{"id":4089,"date":"1999-10-02T16:34:55","date_gmt":"1999-10-02T14:34:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4089"},"modified":"2023-12-03T16:39:40","modified_gmt":"2023-12-03T15:39:40","slug":"arbeit-bis-zum-umfallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/10\/02\/arbeit-bis-zum-umfallen\/","title":{"rendered":"Arbeit bis zum Umfallen"},"content":{"rendered":"<p>Wie ein Tunnel, der bei zunehmender L\u00e4nge immer enger wird, verdichtet sich meine aktuelle Arbeit zur Abgabe hin. Von morgens bis in die Nacht produziere ich Webseite um Webseite &#8211; noch nie zuvor musste ich derartige &#8222;Massen&#8220; von Material verwebben, noch dazu schnell und sehr konzentriert. Normalerweise verlaufen meine Auftr\u00e4ge etwas gem\u00fctlicher, doch dies ist eine Uni-Website und das Semester beginnt nun mal zu einem festen Termin.<!--more--><\/p>\n<p>Je st\u00e4rker ich mich selber antreibe und diszipliniere, desto gr\u00f6\u00dfer werden auch die Bed\u00fcrfnisse, ganz anderes zu tun. Einfach nur den Tag verbummeln, lesen, surfen, spazieren gehen, endlos einem Thema verfallen oder Mail-Dialoge zu schreiberischen Highlights vertiefen, endlich wieder an eigenen Projekten planen und basteln, recherchieren und gestalten. All das fehlt mir mehr und mehr. Ausbruchsversuche, trotz des Termindrucks DAS GANZ ANDERE zu tun, entfalten ungeahnte Verf\u00fchrungskr\u00e4fte. Ich mu\u00df mich wirklich zusammenrei\u00dfen, eine Disziplin, die ich noch nie sehr gesch\u00e4tzt habe.<\/p>\n<p>W\u00e4re es nicht nur eine kurze Phase, h\u00e4tte ich den Auftrag nicht angenommen. Die Zeit, als Geld und Anerkennung, das &#8222;Sich-und-anderen-etwas-beweisen-wollen&#8220; mich an die Grenzen treiben konnten, sind zum Gl\u00fcck lange vergangen. Ich erinnere mich, wie ich fr\u00fcher z.B. monatelang ohne jede R\u00fccksicht auf Gesundheit, Ausgeschlafenheit, auf eintretende Verspannungen und andere Begleit-Leiden mit einer Gruppe gleich Verr\u00fcckter an einem Projekt arbeitete, tats\u00e4chlich &#8222;besessen&#8220; war vom M\u00d6GLICHEN Erfolg. einem Erfolg, der dann darin bestand, dass ein Stadtrat das &#8222;gro\u00dfe Werk&#8220; entgegennahm und sagte: Sch\u00f6n! Auch wieder so ein W\u00e4lzer f\u00fcr die Schublade&#8230;!&#8220;<\/p>\n<p>Die wildesten Erfahrungen in dieser Hinsicht waren noch nicht einmal die Arbeiten, die auch gut Geld brachten &#8211; nein, es waren solche, die besonders SINNVOLL und WELTVERBESSERND erschienen. Alles Illusion! Man hat die Welt nicht besser gemacht, sondern ist selber &#8218;auf dem Zahnfleisch gegangen&#8216;, ist zu einem distanzlosen B\u00fcndel Nerven heruntergekommen, verbunden mit der Verblendung, das sei die wahre &#8222;Einheit von Leben und Arbeiten&#8220;.<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich es besser &#8211; stressiges Engagement gibt es nur noch sehr kurzfristig, und nur gegen entsprechendes Schmerzensgeld. Meine eigenen Sachen brauchen gar kein solches Krummlegen mehr, im Gegenteil, sie leben geradezu von der Mu\u00dfe, vom Verweilen im Moment, vom Ins-Sich-Hineinh\u00f6ren und warten k\u00f6nnen, was da kommt.<\/p>\n<p>So eine Stressphase wie jetzt hat immerhin das Gute, meine Eigenzeit zu finanzieren &#8211; und es ist auch wirklich un\u00fcbertrefflich sch\u00f6n, wenn der Schmerz nachl\u00e4\u00dft&#8230;. Ohne Spannung ist halt auch keine Entspannung.<\/p>\n<p><strong>Surftip:<\/strong> <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20000529061809\/http:\/\/www.spiegel.de\/spezial\/nf\/0,1518,42917,00.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Monitor im Bett. Die seltsamen Bl\u00fcten der Netzkunst<\/a>. &#8211; Ein literaturbegeistertes Gr\u00fcppchen schreibt abseits des gro\u00dfen Verlagszirkus im World Wide Web: Netzkunst im Untergrund.<\/p>\n<p>Zu dem Artikel hat es in der Liste Netzliteratur eine spannende Kontroverse gegeben: ob wir denn wirklich so VERR\u00dcCKT sind, wie der Spiegel es darstellt &#8211; oder doch &#8222;ganz normale Leute&#8220;? Ich kann das nicht sagen, denn ich finde die Welt heute in fast allen Aspekten so verr\u00fcckt, da\u00df man da sowieso nicht mithalten kann&#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ein Tunnel, der bei zunehmender L\u00e4nge immer enger wird, verdichtet sich meine aktuelle Arbeit zur Abgabe hin. 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