{"id":4099,"date":"2023-12-29T13:10:09","date_gmt":"2023-12-29T12:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4099"},"modified":"2024-02-18T10:34:19","modified_gmt":"2024-02-18T09:34:19","slug":"jahresrueckblick-2023-hoechstpersoenlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/12\/29\/jahresrueckblick-2023-hoechstpersoenlich\/","title":{"rendered":"Jahresr\u00fcckblick 2023 &#8211; h\u00f6chstpers\u00f6nlich"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren sei ich &#8222;ernsthafter denn je&#8220; geworden, schreibt der Maschinist in seiner &#8222;<a href=\"https:\/\/maschinist.blog\/2023\/12\/29\/hirnsudelei-12-23\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hirnsudelei 12\/23<\/a>&#8222;. Dass ich &#8222;aus Berlin weggegangen&#8220; bin, ist allerdings Schnee von vorvorgestern: Nur 1999 bis 2001 war ich drau\u00dfen in Mecklenburg, dann zog es mich aufgrund schierer \u00d6dnis <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/erde\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wieder zur\u00fcck<\/a>.<\/p>\n<p>Auch in Berlin ist es m\u00f6glich, ein recht ruhiges Leben zu f\u00fchren. Mein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rudolfkiez\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rudolfkiez<\/a> ist zwar ein wenig belebter geworden, aber noch immer deutlich ruhiger als das benachbarte Touristennest mit der ber\u00fchmten Simon-Dach-Stra\u00dfe. S-Bahn- und Zug-Geleise trennen effektiv, das Partyvolk hat keinen Grund, die Modersohnbr\u00fccke zu \u00fcberqueren und hier herumzul\u00e4rmen.<\/p>\n<p><strong>Also was ist bzw. war mit 2023?<\/strong> Was die Weltlage angeht maximal beschissen, aber das lasse ich hier glatt mal aus! F\u00fcr mich geh\u00f6rt es zur Lebenskunst, das alles auch links liegen lassen zu k\u00f6nnen, wenn ich keinen Bock drauf habe, mich aufzuregen.<br \/>\nIn keinem Jahr war mir so klar wie 2023, dass es meine Suche nach Erregungszust\u00e4nden ist, die mich z.B. immer noch auf &#8222;X&#8220;, ehemals Twitter h\u00e4lt: Schauen, welche S\u00e4ue grade wieder durchs Dorf getrieben werden und mich dr\u00fcber aufregen &#8211; unsinnig, aber ich machs halt doch immer wieder! Die Zeit, die ich dort verbringe, ist allerdings weniger geworden.<!--more--><\/p>\n<h2>Was 2023 richtig gut geklappt hat<\/h2>\n<p>In diesem Jahr habe ich ganze <strong>acht Kilo K\u00f6rpergewicht abgeworfen<\/strong>. Und zwar ohne besondere &#8222;Di\u00e4t&#8220;, einfach nur so durch halbwegs gesunde Ern\u00e4hrung, mehr selber kochen, weniger Pizza, Pasta, s\u00fc\u00dfe St\u00fcckchen. Einen richtigen Schub hat das Abnehmen seit Mitte September bekommen, denn seitdem besuche ich dreimal w\u00f6chentlich ein <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/10\/28\/flucht-in-die-koerperwelten-im-fitness-center\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gro\u00dfartiges Fitness-Center<\/a>. Dessen &#8222;E-Gym&#8220;-Maschinen schaffen es, mich durch viel Gamification, Feedback und Abwechslung in den Trainingsmethoden bei der Stange zu halten. In mehreren vorherigen Centern (wir habe hier viele!) wurde ich schnell zur Karteileiche. Die Sauna im Center tr\u00e4gt ebenfalls dazu bei, meine Lust am Sporteln aufrecht zu halten und offenbar trimmt sie mein Immunsystem genug, um auch im Corona-Jahr 3 keine Einbr\u00fcche zu erleben.