{"id":396,"date":"2009-12-19T13:14:03","date_gmt":"2009-12-19T11:14:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=396"},"modified":"2009-12-26T13:28:42","modified_gmt":"2009-12-26T11:28:42","slug":"klimakonferenz-desaster-kopenhagen-falsches-format","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/12\/19\/klimakonferenz-desaster-kopenhagen-falsches-format\/","title":{"rendered":"Klimakonferenz-Desaster Kopenhagen: falsches Format!"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hat man es ja VORHER schon gewusst: dass es wenig Aussicht auf ein sinnvolles Abkommen in Kopenhagen geben werde, war bereits in den Vorverhandlungen klar. Doch dann kam &#8211; allein durch massives kollektives <strong>Beschreien<\/strong> der weltrettenden Wichtigkeit &#8211; ein wenig Hoffnung auf: Die Konferenz der 192 Staaten werde die n\u00f6tige Bewegung schon erzeugen, wenn nicht gleich, dann sp\u00e4testens mit dem Eintreffen der Staatsoberh\u00e4upter. Wer w\u00fcrde schon ein komplettes Scheitern riskieren wollen?<\/p>\n<p>Nun ist man nach durchverhandelten Tagen und N\u00e4chten knallhart auf dem Boden der Tatsachen gelandet: keine Einigkeit, kein Abkommen. Was den einen als Reduktionsziel schon zu viel ist, ist den anderen zu wenig &#8211; mal ganz abgesehen davon, dass das Ausma\u00df der zu erwartenden Erw\u00e4rmung ja selbst auf wackligen F\u00fc\u00dfen steht. <!--more--><\/p>\n<h2>Wahnsinniger Verhandlungsmarathon<\/h2>\n<p>Viele werden jetzt ziemlich deprimiert sein. Komischerweise bin ich es selber nicht. Denn die Konferenz hat doch ETWAS sehr deutlich gezeigt: es ist schon ziemlich verr\u00fcckt, vom Zusammentreten der 192 Staatsdelegationen \u00fcberhaupt einen wie immer gearteten &#8222;Durchbruch&#8220; in Sachen Klimaschutz zu erwarten. Man stelle sich mal vor: wenn aus den 192 Staaten jeweils nur einer f\u00fcnf Minuten lang spricht, und man f\u00fcr den Rednerwechsel nur 2 Minuten ansetzt, vergehen schon 1344 Minuten, also <strong>22,4 Stunden!<\/strong> Richtige Diskussionen, Rede und Gegenrede, aufeinander Eingehen und erfolgreiche Kompromissfindung KANN so gar nicht stattfinden! <\/p>\n<p>Na klar, man verhandelt nicht nur im Plenum, sondern auch abseits davon in kleineren Gruppen. Richtig gespr\u00e4chsfreundlich klein sind aber auch diese Gruppen nicht.  Da versuchen sich diejenigen Staaten abzustimmen, die mehr Interessen gemeinsam haben als andere, bzw. die sich diplomatisch f\u00fcr so erfahren halten, einigungsf\u00e4hige Formelkompromisse zu finden. Was bringt das aber, da man dann ja doch wieder auf &#8222;die Anderen&#8220; trifft, die schon das separate Verhandeln als intransparent und undemokratisch brandmarken? 48 Stunden non-stop verhandeln, kein Schlaf, keine Erholung, zunehmende Emotionalit\u00e4t, extremer Stress &#8211; wie sollte so jemals was Sinnvolles beschlossen werden?<\/p>\n<h2>Nicht die Politiker, sondern die B\u00fcrger ver\u00e4ndern die Welt<\/h2>\n<p>Neben der v\u00f6llig \u00fcberdimensionierten und im Grunde handlungsunf\u00e4higen Politiker-Runde war schon das Geb\u00e4ude nicht gro\u00df genug, um den NGOs ausreichend Platz f\u00fcr eine Teilnahme zu bieten: je mehr Staatsoberh\u00e4upter anreisten, desto weniger Delegierte der NGOs konnten &#8222;drin&#8220; bleiben &#8211; ein weiterer Grund f\u00fcr b\u00f6ses Blut rund um die Konferenz. (Und die Polizei soll bei den Demos auf den Stra\u00dfen auch nicht grade zimperlich bzw. &#8222;deeskalierend&#8220; vorgegangen sein).