{"id":3941,"date":"2000-10-11T11:25:22","date_gmt":"2000-10-11T09:25:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3941"},"modified":"2023-11-26T11:26:52","modified_gmt":"2023-11-26T10:26:52","slug":"steuer-99-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/10\/11\/steuer-99-teil-2\/","title":{"rendered":"Steuer &#8217;99 &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Der Programmpunkt &#8222;Einnahmen&#8220; f\u00fcr die Steuer &#8217;99 ist erledigt &#8211; ja, das ist der kleinere, weniger arbeitsaufwendige Teil, ich wei\u00df, aber es stimmt mich schon mal froh, da\u00df ich \u00fcberhaupt in diese l\u00e4stige Arbeit &#8218;reingefunden habe. Und meine Laune ist deutlich besser: Sind doch alles nur Papiere, Zahlen&#8230;. Oder doch nicht?<!--more--><\/p>\n<p>So ein Thema wie &#8222;Steuererkl\u00e4rung&#8220; pa\u00dft eigentlich gar nicht in ein &#8222;philosophisches Webdiary&#8220;, f\u00e4llt mir sofort ein. Egal, es bewegt mich nun mal, und nicht nur dann, wenn ich es wirklich angehe, sondern eigentlich dauernd, es ist ein wichtiger Teil der dunklen Seite der Selbst\u00e4ndigkeit. Dunkel, weil es ein Bereich ist, wo jeder mit sich, dem Staat und dem Steuerberater alleine ist und in der Regel auch gern alleine bleibt. Dunkel, weil Klarheit immer erst weit zeitversetzt eintritt. Es macht mir gro\u00dfe M\u00fche, mich anhand von allerlei Unterlagen, die ich nicht gerade ordentlich sammle, an all die Vorg\u00e4nge und Umst\u00e4nde eines lang vergangenen Jahres zu erinnern &#8211; ich mu\u00df mich aber erinnern, sonst entgehen mir Ausgaben, die ich hatte, oder ich kann sie nicht begr\u00fcnden und zahle wom\u00f6glich viel zu viel.<\/p>\n<p>W\u00e4re das denn schlimm? Fr\u00fcher h\u00e4tte ich gesagt, schei\u00df drauf, der Staat mu\u00df auch leben! Mittlerweile ist mir durch die Fakten und meine Erfahrungen dieser gro\u00dfz\u00fcgige Impuls vergangen. Indem ich darum k\u00e4mpfe, nicht zuviel Steuern zu bezahlen, k\u00e4mpfe ich ja um meine Freiheit, nicht zuviel arbeiten zu m\u00fcssen! Das war mir fr\u00fcher gar nicht so klar. Andere trifft das nicht in dieser Weise, das habe ich schon bemerkt. Sie arbeiten sowieso bis zum Anschlag (ich spreche jetzt von Brotarbeit!) und verwenden freie Zeit, falls vorhanden, zur Akquise. Ich dagegen arbeite meistens darauf hin, fertig zu werden und freie Zeit zu haben, freie Zeit f\u00fcr meine eigenen Projekte und auch f\u00fcr freie Zeit schlechthin.<\/p>\n<p>Doch soviel &#8222;freier&#8220; bin ich als Selbst\u00e4ndige gar nicht, als Arbeitnehmerin k\u00f6nnte ich mir z.B. jederzeit eine Krankheit leisten oder mal eine Zeit lang innerlich k\u00fcndigen. Ja, als Arbeitnehmer kann ich sogar richtig k\u00fcndigen und arbeitslos werden, ohne deshalb verschuldet zu sein. W\u00fcrde ich jedoch meine Selbst\u00e4ndigkeit an den Nagel h\u00e4ngen, h\u00e4tte ich zwar mit Gl\u00fcck gerade so die Steuer vom Vorjahr abgedr\u00fcckt, nicht aber f\u00fcr das aktuelle Jahr. Wer st\u00e4ndig soviel R\u00fccklagen bilden kann, um steuerlich &#8222;up to date&#8220; sein zu k\u00f6nnen, mu\u00df schon deutlich mehr verdienen als ich und dazu noch ein verdammt ordentlicher und sicherheitsbewu\u00dfter Mensch sein.