{"id":3819,"date":"2000-11-06T13:42:22","date_gmt":"2000-11-06T12:42:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3819"},"modified":"2023-05-31T13:48:58","modified_gmt":"2023-05-31T11:48:58","slug":"sinn-sein-sinnlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/06\/sinn-sein-sinnlichkeit\/","title":{"rendered":"Schaffenskrise: Sinn &#8211; Sein &#8211; Sinnlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere Tage ohne das morgendliche Diary-Schreiben bringen mich in eine neue Form von Entzug, doch noch nicht in neue Dimensionen der Arbeit, bisher nicht. Zwar staut sich das, was normalerweise alsbald zum Ausdruck kommt, nun zu gr\u00f6\u00dferen Mengen an und entfaltet mehr Druck, mehr Verlangen, mehr Drive. Dennoch packe ich es einfach nicht, die Energie sinnvoll zu nutzen und von der Gedankenebene auf die symbolische Schiene zu kommen.<\/p>\n<p>Im Kopf schreiben sich gleich mehrere Kurzessays gleichzeitig, doch wenn ich mich hinsetze und das in eine konsumierbare Form bringen will, l\u00e4\u00dft der Elan schnell nach, versickert nach ein paar S\u00e4tzen wie ein Glas Wasser in der W\u00fcste &#8211; warum nur? Es ist, als wandele mich in dem Moment, in dem etwas vom M\u00f6glichen ins Wirkliche \u00fcbergef\u00fchrt werden soll, mit aller Macht die Sinnfrage an, also immer dann, wenn es beginnt, in irgend einer Weise anzustrengen.<\/p>\n<p>Wenn ich Familien mit Kindern sehe, beneide ich sie manches Mal. Sie verstr\u00f6men eine Anmutung von Normalit\u00e4t, Sinn, Selbstverst\u00e4ndlichkeit, Fraglosigkeit, konkretisierter Form und Heimat in dieser Form, wie es ein einzelnes Individuum niemals zustande bringen kann. Das gro\u00dfe &#8222;Worum willen&#8220;, das als unbekannter Beweger hinter allen Aktivit\u00e4ten steht, ist ein- f\u00fcr allemal gekl\u00e4rt, es gibt nur das &#8222;Wie?&#8220;, aber keine \u00dcberlegung, ob \u00fcberhaupt, und wenn ja, warum eigentlich&#8230;<\/p>\n<p>Dieser eigenartigen Schaffenskrise kann ich mich nur hingeben, weil derzeit kein Druck aus dem Bereich der Brotarbeit auf mich wirkt. Und genau darauf habe ich ja hingearbeitet! Es war mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch, einige Zeit frei zu haben, undefiniert frei, nicht etwa Urlaub oder Krankheit oder T\u00f6pfern in der Toscana. Wenn ich mich so umsehe, gibt es kaum Leute, die einfach mal unt\u00e4tig sind, ohne Plan und Ziel, ohne vorgegebenen Zweck. Nein, es ist im Gegenteil so, dass praktisch alle guten Freelancer, die ich kenne, \u00fcberlastet, ausgebucht und bis ins n\u00e4chste Jahr verplant sind. Sie arbeiten und arbeiten &#8211; ja woraufhin eigentlich? Ist das eine unzeitgem\u00e4\u00dfe Frage? Ist Arbeiten &amp; Geld verdienen mittlerweile selbst letztes Ziel und finaler Sinn? Wir arbeiten, damit wir nicht aus dem Gesch\u00e4ft kommen, damit wir immer weiter arbeiten d\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Ich kenne <b>vier Gr\u00fcnde, um zu arbeiten<\/b>: Lebenserhaltung, Anerkennung, Freiheit, Selbstvergessenheit. In dieser Reihenfolge werden sie bewu\u00dft, werden sie wichtig und wieder unwichtig. Der Bereich der Lebenserhaltung ist keineswegs so gro\u00df, wie man gemeinhin denkt. W\u00fcrden alle nur soviel arbeiten, wie unbedingt n\u00f6tig, w\u00e4re der ganze wirtschaftliche Umtrieb l\u00e4ngst nicht so auschweifend. Die Sehnsucht nach Anerkennung treibt dagegen viel weiter als die Notwendigkeit, und wer die Siegertreppchen nicht (mehr) braucht, w\u00fcnscht zumindest Freiheit &#8211; Freiheit in Zeit und Raum, also in der Regel genug Geld auf der Kante.