{"id":4024,"date":"1999-05-11T12:33:56","date_gmt":"1999-05-11T10:33:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4024"},"modified":"2023-12-03T12:35:26","modified_gmt":"2023-12-03T11:35:26","slug":"bye-bye-berlin-chamissoplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/05\/11\/bye-bye-berlin-chamissoplatz\/","title":{"rendered":"Bye bye Berlin Chamissoplatz!"},"content":{"rendered":"<p>Dieses ruhige Leben in Berlin\/Chamissoplatz neigt sich also dem Ende zu. Wir haben den Mietvertrag f\u00fcr die Wohnung in Gottesgabe und werden im Juli umziehen. Was das alles mit sich bringt! Die ganzen Ummeldungen, Nachsendungen, der Beh\u00f6rdenkram, neuer Ausweis, andere Nummerschilder, ein neuer Zahnarzt &#8211; meine G\u00fcte, nach 20 Jahren Berlin werde ich Mecklenburgerin!<!--more--><\/p>\n<p>Das &#8222;reale&#8220; Leben wird sich in vielem \u00e4ndern: auf Vorrat einkaufen, da es im Dorf keinen Laden gibt. Viel mehr mit dem Auto fahren, das ich hier in Berlin praktisch nicht benutze. Nur eine \u00fcberschaubare Gruppe von Leuten, die man im Alltag zu Gesicht bekommt &#8211; und nicht die anonymen Massen der Gro\u00dfstadt.<\/p>\n<p>Ich freue mich auf die Ver\u00e4nderung, das Ganze hat etwas von &#8222;gro\u00dfem Abenteuer&#8220;, mit dem ich nicht mehr gerechnet habe. Und es ergibt sich wie von selbst&#8230;.<\/p>\n<p>Ohne das &#8222;Angeschlossen-Sein&#8220; \u00fcber das Netz w\u00fcrde ich dieses Abenteuer nicht unternehmen. Mal ganz abgesehen davon, da\u00df mich das Netz finanziell von meiner r\u00e4umlichen Umgebung unabh\u00e4ngig macht, so bietet es auch ein stabiles virtuelles Umfeld, da\u00df sich eben nicht \u00e4ndert, bzw. auf gewohnte Weise dauernd \u00e4ndert &#8211; egal, in welches Hintertupfingen ich den Fu\u00df setze. Wenn ich einlogge, ficht mich der reale Nachbar nicht mehr an &#8211; das Netz ist die Gro\u00dfstadt, die ich immer bei mir habe, bzw. die mich hat, von der ich ein Teil bin, indem ich angeschlossen bin.<\/p>\n<p>\u00dcber die Dr\u00e4hte strecke ich schon jetzt meine F\u00fchler in das neue Gebiet aus, surfe gezielt nach Nordost und lasse \u00fcber Tracerlock die Begriffe &#8222;Mecklenburg&#8220; und &#8222;Schwerin&#8220; beobachten. T\u00e4glich bekomme ich so Mails \u00fcber neue Webseiten, die in Suchmaschinen angemeldet werden und diese Worte enthalten &#8211; virtual Schwerin kenn ich dadurch schon, hab&#8216; auch bereits Leute angemailt und Antwort bekommen. Netizens sind nirgendwo ohne Kontakte&#8230;:-)<\/p>\n<p>Als neue Heimat im Cyberspace hab&#8216; ich die Domain Schloss-Gottesgabe.de angemeldet &#8211; dort werde ich alles, was mit dem neuen Domizil zu tun hat, sammeln, zeigen und berichten. Und Gottesgabe ist nicht nur ein neuer Wohnsitz, der den Vorteil hat, da\u00df man Garten, Wald und Wiese um sich hat, anstatt eine Reihe von Gr\u00fcnderzeitfassaden. Gottesgabe ist auch eine Chance, ein Problem, wie man fr\u00fcher gesagt h\u00e4tte. Es ist das typische Problem: keine Infrastruktur, keine L\u00e4den, keine Arbeitspl\u00e4tze. Und mitten drin steht nun Schloss Gottesgabe, wunderbar modernisiert &#8211; wer aber zieht dorthin, kann sich das erlauben? Eine Pendlerexistenz zum Beispiel ist nicht besonders attraktiv und auch nicht sehr stabil. Die Mieter im Haus fluktuieren, kein Wunder! Das Dorf der Alteingesessenen hat nach der Wende seine s\u00e4mtlichen Gemeinschaftsr\u00e4ume durch die (unabwendbare) Privatisierung des Schlosses verloren. Dort sitzen nun &#8211; &#8222;wir&#8220;, die Zugezogenen, mehrheitlich Wessis&#8230;.<\/p>\n<p>Und die sitzen da nicht einfach und lassen es sich wohl ergehen, sondern sind umtriebig: Wolfgang, unser Freund und &#8218;Vermieter in Spe, zieht mit Zehra und den Kids zum August ebenfalls ins Schlo\u00df. Sie entwickeln das bereits genehmigte und beblante Baugebiet 1: ein Gel\u00e4nde mit einer Unmenge steinerner Stallgeb\u00e4ude der fr\u00fcheren LPG geh\u00f6rte zum mitverkauften Gel\u00e4nde. Dort m\u00fcssen die Altlasten, die ganzen Ruinen abgerissen werden und ein Wohngebiet mit 65 H\u00e4usern soll entstehen. H\u00e4user, die einschlie\u00dflich Grundst\u00fcck unter DM 200.000,- kosten. Auf der anderen Dorfseite gibt es noch einen Bebauungsplan 2 &#8211; wer da baut, wei\u00df ich nicht, doch werden dadurch noch einmal H\u00e4user dazukommen. Vielleicht reicht es ja eines Tages wieder f\u00fcr einen Laden?<\/p>\n<p>Das kann nicht alles sein, denk ich mir. Auf dem Land werden die fr\u00fcheren Strukturen nicht wiederzubeleben sein. Aber vielleicht k\u00f6nnte eine neue Qualit\u00e4t entstehen, wenn mehr Networker zuziehen w\u00fcrden? Leute, die nicht pendeln m\u00fcssen, weil sie ihre STADT bei sich haben&#8230;.<\/p>\n<p>Mal sehen, erstmal &#8222;mu\u00df gebaut werden&#8220;, was ich garnicht schlecht finde, denn als jahrzehntelange Bewohnerin eines Sanierungsgebiets f\u00fchle ich mich geradezu komisch, wenn nirgends ein Ger\u00fcst in Sicht ist&#8230;:-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ruhige Leben in Berlin\/Chamissoplatz neigt sich also dem Ende zu. Wir haben den Mietvertrag f\u00fcr die Wohnung in Gottesgabe und werden im Juli umziehen. Was das alles mit sich bringt! 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