch&#8220; verblendete B\u00fcrger fordern, w\u00e4re ein Fiasko f\u00fcr unser Land! Schon jetzt meiden h\u00f6her qualifizierte Zuwanderer die neuen Bundesl\u00e4nder oder ziehen nach einiger Zeit wieder in den Westen. Ein echter Standortnachteil, insbesondere f\u00fcr die Ansiedlung neuer Unternehmen aus dem Ausland.<\/p>\n<p>Zur aktuellen Politik, die die sogenannten &#8222;Pullfaktoren&#8220; f\u00fcr Zuwanderer aush\u00f6hlen will, empfehle ich den Artikel von Marcel Fratzscher (DIW) &#8222;<a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.885699.de\/nachrichten\/deutschland_muss_fuer_zuwanderer_attraktiver_werden.html\">Deutschland muss f\u00fcr Zuwanderer attraktiver werden<\/a>&#8222;:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;<span class=\"\">Deutschland hat zu wenig Zuwanderung und es kommen auch nicht die &#8222;falschen&#8220; Menschen. Eine Schw\u00e4chung der Pull-Faktoren h\u00e4tte katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen f\u00fcr Deutschland.<\/span>&#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes mal, wenn ich lese, dass bestimmte Leute am liebsten gar keine Migranten im Land h\u00e4tten, ja sogar von gro\u00dffl\u00e4chiger &#8222;Remigration&#8220; tr\u00e4umen, frage ich mich, wie dumm man eigentlich sein kann? 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