{"id":3815,"date":"2000-11-18T13:26:56","date_gmt":"2000-11-18T12:26:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3815"},"modified":"2023-05-31T13:31:47","modified_gmt":"2023-05-31T11:31:47","slug":"newbees-unter-frontpage-schrott-siegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/18\/newbees-unter-frontpage-schrott-siegt\/","title":{"rendered":"Newbees unter Frontpage: Schrott siegt!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern hatte ich noch richtig Spa\u00df mit meinem allzu ernsten Diary-Eintrag! Hab&#8216; n\u00e4mlich mal ein Webspeech-Plugin geladen, das neuerdings im Forum &#8222;angeboten&#8220; wird: Hinter jedem Eintrag steht da auf einmal &#8222;Vorlesen?&#8220; &#8211; na, da war ich doch neugierig!<!--more--><\/p>\n<p>Leider funktionierte es dann nur mit dem Microsoft-Explorer, es gen\u00fcgte immerhin, um die Leistungen der Vorlese-Software sch\u00e4tzen zu lernen. Eine Stimme, schwankend zwischen Antje Vollmer und Ingeborg Bachmann, von der Intonation her robotisch \u00fcberformt, eine kleine Prise R2D2. Super, das Ergebnis! Ich hab&#8216; es schnell soweit erforscht, um auch markierte Teile beliebiger Webseiten vorlesen zu lassen. Mit meinem Diary-Eintrag von gestern hab&#8216; ich angefangen und TR\u00c4NEN GELACHT! Dabei \u00fcber das Wesen von Satire viel gelernt, die offensichtlich fast gar nicht vom Inhalt lebt, sondern vollst\u00e4ndig von der Art des Vortrags!<\/p>\n<p>Die sch\u00f6ne Kuh aus dem Eintrag vom 12. konnte ich leider nicht mehr finden. Zwar bin ich Kamera-bewaffnet in der Abendd\u00e4mmerung nochmal hingefahren, doch standen da nur wesentlich h\u00e4\u00dflichere K\u00fche &#8218;rum, und ich wollte ja nicht irgend eine Kuh ablichten, sondern DIE KUH. Vielleicht war sie aber auch eine Erscheinung und gar nicht real, so eine Kuh-Gottheit, die nach Stunden unverhoffter Anstrengung vor der Wandernden materialisiert. vielleicht h\u00e4tte ich etwas w\u00fcnschen sollen&#8230;<\/p>\n<h2>Schrott siegt.<\/h2>\n<p>W\u00fcnschen? Wenn es darum geht, kommt mir als erstes die sogenannte &#8222;Freiheit vom W\u00fcnschen&#8220; in den Kopf, ein spiritueller Wert, den ich mir im Lauf des Lebens als &#8222;w\u00fcnschenswert&#8220; angelesen habe :-). Sei&#8217;s drum: F\u00fcr den Moment f\u00e4llt mir wieder mal ein ECHTER WUNSCH ein, den ich leidenschaftlich jeder Fee gegen\u00fcber vertreten w\u00fcrde: Frontpage (Microsofts WYSIWYG-Web-Editor) soll vom Markt verschwinden! Weg mit dem Schrott!!<\/p>\n<p>Es geht auf keine Kuhhaut, was ich in der letzten Zeit f\u00fcr Seiten zu sehen bekomme &#8211; allermeist von Einsteigern voller Hoffnung und mit gro\u00dfem Elan erstellt, doch um Klassen schlechter als alles, was Einsteiger noch vor zwei, drei Jahren so produziert haben. Richtige Horror-Seiten, ohne Text zum Beispiel, daf\u00fcr mit Links, die nur so aussehen, als seien es Links. Oder mit gro\u00dfen Hintergr\u00fcnden, die echt komisch wirken, wenn sie bei h\u00f6heren Bildschirmaufl\u00f6sungen dann mehrfach gekachelt zu sehen sind. Nicht zu vergessen die komplex verschachtelten unsichtbaren Tabellen, die mit den Eigenheiten des noch immer recht verbreiteten Netscape-Browsers nicht umzugehen wissen (bzw. nicht &#8222;wollen&#8220;, Frontpage ist ja ein Microsoft-Programm), was zu den seltsamsten Verschnitten des Hintergrundbildes f\u00fchrt. T\u00e4gliches Brot sind auch die \u00fcberdimensionierten Grafiken, 320 KB und mehr, mit einer Aufl\u00f6sung von 300 DPI abgespeichert &#8211; dann per HTML-TAG auf die Gr\u00f6\u00dfe von 120 x 180 Pixel verkleinert, so dass kein Mensch auf den ersten Blick merkt, warum zum Teufel man so elend lange auf die Seite warten muss.