{"id":4044,"date":"1999-07-20T13:42:40","date_gmt":"1999-07-20T11:42:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4044"},"modified":"2023-12-03T13:43:44","modified_gmt":"2023-12-03T12:43:44","slug":"gottesgabe-tag-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/07\/20\/gottesgabe-tag-6\/","title":{"rendered":"Gottesgabe, Tag 6"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Der erste Regen. Die ganze Nacht hat es gewittert und noch jetzt gie\u00dft es wie aus Kannen. Eine h\u00fcbsche Eigenheit des Schlosses ist der Lichthof, in dem die Wendeltreppe die beiden Stockwerke der Wohnung vebindet. Auf das Glasdach, das den Lichthof nach oben abschlie\u00dft, prasselt jetzt der Regen und es h\u00f6rt sich an, als lebe man in einem gro\u00dfen Zelt. <\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Ich schaue auf die Wiese hinaus und stelle fest, da\u00df ich f\u00fcr diese Witterung nicht ger\u00fcstet bin. Es braucht hier Gummistiefel! \u00dcberhaupt brauche ich dieses und jenes, und meine Neigung, zum &#8222;Jagen&amp;Sammeln&#8220; in die Umgebung zu fahren, ist gering. Zu stark der Kontrast zwischen der hiesigen Land-Idylle und den Gro\u00dfm\u00e4rkten auf der gr\u00fcnen Wiese, diesen brachialen Veranstaltungen durchmaschinisierten Konsums. Dann schon lieber ganz ohne k\u00f6rperlichen Einsatz shoppen: In Zukunft werd&#8216; ich alles per Web bestellen, was ich brauche!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Ach, wenn ich daran denke, was fr\u00fcher meine Themen waren und wor\u00fcber ich heute schreibe! Diese philosophischen oder zumindest nachdenklichen Texte \u00fcber Gl\u00fcck, \u00fcber das Virtuelle und das Reale&#8230;. Und heute schreibe ich \u00fcber Schnecken!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Als ich gestern abend aus dem K\u00fcchenfenster sah, das ebenerdig auf ein kleines Beet mit Farnen und Ackerschachtelhalm f\u00fchrt, sah ich sie herankriechen: bestimmt 20 Nacktschnecken hatten offenbar nichts anderes im Sinn, als uns einen Besuch abzustatten. Ich mu\u00dfte an Steven King denken, der so wunderbar den amerikanischen Horror &amp; Ekel angesichts unkontrollierter Natur in gruslige Geschichten spinnt! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Im n\u00e4chsten Jahr, wenn der Garten bepflanzt wird, werde ich den Kampf gegen die Schnecken aufnehmen, an dem unsere Nachbarn bereits gescheitert sind: sie fressen einfach alles weg und es sind sehr viele! Ich werde es mit einem Schneckenzaun versuchen. Harte Chemie kommt nicht in Frage: es ist h\u00e4\u00dflich, wenn hunderte Schnecken sich im Todeskampf winden und dann ausgest\u00fclpt herumliegen und faulen. Die diversen \u00d6ko-Methoden (Bier, Sand, Salz&#8230;) funktionieren leider alle nur marginal, wie mir engagierte G\u00e4rtner versichern. Also blosse Mechanik, mal sehen, ob es n\u00fctzt!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> All diese Eindr\u00fccke von Insekten, Pflanzen, der schweren Erde und der verschiedenen Ger\u00fcche haben mit den Appetit verschlagen. Gro\u00dfartig! Genau das hatte ich mir gew\u00fcnscht! In Berlin sp\u00fcrte ich immer diesen suchtartigen Appetit auf nichts bestimmtes, Kochen und Essen bedeuteten ein echtes Highlight im durchschnittlichen Tag. Anstatt in frustrierende Di\u00e4t-Versuche auszuarten, hab&#8216; ich es hingenommen als einen Tribut an das k\u00f6rperferne Stadtleben. Man lebt in Texten, in Medien und Gedanken, der K\u00f6rper erlebt relativ wenig. Kein Wunder, da\u00df das Essen eine \u00fcberdimensionierte Bedeutung gewinnt &#8211; kein Wunder auch, da\u00df mich 10 Kilo zuviel von meinem Wunschgewicht trennen. Noch! Denn der Appetit ist weg, und ich kann hoffen, da\u00df die Kilos ganz von selbst dahinschmelzen&#8230;.<br \/>\n<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Regen. Die ganze Nacht hat es gewittert und noch jetzt gie\u00dft es wie aus Kannen. Eine h\u00fcbsche Eigenheit des Schlosses ist der Lichthof, in dem die Wendeltreppe die beiden Stockwerke der Wohnung vebindet. 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