{"id":4063,"date":"1999-08-10T14:49:39","date_gmt":"1999-08-10T12:49:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4063"},"modified":"2023-12-03T14:55:30","modified_gmt":"2023-12-03T13:55:30","slug":"ist-etwas-oder-nicht-hornissenbesuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/08\/10\/ist-etwas-oder-nicht-hornissenbesuch\/","title":{"rendered":"Ist etwas &#8211; oder nicht? Hornissenbesuch"},"content":{"rendered":"<p>Immer mal wieder zeigt sich mir die Welt seltsam interaktiv! Als h\u00e4tten meine Themen, die doch ganz zuf\u00e4llig gerade so und gerade jetzt zustande kommen, etwas mit dem &#8222;da drau\u00dfen&#8220; zu tun &#8211; und umgekehrt. Ich wei\u00df, wenn man dar\u00fcber zu intensiv nachdenkt, kann man im sch\u00f6nsten Bedeutungswahn enden: schwarze Katze von links und prompt f\u00e4hrt man an den n\u00e4chsten Baum&#8230;. doch keine Sorge, so gef\u00e4hrdet bin ich nicht!<!--more--><\/p>\n<p>Gestern hatte ich meine Kurzgeschichte &#8222;Die Ruhe von Santa Maria&#8220; nach Jahren der Schubladenexistenz nun doch <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/santamaria.zip\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">zum Download<\/a> angeboten. Sie war aus meiner irrationalen Angst vor Hornissen entstanden. Und zum Thema &#8222;schreiben&#8220; hatte ich mich dar\u00fcber verbreitet, da\u00df ich es vorziehe, aktiv und k\u00e4mpferisch den Dingen entgegenzutreten, anstatt in Angst oder Leiden zu verharren, um sie literarisch zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Heute hat mich prompt das Leben bestraft. Erstmalig hat mich eine Hornisse im Zimmer besucht! (Gleich neben meinem Fester ist ein Mirabellenbaum, die Fr\u00fcchte sind reif und bieten ein gefundenes Fressen f\u00fcr alles, was da fleucht &#8211; auch f\u00fcr Hornissen, meine intimen Feinde.)<\/p>\n<p>Das wirklich \u00fcber alle anderen T\u00f6ne weit hinausdr\u00f6hnende tiefe, gewichtige und volumin\u00f6se Brummen erkannte ich sofort. Vom Stuhl aufspringen, in geduckter Haltung die T\u00fcr zum Flur erreichen und mich dahinter verschanzen, war Sache eines Augenblicks. Zum Gl\u00fcck ist es eine verglaste T\u00fcr, so konnte ich von drau\u00dfen beobachten, was die Hornisse machte. Sie flog an der Decke entlang, stie\u00df sich den Insektensch\u00e4del, fiel ein St\u00fcck herunter (huhhhh, wenn ich jetzt darunter st\u00e4nde&#8230;), fing sich wieder, flog wider an die Decke&#8230;. und ab und zu landete sie mit einem selbst durch die geschlossene T\u00fcr erschreckend lauten KLACK auf der Reispapierlampe in der Zimmermitte. Wo sie herumkrabbelte, sich putzte, dann wieder abhob, sich wieder den Sch\u00e4del an der Decke anschlug&#8230;.<\/p>\n<p>Minuten vergingen. F\u00fcnf, zehn, f\u00fcnfzehn &#8211; die Hornisse fand das sperrangelweit offene Fenster nicht, sie blieb zu weit dar\u00fcber und suchte ihr Heil wieder und wieder an der Decke. Klack!<\/p>\n<p>Meine G\u00fcte, dieser hirnlose Automat w\u00fcrde nie den Ausgang finden und ich w\u00fcrde hier im Flur alt und grau werden, mit Sicherheit aber meine Auftraggeber verlieren &#8211; so scho\u00df es mir durch den Kopf. Und auf einmal erinnerte ich mich besch\u00e4mt an die gro\u00dfen Spr\u00fcche im gestrigen Diary! Schlange ins Geb\u00fcsch werfen, aber klar! Aber vor einer einzelnen Hornisse in den dunklen Flur abhauen und den Arbeitsplatz kampflos r\u00e4umen!<\/p>\n<p>Holte mir schlie\u00dflich einen Besen, in der Absicht, die Hornisse an der Decke zu zerdr\u00fccken. Der Besen war allerdings nicht lang genug: zwar erreichte er die Decke knapp, aber einen richtigen T\u00d6TUNGSDRUCK damit auszu\u00fcben, w\u00e4re g\u00e4nzlich unm\u00f6glich (das merkte ich beim Ausprobieren im Flur). Hornissen sind z\u00e4h! Bin einmal nachts &#8211; zum Gl\u00fcck mit Hausschuh &#8211; auf eine getreten. Sie hat es \u00fcberlebt, obwohl mein Lebensgef\u00e4hrte tags drauf berichtete, ebenfalls auf sie getreten zu sein. (Der Mond schien auf eine bestimmte Stelle des Fu\u00dfbodens, das war halt nachts der hellste Punkt&#8230;) eine &#8222;Leiche&#8220; fanden wir nicht&#8230;<\/p>\n<p>Na, ich will das Thema langsam wieder verlassen! Nach etwa zwanzig Minuten setzte sie sich knapp unter der Decke aufs Fenster &#8211; hier konnte ich sie gleich im ersten Versuch nach unten wischen, wo sie durch die offen stehenden Fensterfl\u00fcgel endlich das Weite suchte. Oh, wie war ich erleichtert! Mehrere Versuche h\u00e4tte ich wahrscheinlich nicht gewagt und statt dessen um Hilfe bitten m\u00fcssen!<\/p>\n<p>Es kommt mir jetzt vor, als h\u00e4tte dieser Besuch einzig deshalb statt gefunden, um meine gestrigen, allzu forschen Statements zu konterkarieren, mit der Realit\u00e4t jenseits der Zeichen zu konfrontieren. Schlie\u00dflich sind hier rundherum t\u00e4glich Hornissen zugange, ohne mir ins Gehege, bzw. in den Fokus der Aufmerksamkeit zu geraten.<\/p>\n<p>&#8222;Unsinn&#8220;, w\u00fcrden die meisten Menschen dazu sagen, &#8222;ist doch nur ein Zufall&#8220;. Komisch eigentlich, denn mir ist ja gerade ein &#8222;Sinn&#8220; zugefallen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mal wieder zeigt sich mir die Welt seltsam interaktiv! Als h\u00e4tten meine Themen, die doch ganz zuf\u00e4llig gerade so und gerade jetzt zustande kommen, etwas mit dem &#8222;da drau\u00dfen&#8220; zu tun &#8211; und umgekehrt. 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