{"id":4092,"date":"1999-10-08T16:51:36","date_gmt":"1999-10-08T14:51:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4092"},"modified":"2023-12-03T17:00:05","modified_gmt":"2023-12-03T16:00:05","slug":"spielzeit-und-herbstwinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/10\/08\/spielzeit-und-herbstwinde\/","title":{"rendered":"Spielzeit und Herbstwinde"},"content":{"rendered":"<p>Freie Zeit! Mir kommt es vor, als w\u00e4re es Jahre her, da\u00df ich das zum letzten Mal hatte &#8211; wie jetzt. Zwar liegen noch Nacharbeiten zum aktuellen Auftrag an, aber der Druck ist raus. Und ganz langsam merken die einzelnen Bestandteile, aus denen sich ein Mensch zusammensetzt, da\u00df es jetzt wieder lockerer zugeht &#8211; komisch, da\u00df das bis zu zwei, vielleicht drei Tagen dauert.<!--more--><\/p>\n<p>Endlich kann ich wieder in meiner Lieblingsliste Netzliteratur mailen, habe Zeit, um mit unserem Freund und Vermieter Wolfgang die Website f\u00fcr Schlo\u00df Gottesgabe zu planen und verbringe Stunden damit, endlich Dreamweaver zu lernen (der einzig wahre WYSIWYG-Editor, der eine alte Code-Hackerin nicht beleidigt!).<\/p>\n<p>Auch, da\u00df es ein DRAUSSEN gibt, nehme ich mit neuer Freude wahr. Selbst jetzt, im hereinbrechenden Herbst, ist das Land ein ber\u00fchrendes Erlebnis: heftige Windb\u00f6en, rauschende B\u00e4ume, spektakul\u00e4re Wolkenformationen, Sonnenlicht, das pl\u00f6tzlich durch einen verhangenen Himmel auf Felder im Fr\u00fchnebel durchscheint. Und wenn es regnet, prasselt es auf das durchsichtige Hartplastikdach des Lichthofs in meiner Diele, wor\u00fcber ich mich jedesmal freue wie ein Kind. Es ist, als w\u00e4re man im Zelt &#8211; nur ohne die damit einhergehende Unbequemlichkeit und Beengtheit.<\/p>\n<p>Und die Luft! Der Geruch von Erde und Wasser, diese belebende Frische, auf die ich jahrzehntelang zugunsten der dreckigen, verbrauchten und allermeist auch stinkenden Stadtluft verzichtete! Das kann ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen. Als ich das letzte Mal nach Berlin fuhr, hatte ich zwei Stunden Kopfschmerzen. Dann erst war ich &#8218;eingew\u00f6hnt&#8216; und merkte nicht mehr, was f\u00fcr einen Smog man dort atmet.<\/p>\n<p>Die Wildg\u00e4nse ziehen jetzt los und fliegen in r\u00f6misch anmutender Pfeilspitzen-Formation in die Ferne &#8211; und f\u00fcr mich beginnt die lange herbeigesehnte &#8222;Spielzeit&#8220;: endlich kann ich gegen\u00fcber der Welt wieder aktiv werden, neue (eigene!) Projekte spinnen, Vorhaben realisieren, Kontakte erneuern bzw. ankn\u00fcpfen. Ich f\u00fchle mich, als w\u00e4re ich etliche Kilo leichter, ja, die eigene Initiative, das Aufbrechen zu Neuem, ist f\u00fcr mich DER erotische Aspekt der Welt, auf den ich nur ungern und nur kurzzeitig verzichten mag. Die Herbstst\u00fcrme haben etwas Wildes und sind eine sch\u00f6ne Begleitmusik.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter dann, im November, Dezember, wird alles sehr still &#8211; aussen und innen. In der tiefsten Nacht, am 23.Dezember, wollen wir ein gro\u00dfes Feuer anz\u00fcnden. Ich liebe Feuer!<\/p>\n<p>Es stehen hier \u00fcbrigens bald drei Wohnungen zur Vermietung &#8211; w\u00e4r&#8216; gar nicht schlecht, wenn andere Netz-Werker hierher k\u00e4men. Leute, die in ihrer Arbeit an den konkreten Raum gebunden sind, fluktuieren in diesen &#8218;flexiblen&#8216; Zeiten doch sehr starkt. Befristete Arbeit heisst oft auch befristetes Wohnen &#8211; ich h\u00e4tte es gern etwas weniger dynamisch in diesem sch\u00f6nen Schlo\u00df.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freie Zeit! Mir kommt es vor, als w\u00e4re es Jahre her, da\u00df ich das zum letzten Mal hatte &#8211; wie jetzt. Zwar liegen noch Nacharbeiten zum aktuellen Auftrag an, aber der Druck ist raus. 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