{"id":3906,"date":"2000-10-29T17:39:07","date_gmt":"2000-10-29T16:39:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3906"},"modified":"2023-09-29T17:41:35","modified_gmt":"2023-09-29T15:41:35","slug":"10-tag-ohne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/10\/29\/10-tag-ohne\/","title":{"rendered":"10.Tag &#8222;ohne&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Gestern bin ich zwar auf die Idee gekommen, ins Netz bzw. in die Mail zu schauen, hab&#8216; sie dann aber doch nicht verwirklicht, sondern den Tag offline verbracht: lesend, kochend, einkaufend, plaudernd. Abends wollte ich den Chianti zur Pizza mittrinken, das schmeckte jedoch wie fauliger Traubensaft, so dass ich es nicht \u00fcber mich brachte, eine wirkungsvolle Menge davon einzunehmen. <!--more-->Schon komisch, wie sich alles ver\u00e4ndert, sich zunehmend anders anf\u00fchlt, wenn die ganzen Stoffe der Zigaretten den K\u00f6rper verlassen. Zehn Tage &#8222;ohne&#8220; sind es jetzt und eigentlich wollte ich nicht mehr dar\u00fcber schreiben. Was gibt es Normaleres auf der Welt, als NICHT zu rauchen? Zumindest die Immer-schon-Nichtraucher langweile ich gnadenlos und die Noch-Raucher nerve ich nur, weil die innere Widerspr\u00fcchlichkeit zwischen frei-werden-wollen und die-n\u00e4chste-Kippe-bitte wieder mal bewu\u00dfter wird.<\/p>\n<p>Was ich das &#8222;innere Ger\u00fcst&#8220; nenne, ist schon in den ersten f\u00fcnf Tagen verschwunden. Es ist eine ganz physische Angelegenheit, als g\u00e4be es ein in jede Zelle eingepa\u00dftes Plastik-Konstrukt, dass die Zelle h\u00e4rter und starrer macht, als sie \u00fcblicherweise w\u00e4re. Wenn es verschwindet, sich einfach mangels Nikotin-Nachschub aufl\u00f6st, wird man weich, ganz weich und f\u00fchlt sich schlaff, angreifbar, verletzlich, nackt. Doch gleichzeitig sp\u00fcrte ich immer mehr: die sinnlichen Eindr\u00fccke werden intensiver, das Bewu\u00dftsein findet mehr &#8222;Content&#8220; im Physischen und neigt weniger dazu, ins Symbolische (=tr\u00e4umen, schreiben, planen&#8230;) abzudriften.<\/p>\n<p>Das unsichere Gef\u00fchl ist mittlerweile vorbei, ersetzt durch Freude am K\u00f6rper, an der Bewegung, die ich so nicht als Normalzustand kenne, sondern eher als Folge konzentrierter Entspannungs\u00fcbungen. Nein, ich jogge nicht etwa, ich bemerke das einfach so nebenbei, wenn ich z.B. die Treppe zwischen der K\u00fcche und meiner Wohn-Etage &#8218;rauf und &#8218;runter gehe. Vor zwei Wochen war das noch ausgesprochen l\u00e4stig!<\/p>\n<p>Die seit einiger Zeit anhaltende Arbeitsunlust bekommt jetzt eine neue &#8222;Farbe&#8220;: definitiv keine Lust, am Computer zu sitzen, wohl aber, etwas mit dem K\u00f6rper zu tun, etwas Konkretes zu erleben, etwas zum anfassen. Meine Zimmer sind mir neuerdings entsetzlich ungem\u00fctlich, ohne Farbe und Charakter, blosse helle Hintergr\u00fcnde f\u00fcr ein Dasein, dass im Prinzip gar nicht &#8222;hier&#8220; stattfindet, sondern dort im Nirgendwo, wo das Geld kreist und die Webseiten gespeichert sind, wo virtuelle Geister Worte murmeln, ohne von Worten noch ber\u00fchrt zu sein.<\/p>\n<p>Bevor ich wieder guten Mutes meinen &#8222;virtuellen&#8220; Projekten nachgehen kann, ist wohl ein &#8222;Update&#8220; im Physischen f\u00e4llig: Dem realen Raum MEINE Farben geben, wieder mal eine Ordnung schaffen, die das Auge freut und den Umgang mit den Dingen leicht macht, die Vorh\u00e4nge waschen und die R\u00e4ume richtig putzen, und zu allererst die herumliegenden Papiere in ihre Ordner verweisen &#8211; oder eben in den M\u00fcll.<\/p>\n<p>Es ist Sonntag und die Sonne scheint, ganz entgegen dem Wetterbericht. Erstmal geh&#8216; ich jetzt &#8218;raus und werde Unmengen Apfelsaft herstellen. Die B\u00e4ume h\u00e4ngen voll und niemand k\u00fcmmert sich drum.<\/p>\n<p>(Alle, mit denen ich privat oder beruflich kommuniziere, m\u00f6gen mir meine derzeitige Sprunghaftigkeit verzeihen!)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern bin ich zwar auf die Idee gekommen, ins Netz bzw. in die Mail zu schauen, hab&#8216; sie dann aber doch nicht verwirklicht, sondern den Tag offline verbracht: lesend, kochend, einkaufend, plaudernd. 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