<\/p>\n<p>Wie jedes Jahr hat auch <a href=\"https:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Garten<\/a> Freude gemacht: Mehr Regen, weniger D\u00fcrre, mehr Ernte &#8211; noch jetzt ernte ich Topinambur, die Gem\u00fcsepflanze, um die man sich fast nicht k\u00fcmmern muss, hat deutlich mehr produziert als in anderen Jahren. Die Bohnen waren allerdings ein Flop, daf\u00fcr gab es viele gute Tomaten besonderer Sorten. Das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/06\/09\/ein-wildschwein-im-garten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wildschwein<\/a>, das uns dieses Jahr zweimal besucht hat, ist zum Gl\u00fcck nicht wieder gekommen! Im Urlaub war ich nicht, der Garten ist quasi mein Urlaub in leicht erreichbarer N\u00e4he.<\/p>\n<p>Eine Kleinigkeit, die mich richtig gl\u00fccklich gemacht hat: Mein Portemonaie mit allen Ausweisen und Bankkarten <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/11\/25\/geldbeutel-verloren-miese-digitalisierung-unterbesetzte-aemter-und-ein-held-des-alltags\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hatte ich verloren<\/a>. Schon am n\u00e4chsten Tag hat es mir ein ehrlicher Finder gebracht, sogar die 80,- Euro waren noch drin!<\/p>\n<h2>Fehlt mir was?<\/h2>\n<p>Eigentlich nicht. Dank Auftraggebern, die mich seit vielen Jahren besch\u00e4ftigen, verdiene ich genug zur Minirente dazu, um den einzelnen Euro nicht zweimal umdrehen zu m\u00fcssen. Stress ist mit meiner Artikel-Schreiberei f\u00fcr zwei Shops und ihre Magazine nicht verbunden, die Leute sch\u00e4tzen meine verl\u00e4ssliche Mitarbeit, es gibt nichts zu meckern. Allerdings kommt mir mein Leben ein wenig zu egozentrisch vor: Mit der Brotarbeit diene ich dem Konsum von Dingen, die man nicht zwingend zum Leben braucht. Aber hey, g\u00e4be es all diese Dinge nicht, br\u00e4che unsere Wirtschaft zusammen, zumindest tr\u00f6ste ich mich damit \u00fcber meine mangelnde &#8222;gesellschaftliche Relevanz&#8220;. :-)<\/p>\n<p>Es gibt so viele Probleme, so viele Menschen, denen es nicht gut geht\u00a0 &#8211; und ich helfe nirgends, au\u00dfer dass ich halt Steuern bezahle und Lieferanten Trinkgeld gebe. Statt dessen investiere ich recht viel Zeit ins Anstrampeln gegen den Verfall und &#8222;privatisiere&#8220; im Garten (&#8222;<em>Und ich geh Blumen gie\u00dfen, Blumen gie\u00dfen&#8220;, wie Georg Kreisler einst sang<\/em>). Immer mal wieder sichte ich die Ehrenamtsb\u00f6rsen im Netz, kann mir aber nicht wirklich vorstellen, die n\u00f6tige Verbindlichkeit in einer dieser T\u00e4tigkeiten aufzubringen. Und richtig n\u00fctzlich w\u00e4re ich ja nicht beim Besuchen alter einsamer Menschen oder als Familien-Oma on demand, sondern im Rahmen meiner Kompetenzen &#8211; und das w\u00fcrde wiederum bedeuten, noch mehr vor Bildschirmen zu sitzen!<\/p>\n<p>Dass mir hier etwas fehlt, liegt daran, dass mein ganzes Leben aus der Mitarbeit in vielen engagierten Projekten bestand &#8211; zuletzt einige Jahre in einer Krisen- und Beratungseinrichtung f\u00fcr Gefl\u00fcchtete (hier <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/12\/29\/formulare-verstehbar-machen-das-video\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Beispiel<\/a>). Aufgeh\u00f6rt wegen Neo-Linken, die-\u00a0 als wei\u00dfe Studierende der Sozialarbeit &#8211; mit ihren Symbolpolitiken und der aus den USA unkritisch \u00fcbernommenen &#8222;Critical Whiteness-Agenda&#8220; einfach zu nervig wurden. Seitdem kein neues Engagement, sondern &#8222;nur&#8220; das eigene friedliche Leben.