{"id":3951,"date":"2000-09-22T11:52:15","date_gmt":"2000-09-22T09:52:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3951"},"modified":"2023-11-26T11:54:37","modified_gmt":"2023-11-26T10:54:37","slug":"input-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/09\/22\/input-nein-danke\/","title":{"rendered":"Input? Nein danke."},"content":{"rendered":"<p>Vielleicht sollte ich aufh\u00f6ren, Zeitungen zu lesen. Nicht Internet-World, da kann man was N\u00fctzliches lernen, aber zum Beispiel DIE ZEIT und alles, was die Anmutung verbreitet, von einem gro\u00dfen WIR zu erz\u00e4hlen. Das gro\u00dfe WIR existiert nat\u00fcrlich nicht, es wird durch das &#8222;Reden \u00fcber&#8220; Unvereinbarkeiten, unterschiedliche Meinungen, Interessen, Tabus und deren Verletzungen konstruiert. Hoeullebec fordert, die Alten zu t\u00f6ten, um den Tod unsichtbar zu machen, und sagt gleich dazu, dass er ja alles sagen darf, weil er in Mode ist. Madonna kann sich als letzte &#8222;modellbildende&#8220; Pop-Ikone erlauben, eine CD einfach &#8222;Music&#8220; zu nennen, Gl\u00fcckwunsch. Das neueste Retortenbaby soll dem kranken Bruder Knochenmark spenden &#8211; darf es das? Ein B\u00fcrgerrecht auf billiges Bezin gibt es &#8211; nat\u00fcrlich! &#8211; nicht und Shakespeare ist immer noch ein Thema, trotz Zlatko. Allerlei Leute m\u00fcssen hier oder dort abtreten, andere erscheinen im Rampenlicht und erklimmen die Schleudersitze. Alles geht seinen Gang, von Woche zu Woche, und irgendwie werde ich von alledem nicht mehr angeregt, sondern m\u00fcde. Unendlich m\u00fcde.<!--more--><br \/>\nEinen Fernseher hab&#8216; ich nun doch nicht gekauft. Manchmal hat mein Lebensgef\u00e4hrte keine Lust auf TV, ich aber schon &#8211; so alle paar Wochen mal, deshalb die Idee, mir selber eine Kiste hinzustellen, schlie\u00dflich strebt der Mensch nach Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit! Doch der Blick auf&#8217;s Programm eines einzigen Abends reicht v\u00f6llig aus, um von dem Medium verschont bleiben zu wollen. Und wieder ist eine Konsum-Idee am \u00dcberdruss gescheitert &#8211; wo soll das noch enden?<\/p>\n<p>GUTE B\u00fccher? Literatur? Vor ein paar Monaten hab&#8216; ich mal die Lesungen und Diskussionen zur Vergabe des Ingeborg-Bachmann-Preises verfolgt und fand das ganz nett, geistvoll, anregend! Also nicht gez\u00f6gert, mir zwei ECHT LITERARISCHE B\u00fccher von Georg Klein und Susanne Riedel gekauft &#8211; angelesen, die hohe Kunst bewundert, weggelegt und nie mehr wieder ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Musik? Trotz verschiedener Versuche, allerlei zeitgen\u00f6ssische Musikstile kennen zu lernen, kommt mir praktisch nie der Gedanke, die Stille mit T\u00f6nen f\u00fcllen zu wollen. Was immer ich mir anh\u00f6re, empfinde ich als emotionale Vergewaltigung. Gerade der Aspekt, den man normalerweise an Musik sch\u00e4tzt, die Beeinflussung und Ver\u00e4nderung der Gef\u00fchle, wie sie gerade sind, geht mir auf die Nerven.<\/p>\n<p>Um das ganze Ausma\u00df meiner Medienverdrossenheit klar zu machen, sei der Vollst\u00e4ndigkeit halber erw\u00e4hnt, da\u00df ich auch Mailinglisten kaum mehr mitlese: die \u00fcblichen Hahnenk\u00e4mpfe, das Off-Topic-Gequatsche und Herumwitzeln, die immer wiederkehrenden Themen (richtig zitieren! Falscher Footer! Keine Attachements!) werfen die Frage auf, ob es die richtige Entscheidung ist, <b>echte Lebenszeit<\/b> daf\u00fcr zu opfern &#8211; und immer \u00f6fter entscheide ich mich dagegen. Angesichts einer webdesignerischen Streitfrage riet mir neulich ein Freund, die Diskussion dazu in der I-Worker-Liste nachzulesen. Ich wollte gerade schon einfrig in die Mailbox gucken, da ist mir noch rechtzeitig aufgefallen, dass er praktisch deshalb so DAGEGEN war, weil er DORT bestimmte Streitigkeiten mitverfolgt hat: Man ger\u00e4t dann &#8222;automatisch&#8220; in Positionen, die garnicht von der Sache oder vom Erleben her, sondern von den Leuten und den eigenen Symphatien und Antipathien bestimmt sind. Also lieber nicht&#8230;<\/p>\n<p>Was ist nur mit mir los? Ich werde inkompatibel und f\u00fchl&#8216; mich auch noch WOHL dabei! Soll ich mir eine Einsiedelei in irgendeiner Abgeschiedenheit suchen? Aber wie dann die Zeit &#8218;rumbringen und meine Br\u00f6tchen verdienen? Die Arbeit macht mir immerhin noch Spa\u00df, deshalb h\u00f6r&#8216; ich jetzt auch besser auf. Das ist allemal besser, als zu theoretisieren, immer alles in ein SYSTEM einzupassen, zu gr\u00fcbeln, stets nach der RICHTIGKEIT in dem zu suchen, was einem gerade SO und nicht anders begegnet &#8211; morgen kann es wieder anders aussehen, dann war das alles umsonst. :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielleicht sollte ich aufh\u00f6ren, Zeitungen zu lesen. Nicht Internet-World, da kann man was N\u00fctzliches lernen, aber zum Beispiel DIE ZEIT und alles, was die Anmutung verbreitet, von einem gro\u00dfen WIR zu erz\u00e4hlen. Das gro\u00dfe WIR existiert nat\u00fcrlich nicht, es wird durch das &#8222;Reden \u00fcber&#8220; Unvereinbarkeiten, unterschiedliche Meinungen, Interessen, Tabus und deren Verletzungen konstruiert. 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