{"id":4000,"date":"1999-03-05T15:38:55","date_gmt":"1999-03-05T14:38:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=4000"},"modified":"2023-12-03T11:21:10","modified_gmt":"2023-12-03T10:21:10","slug":"ins-web-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/1999\/03\/05\/ins-web-schreiben\/","title":{"rendered":"Ein Loblied aufs Webben"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Es ist ein seltsames Gef\u00fchl, nicht zu wissen, warum ich schreibe, w\u00e4hrend ich es doch gerade wieder tue. Einige Wochen, auch mal zwei, drei Monate kann ich verstreichen lassen, ohne etwas eigenes ins Web zu stellen &#8211; dann aber zieht es mich unwiderstehlich an. Nicht das Web, sondern das Schreiben \u00fcberhaupt &#8211; wobei sich das Verwebben mit dem Schreiben unkaputtbar verbunden hat.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Leute, die das Netz nicht aus eigener Erfahrung (nutzen, nicht nur surfen!) kennen, glauben daran, da\u00df es beim Ver\u00f6ffentlichen im Web darauf ank\u00e4me, eine potetiell weltweite &#8211; zumindest aber erw\u00e4hnenswert gro\u00dfe Leserschaft anzuziehen. Unterstellt wird der Wunsch nach einem Verlag, der so gn\u00e4dig sein m\u00f6ge, den AUTOR zu entdecken! Sie k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, da\u00df neben dem Buchmarkt mit seinem Hungerlohn, seinen Orden und Ehren, seinen Miniauflagen, die in den Lagern verfaulen, weil man daf\u00fcr ja nicht noch Werbung machen kann &#8211; das neben dieser langweiligen Veranstaltung zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens das ECHTE LEBEN stattfindet. Das echte Leben der Schreibenden, f\u00fcr die es unwichtig ist, ob man sie &#8222;Autor&#8220; nennt oder suchtkrank. Denen es jedoch ungeheuer wichtig geworden ist, ohne Aufwand, Vorschriften und Umwege ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen, was immer gerade kommt. Und nicht f\u00fcr einen Markt, nicht f\u00fcr einen B\u00fccherschrank, sondern mitten im richtigen Leben, f\u00fcr alle, die vorbeikommen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Mit DIESEN Vorteilen des Online-Publishing kann kein anderes Medium konkurrieren. Alle, denen es darauf ankommt, sich anderen mitzuteilen, ihren eigenen Blick auf die Welt als Facette aktueller Existenz neben andere zu stellen &#8211; die das Schreiben nutzen, um sich zu besinnen, um zu experimentieren, um das Spiel, das Leben und Leiden zwischen Form und Inhalt weiterzuspinnen &#8211; was kann uns die Printwelt denn noch bieten?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Wer in einen Buchladen geht, sucht ein Buch, um eine unterhaltende oder lehrreiche Stunde zu verbringen. Ich tue das selbst sehr gern! Doch die Erwartungen, mit denen eine Website aufgesucht wird, die von &#8222;\u00fcberallher&#8220; angetroffen werden kann, sind sehr viel umfassender und vielf\u00e4ltiger. Nichts Menschliches ist da fremd. Net-User sind in keiner Form &#8222;bedienbar&#8220;, wie man eine &#8222;Zielgruppe bedient&#8220;, denn sie sind einander so wenig \u00e4hnlich, wie die Nutzer von Telefonger\u00e4ten oder Badewannen. F\u00fcr Verk\u00e4ufer ist das schlecht, aber f\u00fcr Schreibende wunderbar! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Es bedeutet, da\u00df man miteinander sprechen kann, sich etwas erz\u00e4hlen und wer Laune hat, h\u00f6rt zu. Kommt vielleicht sogar wieder, schreibt vielleicht selbst etwas in Resonanz zum Gelesenen &#8211; linken wir&#8217;s an! Es gibt kein Publikum, es gibt nur die wachsende Gruppe derjenigen, die dem Schreibenden auf vielf\u00e4ltigen Wegen durchs Netz bei unz\u00e4hligen Aktivit\u00e4ten begegnet sind. Keine Kunden, sondern Freunde, Bekannte, \u00dcber-Ecken-Bekannte, Kollegen, Gesch\u00e4ftspartner, Auftraggeber- und Nehmer, ja, auch die, mit denen man nicht mehr kommuniziert, weil man sich vielleicht verkracht hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> So singe ich heut&#8216; also ein Loblied aufs Webben anstatt etwas KONKRETES \u00fcber den Tag zu schreiben. Das Konkrete hat mich heut&#8216; nicht zum Worte setzen inspiriert, h\u00f6chstens Energie geliefert. Freitags geh ich zum Yoga, und danach ist es ganz normal, da\u00df der Kopf nicht die erste Geige spielt und jedes Erleben zu Tode kommentiert (&#8230;es gibt ja noch andere Tage!). Bl\u00f6d ist nur, da\u00df ich dann manchmal nicht wei\u00df, wohin mit der Eniergie. <a name=\"04_03\"><\/a>\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein seltsames Gef\u00fchl, nicht zu wissen, warum ich schreibe, w\u00e4hrend ich es doch gerade wieder tue. Einige Wochen, auch mal zwei, drei Monate kann ich verstreichen lassen, ohne etwas eigenes ins Web zu stellen &#8211; dann aber zieht es mich unwiderstehlich an. 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