{"id":4060,"date":"1999-08-03T14:41:34","date_gmt":"1999-08-03T12:41:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4060"},"modified":"2023-12-03T15:26:24","modified_gmt":"2023-12-03T14:26:24","slug":"gottesgabe-tag-20-physische-arbeit-erschoepfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/08\/03\/gottesgabe-tag-20-physische-arbeit-erschoepfung\/","title":{"rendered":"Gottesgabe, Tag 20: Maus und Hackebeil"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich gehofft, ich w\u00fcrde hier morgens ums Dorf joggen, um endlich zu einer regelm\u00e4\u00dfigen k\u00f6rperlichen Bet\u00e4tigung zu kommen &#8211; ein typischer St\u00e4dter-Gedanke, der hier nur noch absurd wirkt! Statt dessen rei\u00dfe ich Gras von \u00fcberwucherten Beeten, ziehe verdorrte \u00c4ste aus dem Wald, hacke Erde klein und h\u00e4ufe eine Menge altes Holz zu einem Berg, in der Hoffnung auf herbstliches Feuer-Machen. Doch was immer ich anfange, nach einer dreiviertel Stunde bin ich v\u00f6llig ersch\u00f6pft!<!--more--><\/p>\n<p>Ich wu\u00dfte ja, da\u00df ich nicht &#8222;fit&#8220; bin &#8211; und es freut mich, hier keine Fitness-\u00dcbungen zu machen, sondern \u00fcberall Arbeit zu sehen, zu der ich richtig Lust habe. Lust, die dann zwar allzu schnell wieder vergeht, aber ich vermute, das wird t\u00e4glich besser &#8211; und schlie\u00dflich zwingt mich nichts und niemand. Es ist vielmehr eine Freude, zu sehen, wie der wilde Pflanzenverhau sich langsam lichtet, wie alte Steintreppchen wieder zum Vorschein kommen, die irgendein Schlo\u00df-Eigent\u00fcmer mal hat anlegen lassen. Und wie die alte Parkanlage schemenhaft wieder erkennbar wird, ahnbar eher, denn da ist noch eine Menge Gestr\u00fcpp und kleine B\u00e4ume, die die urspr\u00fcnglichen Strukturen verdecken, sie wuchernd \u00fcberwachsen haben. Wenn in einem Garten oder Park nichts gemacht wird, ist bald wieder \u00fcbrall Wald, das kann man hier gut sehen.<\/p>\n<p>Zwischen der Arbeit an der Maus und der Arbeit an Hackbeil und S\u00e4ge springe ich im Moment noch ganz undiszipliniert hin und her &#8211; noch gibt es keine Routine, st\u00e4ndig m\u00f6chte ich zu viel auf einmal und dann bin ich einfach m\u00fcde. Noch nicht mal der Schlafrythmus ist regelm\u00e4\u00dfig, manchmal geh ich um 9 ins Bett, doch gegen halb 11 bin ich wieder wacher und lese bis 1. Morgens wache ich mal um sechs, mal um halb neun auf &#8211; nichts ist &#8222;normal&#8220;.<\/p>\n<p>Da\u00df nun niemand denkt, ich w\u00e4re zur Landarbeiterin geworden! Weit gefehlt, meine Eins\u00e4tze sind sporadisch und kurz. (Die weitaus meiste Landarbeit macht Manfred). \u00d6fters genie\u00dfe ich auch einfach das Drau\u00dfen-Sitzen, hab&#8216; uns dazu im Schweriner Plaza einen kleinen Tisch und vier Standard-Gartenst\u00fchle gekauft (Plastik-Gu\u00df, wie sie zu Millionen in der Welt stehen &#8211; auf denen sitzt man n\u00e4mlich bequem, im Gegensatz zu vielen St\u00fchlen mit weit besserem \u00e4sthetischem und \u00f6kologischem Ruf!). Sogar einen kleinen Grill konnte ich nicht auslassen, obwohl mein Lebensgef\u00e4hrte nicht gerade ein begeisterter Griller ist. Wir essen garnicht so oft Fleisch, doch ich steh&#8216; einfach auf Feuer in vielen Formen, auch beim Kochen.<\/p>\n<p>Meine Auftragsarbeiten sind mir akut etwas \u00fcber den Kopf gewachsen, es staut sich eine Reihe Projekte und ich frage mich, wie ich alles unter einen Hut bekomme. Auch die Papierwelt mu\u00df mal wieder berbeitet werden, die Steuererkl\u00e4rung &#8217;98 zum Beispiel&#8230; garnicht dran denken! Ich mu\u00df irgend etwas \u00e4ndern, doch WAS wei\u00df ich noch nicht: Neue Routinen, ein neues &#8222;Selbst-Management&#8220; &#8211; vielleicht ist es am besten, ich mache mal &#8218;Urlaub&#8216;, was meine Brotarbeit angeht, und tobe mich erstmal hier k\u00f6rperlich aus.<\/p>\n<p>Im Grunde bin ich ja hergekommen, weil das Element ERDE in all seinen Bedeutungen in meinem Leben bis jetzt zu kurz gekommen ist. Und es ist schon eine komische Sache, wie (physisch..) leicht man mit ein paar Mausklicks Geld verdient, wogegen das Anlegen eines Gartenbeets eine Schwerstarbeit ist, die man sich aber &#8222;leisten k\u00f6nnen&#8220; mu\u00df!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich gehofft, ich w\u00fcrde hier morgens ums Dorf joggen, um endlich zu einer regelm\u00e4\u00dfigen k\u00f6rperlichen Bet\u00e4tigung zu kommen &#8211; ein typischer St\u00e4dter-Gedanke, der hier nur noch absurd wirkt! 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