<\/p>\n<p>Doch auch diese Schandtat kann noch \u00fcbertroffen werden, n\u00e4mlich dann, wenn die Grafiken und Bilder \u00fcberhaupt nicht zu sehen sind und statt dessen h\u00e4\u00dfliche Platzhalter die Seiten zieren: Weil wieder mal die Image-Quellenangaben im Code auf die Festplatte des Verfassers verweisen, kein Wunder, dass die Bild-Dateien im Web nicht gefunden werden. Wenn sie aber dann doch mal da sind, sitzen sie oft an der falschen Stelle, mitten auf dem Text zum Beispiel. Weil Frontpage nun mal gerne mit Ebenen und CSS arbeitet und der unkundige Einsteiger keine Ahnung hat, was eine &#8222;Ebene&#8220; ist. Insbesondere m\u00fc\u00dfte er wissen, wie eine Ebene positioniert wird, dann k\u00f6nnte er verstehen, dass sie auf anderen Bildschirmaufl\u00f6sungen (mit mehr Pixel Breite&#8230;) ganz wo anders sitzen wird, als am heimischen Monitor, der vielleicht gerade auf 800 x 600 eingestellt ist. Und w\u00fcrde lernen, dieses Problem zu l\u00f6sen&#8230; aber Editoren lehren eben nichts!<\/p>\n<p>Langweilig? Geht bei dem Thema leider nicht anders, man muss ein klein bisschen technisch werden, um das zu vermitteln, worum es hier geht. Wer da gleich abschaltet, wird immer Konsument bleiben und gar keine Chance haben, zu bemerken, wie sehr ihm durch die Ger\u00e4te und Programme, von denen er umstellt ist, Wille und Weltsicht anderer Leute aufgezwungen wird. (Wahrscheinlich verabschieden sich hier 80% der Leser, der Rest ist zuf\u00e4llig Webdesigner&#8230;:-).<\/p>\n<p>Was ich oben zu beschreiben begonnen habe, soll sich &#8211; dem ersten Eindruck entgegen &#8211; nicht in einer Anklage gegen Microsoft, das dunkle Imperium, ersch\u00f6pfen. (Jede Bev\u00f6lkerung hat die Herrschaftsformen, die sie zul\u00e4\u00dft). Frontpage ist nur einer von vielen Oberfl\u00e4chen-Editoren, mit denen mittlerweile die meisten Homepages zusammengeklickt werden. Alle diese Programme haben ihre je eigenen Umgangsweisen mit den Gegebenheiten von HTML &amp; Co. , die zu unterschiedlichen Ergebnissen f\u00fchren, je nachdem, welche Browser und andere Endger\u00e4te die Entwickler im Blick gehabt haben. Das kann nicht anders sein. F\u00fcr den Anwender heisst das aber, dass er ohne HTML-Vorkenntnisse eben NICHT in der Lage ist, Seiten zu produzieren, die verl\u00e4\u00dflich sichtbar und gut lesbar sind, geschweige denn denen \u00e4hneln, die er beim Entwickeln selber sieht. Ein Minimum an Lesen, Lernen, Fragen und ausprobieren ist unumg\u00e4nglich, selbst wenn man nur in kleinen Regionalligas oder in einigen der vielen Randgebiete des Netzes mitspielen will. Ein paar &#8222;Grundlagen in HTML&#8220; sind unverzichtbar, um Oberfl\u00e4cheneditoren so einsetzen zu k\u00f6nnen, dass nicht unverhofft Schrottseiten in die Welt gesetzt werden.<\/p>\n<h2>Keine Zeit f\u00fcr HTML?