<\/p>\n<p>Bin ich nicht. Wie denn auch, hab&#8216; doch lange Zeitr\u00e4ume meines Lebens mit Minimaleinkommen wie Baf\u00f6g oder Arbeitslosenhilfe verbracht und keineswegs darunter gelitten. Auch die Welt der Sozialhilfe ist mir nicht v\u00f6llig fremd und w\u00fcrde es mich treffen, w\u00fcrde ich mich schon zurecht, bzw. schnell wieder &#8218;rausfinden, das wei\u00df ich genau. Alle diese Strukturen, vom Angestelltenverh\u00e4ltnis bis zur monatlichen &#8222;St\u00fctze&#8220; haben jedenfalls den Vorteil, zeitnah abgerechnet zu werden. Als Selbst\u00e4ndiger hat man dagegen langfristiger zu denken, Vorsorge zu treffen, alles abzusichern, tja, man mu\u00df ein anderer Mensch sein.<\/p>\n<p>Bin ich nicht, bzw. zu wenig. Es kann gut sein, dass mir deswegen nochmal der Himmel auf den Kopf f\u00e4llt. Dieses Mal allerdings, so entnehme ich meiner Arbeit mit &#8222;Steuer &#8217;99&#8220;, wird der Kelch an mir vor\u00fcbergehen. Ich habe die Summe der Einnahmen mal versuchsweise in einen Einkommenssteuerrechner eingegeben und siehe da: Die Steuerschuld, die sich erg\u00e4be, ohne dass ich irgendwelche Ausgaben abziehe, k\u00f6nnte ich gerade so zahlen! Es w\u00fcrde sogar &#8218;was \u00fcbrig bleiben, um noch ein paar Monate ohne zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte zu \u00fcberbr\u00fccken. Was will mensch mehr?<\/p>\n<p>Ich kenne Kollegen, die noch nicht mal Steuer &#8217;98 hinter sich gebracht haben und ein Bekannter, der mir gelegentlich einen Auftrag gibt, hat mal sechs Jahre ohne Steuererkl\u00e4rung zugebracht, die er dann auf einen Schlag nachholen mu\u00dfte. Ich frage mich, wie das psychisch auszuhalten ist! Es scheint nicht unm\u00f6glich zu sein, denn diese Freunde wirken keineswegs belastet oder besorgt. Mir ist das unvorstellbar, denn je weiter ein Jahr zur\u00fcckliegt, desto weniger k\u00f6nnte ich die daf\u00fcr aufgelaufene Steuerschuld sch\u00e4tzen. Mehrere Jahre zunehmender Unklarheit addieren sich im Hinterkopf zu einer Summe X, deren Unbekanntheit mich krank machen w\u00fcrde, weil ich immer weniger w\u00fc\u00dfte, wie mein finanzieller Status Quo aussieht. Es w\u00e4re, als h\u00e4tte mein Konto &#8222;hinten&#8220; mehrere gro\u00dfe L\u00f6cher, durch die es &#8218;rausrinnt und ich kann nicht mal sehen, wieviel.<\/p>\n<p>Ist das eine Folge von Geiz? Ein H\u00e4ngen am Geld? Gewiss nicht, ausnahmsweise kenne ich mich da gut: Arm sein ist ok, keine Probleme. Aber Schulden hasse ich wirklich, m\u00f6chte leben ohne Kredite und Verbindlichkeiten, die in die Zukunft reichen und meine Freiheit, einfach AUFZUH\u00d6REN beschr\u00e4nken. Ab dem n\u00e4chsten Jahr werde ich vermutlich zu einer Einkommensteuervorauszahlung verdonnert, die den Realit\u00e4ten entspricht. Dann habe ich endlich das, was Arbeitnehmer haben: die zeitnahe Abrechnung. Und muss mich &#8222;nur&#8220; darum bek\u00fcmmern, dass auch das Einkommen der Vorauszahlung entspricht&#8230;. :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Programmpunkt &#8222;Einnahmen&#8220; f\u00fcr die Steuer &#8217;99 ist erledigt &#8211; ja, das ist der kleinere, weniger arbeitsaufwendige Teil, ich wei\u00df, aber es stimmt mich schon mal froh, da\u00df ich \u00fcberhaupt in diese l\u00e4stige Arbeit &#8218;reingefunden habe. Und meine Laune ist deutlich besser: Sind doch alles nur Papiere, Zahlen&#8230;. 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