<\/p>\n<p>Aber mal im Ernst: Hat die Welt sich denn je durch gro\u00dfe Versammlungen ge\u00e4ndert? Ist es nicht eher so, dass in Kopenhagen und n\u00e4chstens wieder anderswo erst dann NACHHALTIGE Vereinbarungen beschlossen werden k\u00f6nnen, wenn die jeweiligen Bev\u00f6lkerungen der Staaten ein gro\u00dfes St\u00fcck weit dahinter stehen? <\/p>\n<p>Kopenhagen wird auf jeden Fall viel bewegt haben: das Thema in all seinen Facetten ist ins Bewusstsein vieler  eingedrungen wie niemals zuvor. Es gab einen gewaltigen Input ins &#8222;gro\u00dfe globale Gespr\u00e4ch&#8220;, das nun sowohl in der Nord- als auch in der S\u00fcdhalbkugel (und stellenweise sogar schon miteinander) weiter gef\u00fchrt werden muss. <\/p>\n<p>Und: Die Chinesen liegen, wie ich finde, gar nicht so falsch mit ihrem Statement: <strong>An unseren Taten soll man uns messen!<\/strong> Die B\u00fcrger aller Staaten, die Unternehmen, Institutionen, Vereine, Verb\u00e4nde und alle erdenklichen Gemeinschaften sind frei, nicht auf eine schier unm\u00f6gliche Einigung &#8222;der Welt&#8220; zu warten, sondern eigene ehrgeizige Klimaschutz-Ziele umzusetzen. Insbesondere in den entwickelten Staten gibt es ja nach wie vor RIESIGE Energiesparpotenziale. Allein schon technisch l\u00e4sst sich eine Menge machen, ebenso ist ein kultureller Wandel, der massiven Ressourcenverbrauch als &#8222;NoGo&#8220; diskriminiert, durchaus denkbar, ja hier und da schon im Gange.<\/p>\n<p>&#8222;Hopenhagen&#8220; war eine Schim\u00e4re und hat hoffentlich vielen gezeigt, dass der Weg, sich von politischen Vorgaben zwingen zu lassen, nur sehr sehr langsam, vermutlich gar nicht gangbar ist. Aber NICHTS spricht dagegen, selbst aktiv zu werden: ich wette, fast jeder, der hier mitliest, k\u00f6nnte im n\u00e4chsten Jahr den eigenen CO2-Aussto\u00df locker um 10% verringern &#8211; und zwar noch ganz ohne besondere Kasteiungen oder echt gef\u00fchlte Askese.<\/p>\n<p>Machen wir das doch einfach &#8211;  Kopenhagen braucht es dazu nicht!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Siehe dazu auch:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/0,1518,668097,00.html\">Eskalation in Kopenhagen: Zwergenaufstand l\u00e4sst Klimagipfel scheitern<\/a>,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.blicklog.com\/2009\/12\/19\/klima-ertrinkt-in-chaotischer-gipfelstruktur-mit-link-zum-kompromisspapier\/\">Klima ertrinkt in chaotischer Gipfelstruktur<\/a>,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/postpoeia.wordpress.com\/2009\/12\/19\/copenhagen-accord\/\">Copenhagen Accord<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hat man es ja VORHER schon gewusst: dass es wenig Aussicht auf ein sinnvolles Abkommen in Kopenhagen geben werde, war bereits in den Vorverhandlungen klar. Doch dann kam &#8211; allein durch massives kollektives Beschreien der weltrettenden Wichtigkeit &#8211; ein wenig Hoffnung auf: Die Konferenz der 192 Staaten werde die n\u00f6tige Bewegung schon erzeugen, wenn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=396"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/396\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}