{"id":3913,"date":"2000-10-21T18:08:09","date_gmt":"2000-10-21T16:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3913"},"modified":"2023-09-29T18:09:58","modified_gmt":"2023-09-29T16:09:58","slug":"die-gelegenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/10\/21\/die-gelegenheit\/","title":{"rendered":"Die Gelegenheit"},"content":{"rendered":"<p>Feuchtfr\u00f6hliche Abende mit Freunden kommen nicht mehr oft vor, seit ich hier wohne. Abgesehen davon, dass wir au\u00dferhalb des Schlosses keine Leute kennen, verbietet sich jedes Trinken in der Ferne, denn man m\u00fc\u00dfte ja hinterher irgendwie nachhause kommen. <em>(Der Mecklenburger f\u00e4hrt zwar unverdrossen in praktisch jedem Zustand Auto, doch enden diese Fahrten \u00f6fter mal am n\u00e4chsten Allee-Baum, da will ich nicht mithalten.)<\/em><\/p>\n<p>Ich war also much amused, als vorgestern unsere Wohnungsnachbarn zu Pizza und Wein her\u00fcberkamen. Richtig ungewohnt, aber sch\u00f6n, mal wieder plaudernd bis in die Motten um den mit Vor- und Nachspeisen festlich \u00fcberladenen Tisch zu sitzen &#8211; die M\u00e4nner auf den unbequemen St\u00fchlen, verdammt, daran hatte ich gar nicht mehr gedacht!<\/p>\n<p>Gestern morgen fasste ich dann spontan den Entschlu\u00df, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und (mal wieder&#8230;) den Versuch zu machen, das Rauchen zu lassen. Das geht am Tag nach Bes\u00e4ufnissen besonders gut: irgend etwas ist in der K\u00f6rperchemie dann so ver\u00e4ndert, dass man sowieso keine rechte Lust auf das Qualmen hat.<\/p>\n<p>Im Durchschnitt versucht ein Raucher zwei- bis dreimal im Jahr, davon loszukommen, las ich neulich und dieses Jahr halte ich den Schnitt! Das Aufh\u00f6ren selbst ist ja &#8211; selbst bei 30 bis 40 Zigaretten pro Tag &#8211; nicht das ganz gro\u00dfe Problem, sondern das dauerhaft rauchfrei bleiben. Solange da ein Kampf um die Umstellung ist, wie jetzt, wo sich praktisch alles, was ich tue, anders anf\u00fchlt als &#8222;normal&#8220;, solange kann man sich \u00fcber Erfolge freuen:<\/p>\n<ul>\n<li>WOW, schon jetzt atme ich besser,<\/li>\n<li>toll, meine Bude stinkt nicht mehr nach Rauch,<\/li>\n<li>herrlich, diese Woche \u00fcber 100,- Mark gespart&#8230;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn dann aber das Nichtrauchen droht, &#8222;normal&#8220; zu werden, dann melden sich tiefere Schichten: WOLLTEST Du WIRKLICH aufh\u00f6ren?, sagt ein Teil von mir, der das Selbstbild &#8222;Claudia, die Schreiberin, am Monitor, rauchend, Kaffee trinkend&#8220;, vertritt und sich gar nicht vorstellen kann, dass davon ohne Kippen etwas \u00fcbrig bleibt. Dann wird es erst heftig, denn DANN kommt die Versuchung auf, mal wieder &#8222;eine&#8220; zu probieren &#8211; und dem konnte ich bisher nicht widerstehen. Was heisst hier &#8222;konnte&#8220;, es war ja gerade mein Wille, der untergraben wurde, das Rauchen romantisierte sich in meiner Erinnerung mehr und mehr, bis ich mir W\u00dcNSCHTE, wieder &#8222;die Alte&#8220; zu sein. (Dies alles zu WISSEN, hilft leider nicht &#8218;raus aus dem Prozess, der sich eben nicht durch Gedanken steuern l\u00e4\u00dft, sondern mit Gef\u00fchlen agiert und sich aus uralten, physisch eingravierten Gewohnheitsmustern speist).<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz versuche ich es wieder, da sich die Gelegenheit nun mal ergeben hat und ich mich gerade ziemlich gut f\u00fchle ohne dieses Pfeifen in den Bronchien. Und jetzt geh&#8216; ich in die Sauna&#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feuchtfr\u00f6hliche Abende mit Freunden kommen nicht mehr oft vor, seit ich hier wohne. 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