{"id":3824,"date":"2000-11-01T10:54:17","date_gmt":"2000-11-01T09:54:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3824"},"modified":"2023-05-31T13:56:07","modified_gmt":"2023-05-31T11:56:07","slug":"shangrila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/01\/shangrila\/","title":{"rendered":"Shangrila"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist ein wunderbarer Tag. Ich f\u00fchle mich klar und zuversichtlich, ohne dass es daf\u00fcr besondere Gr\u00fcnde g\u00e4be. Hab&#8216; gestern ausgespannt, Sauna, ein Spaziergang auf dem Flohmarkt, Besuch bei den Nachbarn und abends einen Serienm\u00f6rder-Krimi. :-) Schon sieht die Welt wieder richtig freundlich aus, Sinnfragen verblassen im Morgenlicht, treten in den Hintergrund &#8211; bis zum n\u00e4chsten Mal?<!--more--><br \/>\nVielleicht w\u00e4re ein durchg\u00e4ngig n\u00fcchternes Leben angesagt? Das mit dem Rauchen scheint jetzt gl\u00fccklich \u00fcberstanden (endlich! Wahnsinn!) &#8211; warum also daran h\u00e4ngen, immer mal wieder im Rotwein zu ertrinken? Nichts dr\u00e4ngt mich dazu, mitzutrinken, ausser einer gewissen Langeweile, der Sehnsucht nach Abwechslung, nach gr\u00f6\u00dferen Ausschl\u00e4gen des Pendels, nach Kicks eben, nach dem &#8222;Ausnahmezustand&#8220;.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich ist das die banale Wurzel aller S\u00fcchte: Neben den Strom treten wollen, austreten, abtreten, wegfliegen nach Anderwo, wo die B\u00e4ume bunter, der Himmel blauer, die H\u00e4user nicht alle rechteckig sind. Auch dazu f\u00e4llt mir ein Song aus den 70gern ein:<\/p>\n<blockquote><p>Lass uns auf die Reise geh&#8217;n<br \/>\nand&#8217;res Land zu suchen<br \/>\nWo man den Sommer ohne Whisky ertr\u00e4gt<br \/>\nden Winter ohne Kohlen auskommt<br \/>\nwo das Leben nicht m\u00fcde macht<br \/>\nin anderer Landschaft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich glaube nicht mehr daran, schon sehr sehr lange nicht. Das Land Shangrila ist nicht zu erreichen, indem man sich den Blick verzerrt und die Emotionen durcheinander r\u00fcttelt. Jedem beschwingten H\u00f6henflug folgt ein weinerlich-selbstmitleidiges Tief, kenn&#8216; ich doch, muss ich das noch haben, und sei es nur alle zwei Wochen?<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit ohne Zigaretten regenerieren sich die Geschmacksnerven, man riecht und schmeckt mehr, im guten wie im schlechten. Vermutlich ist es bez\u00fcglich aller Bewu\u00dftseinsver\u00e4nderungen ebenso: Mit &#8222;Pulle oder Pille&#8220; herbeigef\u00fchrt, scheinen die erreichten Zust\u00e4nde spektakul\u00e4r, doch daf\u00fcr schleift sich das gew\u00f6hnliche Dasein im Alltag noch st\u00e4rker als \u00fcblich zu einem langweiligen Mittelma\u00df ab, das nun wirklich niemanden vom Hocker reisst. Dauerhaft n\u00fcchtern m\u00fc\u00dfte sich also das Leben in ein mittelpr\u00e4chtiges Wunderland verwandeln, da die Instrumente und Prozesse der Wahrnehmung aus ihrer Gefangenschaft befreit sind und wieder flexibler werden.<\/p>\n<p>Tja, Wissen alleine richtet wenig aus. Der D\u00e4mon der Tr\u00e4gheit ist das Schlimmste, das mir in diesem Leben begegnet ist. Er ist es, der im Moment der Wahl das Gewicht der Welt in die Waagschale wirft, die sich in Richtung &#8222;Business as usual&#8220; neigen will. Ich muss wohl noch deutlich leichter werden, um mich nicht mehr herunter ziehen zu lassen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist ein wunderbarer Tag. Ich f\u00fchle mich klar und zuversichtlich, ohne dass es daf\u00fcr besondere Gr\u00fcnde g\u00e4be. 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