{"id":4052,"date":"1999-07-24T14:08:30","date_gmt":"1999-07-24T12:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4052"},"modified":"2023-12-03T14:11:37","modified_gmt":"2023-12-03T13:11:37","slug":"gottesgabe-tag-10-berlinbesuch-geburtstagsgedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/07\/24\/gottesgabe-tag-10-berlinbesuch-geburtstagsgedanken\/","title":{"rendered":"Gottesgabe, Tag 10: Berlinbesuch, Geburtstagsgedanken"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ich das erste Mal wieder in Berlin seit dem Umzug und wahrscheinlich wird es f\u00fcr einige Zeit das letzte Mal gewesen sein. Von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends unterwegs, Termine, Gespr\u00e4che, Autoverkehr, Sachen einr\u00e4umen, einkaufen&#8230; Nat\u00fcrlich hat uns die Hausverwaltung versetzt, wegen der wir zur &#8218;Wohnungsabnahme&#8216; hingefahren sind! Jetzt werde ich das schriftlich abwickeln, der Nachmieter ist bereits drin und ich sehe nicht ein, dewegen nochmal 450 km zu fahren!<!--more--><\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n, dann endlich wieder in der stillen K\u00fcche im Schlo\u00df, bei Kerzenlicht und einer Flasche Wein fast wortlos zusammensitzen und dem Wind in den B\u00e4umen zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Jetzt ist es schon fast 9 Uhr und gleich mu\u00df ich Mails abrufen &#8211; nach einem Tag offline hat sich da sicher einiges angestaut, auch richtig wichtige Dinge. Wenn die Mails erstmal da sind, finde ich keine Ruhe mehr zum schreiben, dann haben mich die Pflichten im Griff und ich verfalle dem Versuch, m\u00f6glichst viel &#8222;fertig&#8220; zu bekommen, an Schreiben ist dann nicht mehr zu denken. So genie\u00dfe ich diese ruhige Stunde vor der Arbeit, etwas, da\u00df mir nur als Selbst\u00e4ndige gelingt. Nie w\u00e4re ich fr\u00fcher auf die Idee gekommen, vor dem Aufbruch ins B\u00fcro noch eine Stunde herumzusitzen und die Gedanken kommen zu lassen!<\/p>\n<p>Nebenbei war gestern mein 45. Geburtstag. Ich feiere Geburtstage nicht, es ist mir immer schon ein bi\u00dfchen peinlich, Gratulationen und Geschenke entgegenzunehmen, selbst das &#8222;Ereignis&#8220; zu sein, wegen dem sich Leute bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlen, zusammenzukommen und Aufwand zu treiben. Also hab&#8216; ich das schon fr\u00fch abgeschafft, gleich mit 19, nach dem Auszug aus der elterlichen Wohnung.<\/p>\n<p>Gedanken, die man sich an Geburtstagen macht oder machen sollte, bewegen mich heute kaum noch: Ist es das jetzt? Bin ich da, wo ich sein will, sein soll? Tu ich das, was mir entspricht?<\/p>\n<p>Seit ungef\u00e4hr 8 Jahren kann ich dazu ohne Einschr\u00e4nkung JA sagen. So lange schon ist das Leben f\u00fcr mich wahrhaft interaktiv: keine m\u00fchsame Willensanstrengung in Verfolgung ausgedachter Ziele, kein Sich-Verbei\u00dfen in Widerst\u00e4nde, die immer von au\u00dfen oder von anderen zu kommen scheinen, sondern eher ein mal mehr mal weniger achtsames Ergreifen von M\u00f6glichkeiten, die sich &#8222;von selbst&#8220; bieten. Die Aufmerksamkeit und Hingabe in Bezug auf dieses &#8222;von selbst&#8220; &#8211; im Unterschied zu mentalen Gr\u00fcbeleien wie &#8222;Was ist richtig? Was bringt mehr? Was hat Sinn?&#8220; &#8211; ist Selbst-Verwirklichung.<\/p>\n<p>Eine ganz einfache Sache. Niemand mu\u00df bef\u00fcrchten, da\u00df ich sie kompliziert ausformuliere und die Info-Gesellschaft mit einem weiteren Buch dar\u00fcber belaste! Mit den unz\u00e4hligen B\u00fcchern vom richtigen Leben, die ich zwischen 15 und 35 verschlungen habe, k\u00f6nnte ich eine mittlere Bibliothek best\u00fccken: Es war unterhaltsam, geistig anregend, es hat die Wunschmaschine, das &#8222;hoffen&#038;suchen&#8220; am Leben gehalten &#8211; aber genutzt hat es nichts. Es ist wirklich zum laut loslachen, wie unm\u00f6glich es ist, einfache Wahrheiten zu verstehen, auch wenn sie schwarz auf wei\u00df in verst\u00e4ndlicher Sprache 10.000-fach zur Verf\u00fcgung stehen. SELBST-Verwirklichung ist NICHT Ich-Verwirklichung &#8211; aber das kann man eben nicht als Info-Input aufnehmen, das mu\u00df man ausexperimentieren und erleben.<\/p>\n<p>Genug! Getragene Worte zum 45. &#8211; meine G\u00fcte, das wollte ich gerade nicht! Drau\u00dfen zeigt sich die Sonne zwischen den Wolkenbergen, ich werde einen Kaffee aus der K\u00fcche holen und mich endlich wieder n\u00fctzlich machen&#8230; <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich das erste Mal wieder in Berlin seit dem Umzug und wahrscheinlich wird es f\u00fcr einige Zeit das letzte Mal gewesen sein. Von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends unterwegs, Termine, Gespr\u00e4che, Autoverkehr, Sachen einr\u00e4umen, einkaufen&#8230; Nat\u00fcrlich hat uns die Hausverwaltung versetzt, wegen der wir zur &#8218;Wohnungsabnahme&#8216; hingefahren sind! 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