<\/h2>\n<p>.Quatsch, bzw. reine Schutzbehauptung. Soviel HTML lernen, dass man Texte und Bilder auf Seiten anordnen und verlinken kann, kostet keinen halben Tag. Dann nochmal einen Tag, wenn man in die Raumgestaltung mit Tabellen und Frames einsteigen will. Mit diesen 1,5 Tagen hat man dann aber auch 90% aller Anforderungen im Griff, die f\u00fcr die Verwirklichung der meisten Publishing-Interessen erforderlich sind. (Unabh\u00e4ngig von allen Programmen und heimischen Einstellungen, von jedem Internet-Cafe der Welt aus, kann man dann z.B. Webseiten aktualisieren, wenn es mal brennt!). Der Rest ist Spielerei.<\/p>\n<p>Durch den ohne Vorkenntnisse eingesetzten WYSIWYG-Editor wird keine Zeit gespart, sondern verloren. Ein Programm wie Frontpage bedienen k\u00f6nnen und die n\u00f6tigsten Features herauszufinden, dauert ja auch seine Zeit, erst recht f\u00fcr die, die nicht wissen, WAS sie von all den M\u00f6glichkeiten brauchen. Und dann treten all die genannten Fehler auf, der Anwender schmeisst sein Frontpage 4 irgendwann angewidert in die Ecke, und&#8230;.<br \/>\n&#8230;greift zu GoLife, Dreamweaver, Fusion. Soll ja ein besseres Programm sein! Auf ein Neues, frisch in die Tasten! Und jedes Mal dauert es wieder fast gleich lang, um erstmal auf den Stand zu kommen, den man mit dem anderen Programm erreicht hatte. Zeit gespart? Ein Lacher!<\/p>\n<p>Man sieht, ich finde hier das Ende nicht, das Thema verdient wohl mal einen eigenen Artikel. Zum Schluss f\u00fcr jetzt noch ein Wort zu den &#8222;Spielereien&#8220;: Wer eine Homepage &#8222;nur&#8220; als Spielerei erstellen will, braucht sich daf\u00fcr keinesfalls rechtfertigen. Die Freiheit, zu spielen, ist eine der sch\u00f6nsten und wichtigsten Freiheiten. Das Netz bietet daf\u00fcr riesige Spielfelder und gute Werkzeuge, f\u00fcr die man noch nicht mal viel zahlen muss. So richtig Spass macht es aber erst, wenn man sie auch nutzen kann, ohne dabei besonders unbeholfen, inkompetent oder lieblos zu wirken und es wom\u00f6glich nicht mal zu merken. &#8211;<\/p>\n<p>Was die Spielereien auf Webseiten angeht, braucht es dazu eher fortgeschrittenere Kenntnisse in HTML und Javascript, nicht etwa weniger. Wer meint, gleich auf der ersten Webseite im Leben Worte aus allen Richtungen einfliegen zu m\u00fcssen, w\u00e4hrend zeitgleich dem Cursor nette kleine Buchstabengewitter hinterherfliegen und bei Ber\u00fchrung der Men\u00fcpunkte je drei Bilder ausgetauscht werden&#8230; &#8211; tja, der muss halt ein paar mehr Dinge wissen als einer, der nur seine Anliegen publizieren will. Da beisst die Maus kein Kabel ab.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hatte ich noch richtig Spa\u00df mit meinem allzu ernsten Diary-Eintrag! Hab&#8216; n\u00e4mlich mal ein Webspeech-Plugin geladen, das neuerdings im Forum &#8222;angeboten&#8220; wird: Hinter jedem Eintrag steht da auf einmal &#8222;Vorlesen?&#8220; &#8211; na, da war ich doch neugierig!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,7,414],"tags":[701,700,33],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3815"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3815"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3815\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3815"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3815"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3815"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}