{"id":4006,"date":"1999-03-13T11:34:15","date_gmt":"1999-03-13T10:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4006"},"modified":"2023-12-03T11:35:42","modified_gmt":"2023-12-03T10:35:42","slug":"webseiten-erschaffen-vom-kreativen-prozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/03\/13\/webseiten-erschaffen-vom-kreativen-prozess\/","title":{"rendered":"Webseiten erschaffen \u2013 vom kreativen Prozess"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Kaum ein Thema wird im Web derart ausf\u00fchrlich behandelt, wie das Seiten-Machen. Hier ist das Medium selbstbez\u00fcglich bis zur Langeweile: HTML, Webdesign, Javascript, Java, Einbindung von Grafik, Bildbearbeitung, Editoren und Zusatzprogramme bis zum Abwinken. Doch in all dem \u00dcberflu\u00df an &#8222;How-To&#8220; findet sich etwas ganz Grunds\u00e4tzliches nicht: wie kommt die Gestaltungsidee zustande? Wie entsteht eine Vision, wie das Projekt aussehen soll? &#8211; denn die braucht es doch, BEVOR es an die Umsetzung geht.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Gerade arbeite ich an einer Website, deren Auftraggeber mir alle Freiheit l\u00e4\u00dft. Keine umfangreiche Corporate Identity schr\u00e4nkt das Reich der M\u00f6glichkeiten ein, keine Farb-, Form- Strukturvorgaben, ich soll es machen, als w\u00fcrde ich eine eigene Seite entwickeln. Wunderbar, denkt jeder Designer angesichts solchen Vertrauens! Das ist es doch, was man sich w\u00fcnscht: Freiheit f\u00fcr den kreativen Proze\u00df!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Allerdings: kaum ein Projekt f\u00fcr Andere hat mich je so ratlos gelassen. Einige Wochen hatte ich nicht den Schimmer einer Idee und wu\u00dfte auch nicht, wie dazu kommen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich irgendeine nette Site machen, Schema F ein bi\u00dfchen variieren. Doch das w\u00e4re es ja nicht, meine eigenen Seiten entstehen auch nicht auf diese Weise &#8211; wie aber dann?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Eines Abends hab ich dann angefangen: eine leere Seite, dunkles blau &#8211; und dann da draufgestarrt, ganz \u00e4hnlich, wie Texter und Literaten auf das wei\u00dfe Papier starren und ab und an dem Horror Vacui verfallen. Das Blau angesehen und versuchsweise ver\u00e4ndert, ein bi\u00dfchen anderes blau. Wieder still gesessen und das BLAU angesehen. Versuchsweise den Namen des Unternehmens eingesetzt, in kleinen, weit auseinander gezogenen Lettern, goldfarbig. Sch\u00f6n! &#8211; und wieder eine halbe Stunde hinsehen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Es w\u00e4re langweilig, zu berichten, wie auf diese Weise nacheinander alle Bestandteile &#8211; Text, Background und Bildmotive &#8211; endlich auf der Seite erscheinen, geradezu &#8222;ausgesessen&#8220; werden m\u00fcssen. Es ist kein Machen, sondern ein Lauschen, ein leer werden und doch aufmerksam und wach bleiben: mitten aus der Leere kommt pl\u00f6tzlich die Vorstellung, wie es aussehen mu\u00df &#8211; oder auch nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Dabei bemerke ich noch anderes: je mehr ich mich auf dieses Warten und H\u00f6ren einlasse, desto identifizierter bin ich mit den Ergebnissen. Ich fange an, die Seite zu lieben, betrachte sie mit Freude, schaue sie immer wieder an. Und auf einmal wird mir immer weniger egal, WAS hier verkauft wird. Die Website ist ein Teil von mir, nach au\u00dfen in die Sichtbarkeit gestellt und dieser Teil dient jetzt einem fremden Anliegen. Pl\u00f6tzlich ist es wichtig, da\u00df dieses Anliegen in Ordnung ist, ja, von mir sein k\u00f6nnte&#8230;.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Auf einmal wei\u00df ich, warum freie kreative Arbeit vergleichsweise teuer bezahlt wird. Ich neigte bisher eher dazu, dankbar (und deshalb preiswerter) zu sein, je weniger ein Auftraggeber mich durch eigene Vorstellungen einschr\u00e4nkt. Doch ist das zu kurz gedacht: man verkauft ein Teil von sich, ein Ergebnis, das aus dem Unverf\u00fcgbaren kommt, aus dem Bereich des Selbst, der immer ein R\u00e4tsel bleibt. Das ist eigentlich unm\u00f6glich, man f\u00fchlt sich nicht ganz wohl dabei &#8211; und deshalb ist es mit Recht zumindest teuer!<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Thema wird im Web derart ausf\u00fchrlich behandelt, wie das Seiten-Machen. Hier ist das Medium selbstbez\u00fcglich bis zur Langeweile: HTML, Webdesign, Javascript, Java, Einbindung von Grafik, Bildbearbeitung, Editoren und Zusatzprogramme bis zum Abwinken. Doch in all dem \u00dcberflu\u00df an &#8222;How-To&#8220; findet sich etwas ganz Grunds\u00e4tzliches nicht: wie kommt die Gestaltungsidee zustande? 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