{"id":3953,"date":"2000-09-20T11:56:48","date_gmt":"2000-09-20T09:56:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3953"},"modified":"2023-11-26T11:59:07","modified_gmt":"2023-11-26T10:59:07","slug":"nichts-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/09\/20\/nichts-bleibt\/","title":{"rendered":"&#8230;nichts bleibt&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wow, den Eintrag von gestern sollte ich mir ausdrucken und an die Wand h\u00e4ngen: Mit ein paar Sonnenstrahlen gl\u00fccklich sein &#8211; so geht&#8217;s! Heute ist wieder ein ganz anderer Tag, der Himmel ist durchg\u00e4ngig grau und verhangen, der Herbstwind setzt alles in Bewegung, die Luft ist frisch und k\u00fchl, optimales Arbeitswetter. Ich f\u00fchle mich leicht, irgendwie kompakt und k\u00f6nnte virtuelle B\u00e4ume ausreissen, ein Zustand voller Energie, die nicht nach DRAUSSEN dr\u00e4ngt. Angenehm, und etwas v\u00f6llig anderes als das gestrige Verschmelzen-wollen mit der Natur!<!--more--><br \/>\nWenn man nicht so viel unter Leuten ist, ergibt sich recht leicht eine Selbstbeobachtung ohne Wertung. Feststellen, dass ich gestern eine Andere war als jetzt, ist nichts mehr Besonderes, sozusagen Alltag. Am einen Tag f\u00fchle ich mich v\u00f6llig frei, z.B. von allen S\u00fcchten und Genuss-Versuchungen &#8211; am n\u00e4chsten Tag oder noch in derselben Nacht trete ich dann doch dem K\u00fchlschrank zu nah&#8230;. Auch das Rauchen hab&#8216; ich wieder angefangen, wie schon \u00f6fter. Und nicht nur die materiellen Pr\u00e4ferenzen \u00e4ndern sich wie das Wetter, ich denke auch nicht dauernd dasselbe, nicht einmal \u00fcber die wirklich wichtigen Dingen. (Am Jahresende, das hab&#8216; ich mir vorgenommen, werde ich mal dieses Diary von Anfang bis Ende am St\u00fcck lesen).<\/p>\n<p>Was ist also das &#8222;Ich&#8220;, wenn doch gar nichts Statisches festzustellen ist? Zum einen wohl einfach Ged\u00e4chtnis, zum andern die Ego-Funktion: Das eingebaute Konkurrieren, das besser-sein und beachtet werden wollen, das Horten von M\u00f6glichkeiten und Besitzst\u00e4nden. Dieses Kampf-Ego ist nun aber derart allgemein, dass ich dazu kaum noch &#8222;ich&#8220; sagen kann. Wenn es in Aktion tritt, bemerke ich es mittlerweile, es ist manchmal wirklich zum Lachen, woran es sich aufspult. Es zu bemerken, heisst zwar nicht, es zu verlieren, doch immerhin entsteht da eine L\u00fccke, ein Abstand, der manchmal die Freiheit der Wahl er\u00f6ffnet. F\u00fcr wen? Wer w\u00e4hlt das andere?<\/p>\n<p>Gestern hab&#8216; ich mir die sieben jungen Hunde angesehen, die der Sch\u00e4ferhund einer Nachbarin geworfen hat. Sie sind ein paar Wochen alt und erreichen gerade das entz\u00fcckende, wollige, ach so s\u00fc\u00dfe Stadium! Eins davon hatte ich auf dem Scho\u00df und bin fast weggeschmolzen vor spontaner Zuneigung. Wie die Automaten reagieren wir auf das Kindchen-Schema und lieben alle kleinen Tiere und Menschen, die doch schon bald dieser S\u00fc\u00dfe entwachsen und zu kleinen und gr\u00f6\u00dferen Monstern werden. Genauso hab ich das kleine Huhn geliebt, dem ich aus dem Ei geholfen hatte. Die Vorstellung, immer ganz nah an den Tieren dran zu sein, sie also als kleine Wesen zu lieben, dann aufwachsen zu sehen und schlie\u00dflich zu schlachten &#8211; nicht, weil sie krank sind, sondern weil man sie essen will &#8211; das empfinde ich als typisch menschliches Dilemma. Der Raubtieranteil ist in uns, als Allesfresser sind wir nicht NUR Vegetarier. Doch wir erinnern uns an die Liebe und ziehen es vor, das Schlachten anderen zu \u00fcberlassen, kaufen das Fleisch dann in fertigen Scheiben, die nicht im Traum den Gedanken aufkommen lassen, dass so ein kleines Kalb auch was Liebes ist.<\/p>\n<p>Nicht anders mit den Menschen: Liebe deinen N\u00e4chsten, aber konkurriere und gewinne! Wie soll das gehen?<\/p>\n<p>Ein paar Freunde und Kollegen haben ein Recht auf meinen n\u00e4chsten Arbeitsanfall, deshalb werd&#8216; ich mich f\u00fcr heute von unl\u00f6sbaren Fragen ab-, und machbaren Dingen zuwenden. Und heut abend brate ich eine Lachsforelle, Fische sind ja weder als Babys noch als Erwachsene besonders ber\u00fcckend!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wow, den Eintrag von gestern sollte ich mir ausdrucken und an die Wand h\u00e4ngen: Mit ein paar Sonnenstrahlen gl\u00fccklich sein &#8211; so geht&#8217;s! Heute ist wieder ein ganz anderer Tag, der Himmel ist durchg\u00e4ngig grau und verhangen, der Herbstwind setzt alles in Bewegung, die Luft ist frisch und k\u00fchl, optimales Arbeitswetter. Ich f\u00fchle mich leicht, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,9,11],"tags":[799,800,798],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3953"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3953"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3953\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3953"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3953"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3953"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}