<\/p>\n<h2>W\u00fcnsche f\u00fcrs neue Jahr<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcnsche ich mir den Weltfrieden, wer w\u00fcnscht das nicht? Da das aber ein ziemlich illusorischer Wunsch ist, k\u00f6nnte ich zumindest versuchen, mehr &#8222;inneren Frieden&#8220; zu finden. Ich schaue recht viele Videos auf Youtube, vermutlich mehr als in jedem anderen Jahr zuvor. Dabei bemerke ich jedes Mal eine gewisse Rastlosigkeit: Der Algorithmus spielt mir so viele interessante Videos zu, dass ich nur schlecht wieder davon loskomme. Es ist ein eigenartiger innerer Stress, anders als die Teilhabe an irgendwelchen Erregungswellen in den &#8222;sozialen&#8220; Medien. Der Philosoph Thomas Metzinger empfiehlt, <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/05\/09\/klimawandel-und-wir-optimismus-ist-keine-option-was-dann\/#metzinger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> positive Bewusstseinszust\u00e4nde zu kultivieren<\/a> &#8211; selbst meditiert er und findet so, was er sucht.<\/p>\n<p>Obwohl ich es \u00f6fter versucht habe, ist es mir nie gelungen, Meditation zum Teil meines Alltags zu machen. Das meditativste, das ich erlebe, sind Momente der Konzentration im sonnt\u00e4glichen Yoga und manchmal bei der Gartenarbeit. Das ist bedauerlich, denn in diesen Zeiten w\u00e4re es sicher gut, einen inneren &#8222;Ort&#8220; zu finden, der stets als R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit von den Zumutungen der Welt zur Verf\u00fcgung steht. Sehr inspirierend fand ich dazu das Video-Interview mit dem M\u00f6nch Gelong Thubten &#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gPb1XzPx5ag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Can&#8217;t medidate?<\/a>&#8222;. Anders als es der deutsche Untertitel vermuten l\u00e4sst, gibt das Gespr\u00e4ch einen weitgehend ideologiefreien Einblick: Alle wesentlichen Aspekte des Meditierens, die Hindernisse (!) und Benefits werden vermittelt &#8211; auf eine sympathische Art in gut verst\u00e4ndlichem Englisch (Deutsche Untertitel hab&#8216; ich dennoch eingeschaltet). Wirklich empfehlenswert f\u00fcr alle Interessierten, die Analysen unseres normalen &#8222;SoSeins&#8220; sind wirklich gro\u00dfartig &#8211; aber eben auch, dass wir &#8222;mehr als das&#8220; sein k\u00f6nnen, was uns die Biologie, unser Reptiliengehirn und die Leistungs- und Konsumgesellschaft vorgibt.<\/p>\n<h2>Dankbarkeit und guten Rutsch!<\/h2>\n<p>Noch in keinem Jahr habe ich mich so privilegiert gef\u00fchlt wie 2023 &#8211; einem Jahr, in dem Kriege, Klimawandel und Naturkatastrophen das Leben vieler Menschen kosteten, ihre Lebensgrundlagen vernichteten oder sie in die Flucht trieben. Dass ich in einem Land lebe, das bis jetzt allenfalls ein klein wenig Wohlstand verliert (von hohem Niveau aus!), ist ein Gl\u00fcck, f\u00fcr das ich dankbar bin. Ich lebe in einer angenehmen Wohnung, wo warmes Wasser aus der Wand kommt, kann essen, was und wieviel ich mag und es mangelt mir an nichts. Auch lebe ich nicht in einer Diktatur oder Autokratie, in der ich Angst haben m\u00fcsste, wegen meiner Meinung, Kleidung oder Lebensweise ins Gef\u00e4ngnis zu kommen oder umgebracht zu werden. An all das denke ich oft, wenn ich die vielen lese, die immer nur n\u00f6rgeln, meckern und schimpfen und diesen Staat am liebsten in die Tonne treten w\u00fcrden. Wie dumm kann man eigentlich sein?<\/p>\n<p><strong>Nun w\u00fcnsche ich Euch allen einen guten Rutsch! Und Gl\u00fcck und Erfolg im neuen Jahr 2024, wenig Stress, viel Wohlbefinden, Gesundheit und alles, was Ihr Euch selber w\u00fcnscht!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-size: 1.5em;\">M\u00f6ge uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren sei ich &#8222;ernsthafter denn je&#8220; geworden, schreibt der Maschinist in seiner &#8222;Hirnsudelei 12\/23&#8222;. 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