{"id":4084,"date":"1999-09-13T16:05:18","date_gmt":"1999-09-13T14:05:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4084"},"modified":"2023-12-03T16:07:59","modified_gmt":"2023-12-03T15:07:59","slug":"geraete-midi-keyboard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/09\/13\/geraete-midi-keyboard\/","title":{"rendered":"Ger\u00e4te: Midi-Keyboard"},"content":{"rendered":"<p>Ger\u00e4te bringen Leiden, mehr Ger\u00e4te bringen noch mehr Leiden. Dieser leicht abgewandelten buddhistischen Weisheit zum Trotz hab&#8216; ich mir ein Midi-Keyboard angeschafft. Gestern wurde es geliefert, in einem Karton, dreimal so gro\u00df, als es n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Ger\u00e4te lieben eben den gro\u00dfen Auftritt. Man soll schon gleich vorab von der schieren Gr\u00f6\u00dfe beeindruckt sein, um sich dem Inhalt dann entsprechend vorsichtig und ehrerbietig zu n\u00e4hern!<!--more--><\/p>\n<p>Entgegen meinen Erwartungen war die &#8222;Inbetriebnahme&#8220; einfach und st\u00f6rungsfrei. Das mitgelieferte Profi-Programm f\u00fcr Midi-Arrangements auf 64 Spuren (Kan\u00e4le? Parts? Schon wieder eine neue Fachsprache!) war zwar auf Anhieb zu komplex, um es zu benutzen. Doch gl\u00fccklicherweise befand sich noch ein kleines Shareware-Programm auf meiner Platte, das es ohne technoide Geistesvertiefung erm\u00f6glicht, alle 128 &#8218;Instrumente&#8216; auszuprobieren.<\/p>\n<p>Welch ein Wunderwerk! Klaviere, verschiedene Orgeln, Cello, Ba\u00df, Dudelsack, Panfl\u00f6te, Percussion-Instrumente und vieles mehr laden ein, nirgends lange zu verweilen, sondern immer gleich das n\u00e4chste auszuprobieren. Und wem die 128 Kl\u00e4nge nicht reichen, f\u00fcr den gibt es ganze Tonwelten zum Herunterladen oder auf CD&#8230;.. Halt, daf\u00fcr m\u00fc\u00dfte ich erstmal meine Soundkarte verstehen, und au\u00dferdem gen\u00fcgt mir, was da ist. Reicht, um 1000 Jahre Musik zu machen &#8211; ich kann ja nicht mal richtig Noten!<\/p>\n<p>NOTEN!!! Warum nur sind mir diese kleinen schwarzen Zeichen auf f\u00fcnf Linien so verha\u00dft? In der Schule konnte ich sie immerhin begreifen, wenn auch mit schwer genervten Gef\u00fchlen. Und als ich dereinst Gitarre lernte (mit einem Tabulator-System, nicht mit Noten!), brachte ich es immerhin fertig, mir einige St\u00fccke, die es nur &#8222;in Noten&#8220; gab, m\u00fchsam selber beizubringen, Takt f\u00fcr Takt auswendig zu lernen, bis die Finger ihre Bewegungen beherrschten &#8211; dann konnte ich die Noten sofort wieder vergessen.<\/p>\n<p>Musiktheorie, Harmonielehre, Transponieren, verminderte Akkorde &#8211; man k\u00f6nnte meinen, der Widerstand gegen das Notensystem sei ein Widerstand gegen Theorie, gegen ein abstraktes Zeichensystem, das vom &#8222;realen Leben&#8220; der Sinne weit weg f\u00fchrt. Doch andrerseits hab&#8216; ich mit TEXTEN keine Probleme &#8211; obwohl es doch da die Grammatik gibt, eine Literaturgeschichte, verschiedene Studienf\u00e4cher und ganze Philosophien, die sich mit theoretischer Durchdringung von Sprache und Text befassen. Das alles tangiert mich nicht, wenn ich schreibe.<\/p>\n<p>Doch Musik ist anders. Schlie\u00dflich h\u00f6re ich sie nicht zuvorderst und alleine im Kopf, sondern mu\u00df mit den H\u00e4nden einen mechanischen Akt vollf\u00fchren &#8211; einen Akt, der sofort den Ton ausl\u00f6st und nicht etwa ein neues Zeichen zu Papier bringt, wie die Schreib-Tastatur. Denken, texten, schreiben &#8211; das bleibt alles im selben Metier, im gleichen Kontinuum einer zeichengest\u00fctzten Bedeutungswelt, die uns zudem dazu verf\u00fchrt, sie f\u00fcr die einzige Welt zu halten. Gerade, weil ich besuchsweise auf einer anderen Ebene spielen will, bin ich auf das Keyboard gekommen. Ich will nicht einen Ton h\u00f6ren und dabei im Kopf an das Zeichen mit dem Kreuz davor denken m\u00fcssen &#8211; sondern m\u00f6chte mich in das GEF\u00dcHL vertiefen, das der Ton ausl\u00f6st. Ist es nicht ein gro\u00dfes Wunder, da\u00df T\u00f6ne in der Lage sind, uns zu bewegen? Was geht da eigentlich vor?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ger\u00e4te bringen Leiden, mehr Ger\u00e4te bringen noch mehr Leiden. Dieser leicht abgewandelten buddhistischen Weisheit zum Trotz hab&#8216; ich mir ein Midi-Keyboard angeschafft. Gestern wurde es geliefert, in einem Karton, dreimal so gro\u00df, als es n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Ger\u00e4te lieben eben den gro\u00dfen Auftritt. 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