{"id":3979,"date":"2000-08-19T11:50:17","date_gmt":"2000-08-19T09:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3979"},"modified":"2023-12-02T11:52:02","modified_gmt":"2023-12-02T10:52:02","slug":"zerteilt-und-zerstreut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/08\/19\/zerteilt-und-zerstreut\/","title":{"rendered":"Zerteilt und zerstreut"},"content":{"rendered":"<p>Leben mit dem Internet bedeutet, sich einem unmenschlichen Potenzial auszusetzen. &#8222;Unmenschlich&#8220; ist nicht abwertend gemeint, sondern im Sinne von &#8222;noch nie da gewesen&#8220;, dem Menschen bisher nicht gegeben. Wenn ich ein &#8222;Bild&#8220; daf\u00fcr suche, um zu verdeutlichen, was ich meine, fallen mir nur Dinge ein wie &#8222;durch einen Fleischwolf gedreht und anschliessend in alle Richtungen zerstreut werden&#8220;, was nat\u00fcrlich ganz falsch ist, denn der K\u00f6rper wird ja gerade NICHT erfasst, bei der &#8222;Zerteilung und Zerstreuung&#8220; tritt also kein Schmerz auf.<!--more--><br \/>\nZerteilt und zerstreut &#8211; aber gleichzeitig potenziert, vervielf\u00e4ltigt, multipliziert durch die schier un\u00fcbersehbaren Kontaktm\u00f6glichkeiten, die sich ergeben, wenn ein Ganzes in Teile zerf\u00e4llt und nun alle Teile ihrerseits mit anderen Teilen, fremden und eigenen, in neuartigen Bezug treten.<\/p>\n<p><b>Alltag, 10 Minuten Internet:<\/b> G. schickt den Fragebogen f\u00fcr das Interview mit &#8222;Web-Aktivisten&#8220;, ich best\u00e4tige den Erhalt, ermahne mich, es nicht zu vergessen. Dann acht Mails aus der Endlosdiskussion um die &#8222;Errichtung einer neuen Homepage f\u00fcr die Liste Netzliteratur&#8220;, ich \u00fcberfliege sie, nichts dabei, was nicht schon gesagt wurde, Einigung nicht in Sicht. WIE sollte eine Maildiskussion auch jemals ENDEN? Ein alter Kunde schreibt, &#8222;sein Kommentar sei fr\u00fcher fertig als mein Beitrag X im Diary&#8220;, ich weiss absolut nicht, was er meint, frage also zur\u00fcck. Ein anderer Kunde kann per FTP nicht auf den Server, ich teste, es funktioniert. Schicke seine Mail weiter an den Provider, vielleicht f\u00e4llt dem was dazu ein. Mail von einem Diary-Leser: WIE werden Bilder kleiner gemacht? Sein Programm will es einfach nicht tun. Fahr erstmal in Urlaub, sag ich, er ist eh gerade auf dem Sprung. Ein alter Bekannter fragt, warum ich aus dem letzten Job ausgestiegen bin: Kein Kommentar! Gott sei Dank hab&#8216; ich vertraglich &#8222;Schweigepflicht&#8220;, sonst w\u00e4re eine Langmail f\u00e4llig. Amazon best\u00e4tigt eine Buchbestellung, sch\u00f6n! Vier Mails l\u00f6sche ich unbesehen: Amerikaner, die mir sagen wollen, wie ich im Netz reich werde. Ein Freund und Mitarbeiter schreibt, er wolle nicht mit dem Programm X arbeiten &#8211; alle anderen nutzen es aber schon, was tun? Info-Mail von Telepolis &#8211; ah, ja, mal zwischendurch was gem\u00fctlich lesen, einen WEITEN Horizont geniessen&#8230; ich \u00fcberfliege <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/>&#8222;Napsters, Macsters und die Beschleunigung der Geschichte&#8220;. Der Schreiber scheint immerhin noch Ruhe f\u00fcr einen langen Artikel zu haben, im Gegensatz zu mir. Jetzt ein Blick in die Liste Netzliteratur: alle Subjects noch immer zum Thema &#8222;Fake&#8220;. Die lese ich schon die ganze Zeit nicht, ob da noch jemals &#8218;was anderes kommt? Die Webgrrrls schicken wieder mal 8 (!) Newsletter mit der Bemerkung, man solle sich nicht beschweren, das mache nur MEHRARBEIT. Ein Mail-Loop sei der Grund, verursacht von dieser und jener Adresse. Warum aber sind zwei ALTE Newsletter von Mai und Juni unter den acht? Mir reichts, ich &#8218;unsubscribe&#8216;. Ein Blick ins Forum: Da wollte ich doch eigentlich antworten&#8230;. hoffentlich \u00e4rgert sich der Leser nicht!<\/p>\n<p>Tja, ich k\u00f6nnte so fortfahren, lasse es aber lieber. Was ich heute in einer Stunde &#8222;abarbeite&#8220; bzw. kommunizierend aufnehme oder vorantreibe, das h\u00e4tte vor nicht allzu langer Zeit noch Tage gebraucht. Und die &#8222;eigentliche Arbeit&#8220; ist noch gar nicht erw\u00e4hnt, gew\u00f6hnlich zappe ich zwischen webben und mailen hin und her: immer, wenn es beim webben, Bild-bearbeiten oder texten irgendwie &#8222;hakt&#8220;, geht&#8217;s &#8222;r\u00fcber&#8220; ins Mailprogramm, wo das Chaos tobt. Dazu kommen noch sporadische Probleme mit dem Equipment und das Recherchieren im Web, wenn ich etwas nicht selber weiss (\u00dcbernimmt nun Strato schon fremde Domains oder noch immer nicht? Ich will n\u00e4mlich <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/><a href=\"http:\/\/www.flusser.de\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">flusser.de<\/a> an einen Strato-Kunden abgeben&#8230;).<\/p>\n<p>Wenn ich nicht zwischendurch &#8218;raus auf die Wiese gehen k\u00f6nnte, wo sich verl\u00e4\u00dflich nichts abrupt ver\u00e4ndert, ausser dass mal ein paar Gartenst\u00fchle anders stehen, w\u00fcrde ich vermutlich wahnsinnig werden. Aber das ist auch ein zu gro\u00dfes Wort, WAHNSINN hatte mal diesen Aspekt von Pathos und Bedeutung, das w\u00e4r&#8216; heute viel zu anstrengend. Der letzte Mensch blinzelt und sagt: Wir haben das Gl\u00fcck erfunden! Ja, das ist wahr. Nur ist es ein bi\u00dfchen viel auf einmal.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben mit dem Internet bedeutet, sich einem unmenschlichen Potenzial auszusetzen. &#8222;Unmenschlich&#8220; ist nicht abwertend gemeint, sondern im Sinne von &#8222;noch nie da gewesen&#8220;, dem Menschen bisher nicht gegeben. Wenn ich ein &#8222;Bild&#8220; daf\u00fcr suche, um zu verdeutlichen, was ich meine, fallen mir nur Dinge ein wie &#8222;durch einen Fleischwolf gedreht und anschliessend in alle Richtungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,9,7],"tags":[828,155,821],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3979"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3979"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3979\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}