<\/p>\n<p>Doch es gibt keine wirkliche Unabh\u00e4ngigkeit, man ist immer im Austausch, immer betroffen von Anderen, von der Umwelt, der Gesellschaft. &#8222;Fertig werden&#8220; ist keine ernstzunehmende Arbeits-Utopie, und das ist sogar ebenso sch\u00f6n wie schlimm: Der unt\u00e4tig am Strand herumlungernde Million\u00e4r aus der Werbung ist nur eine l\u00e4cherliche Figur, der alsbald schon psychisch vor die Hunde gehen w\u00fcrde, f\u00e4nde er keinen ganz pers\u00f6nlichen Sinnhorizont &#8211; t\u00e4tig oder unt\u00e4tig.<\/p>\n<p>So bleibt also nur die Selbstvergessenheit: Etwas arbeiten, in das ich so hineinversinke, dass es daneben nichts mehr gibt, vor allem nicht mich selbst mit meinen langweiligen Anliegen. Wenn ich zum Beispiel im Fotoshop experimentiere oder ein Webprojekt designe, manchmal auch, wenn ich einen Text niederschreibe &#8211; dabei bin ICH als Konglomerat von Gedanken, F\u00e4higkeiten und Energie genau so wichtig oder unwichtig wie die Maus, die Tastatur, die Grammatik, der Strom oder sonstige Komponenten, die zum fertigen Werk f\u00fchren. Ich falle dabei also sinnvoll in eins zusammen mit allem, was sonst noch da ist und mitwirkt. Es gibt nichts Sch\u00f6neres, aber leider l\u00e4\u00dft es sich nicht zwingen. Weil es derzeit nicht gelingt, die Selbstvergessenheit in der Arbeit zu erleben, wechsle ich einfach die Ebene und switche in die Sinnlichkeit: Musik h\u00f6ren, Saunabesuche, Yoga-\u00dcbungen, einfach nur daliegen&#8230;.<\/p>\n<p>(Ich hoffe ja doch, dass sich das bald mal wieder \u00e4ndert! :-)<br \/>\nMeine Musikempfehlung heute: Einst\u00fcrzende Neubauten &#8211; Silence is sexy)<\/p>\n<div class=\"shariff\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Schaffenskrise%3A%20Sinn%20%E2%80%93%20Sein%20%E2%80%93%20Sinnlichkeit https%3A%2F%2Fwww.claudia-klinger.de%2Fdigidiary%2F2000%2F11%2F06%2Fsinn-sein-sinnlichkeit%2F \" title=\"Bei Bluesky teilen\" aria-label=\"Bei Bluesky teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0085ff; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"20\" height=\"20\" version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 20 20\"><path class=\"st0\" d=\"M4.89,3.12c2.07,1.55,4.3,4.71,5.11,6.4.82-1.69,3.04-4.84,5.11-6.4,1.49-1.12,3.91-1.99,3.91.77,0,.55-.32,4.63-.5,5.3-.64,2.3-2.99,2.89-5.08,2.54,3.65.62,4.58,2.68,2.57,4.74-3.81,3.91-5.48-.98-5.9-2.23-.08-.23-.11-.34-.12-.25,0-.09-.04.02-.12.25-.43,1.25-2.09,6.14-5.9,2.23-2.01-2.06-1.08-4.12,2.57-4.74-2.09.36-4.44-.23-5.08-2.54-.19-.66-.5-4.74-.5-5.3,0-2.76,2.42-1.89,3.91-.77h0Z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.claudia-klinger.de%2Fdigidiary%2F2000%2F11%2F06%2Fsinn-sein-sinnlichkeit%2F&text=Schaffenskrise%3A%20Sinn%20%E2%80%93%20Sein%20%E2%80%93%20Sinnlichkeit\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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