{"id":3794,"date":"2000-11-20T13:55:07","date_gmt":"2000-11-20T12:55:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3794"},"modified":"2023-05-18T15:32:43","modified_gmt":"2023-05-18T13:32:43","slug":"nichtrauchen-heisst-umdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/20\/nichtrauchen-heisst-umdenken\/","title":{"rendered":"Nichtrauchen heisst umdenken"},"content":{"rendered":"<p>Der Mensch ist eine Ganzheit aus Geist, K\u00f6rper und Psyche. Ob man es als Konglomerat verschiedener Wesenheiten betrachtet oder als Aspekte derselben Sache, ist eine Diskussion, die im realen Leben kaum je Bedeutung gewinnt. Auch beim Rauchen, bzw. den Versuchen, davon loszukommen, ist es recht egal, ob ich Materialist oder Pneumatikerin bin: die Sucht macht keinen Unterschied.<\/p>\n<p>Das Loskommen vom Rauchen bietet jedenfalls ein weites und interessantes Versuchsfeld, um das Zusammenspiel der Aspekte Denken, F\u00fchlen und k\u00f6rperliches Empfinden an sich selbst zu beobachten; im Ernstfall, nicht in der Theorie. Ich glaube sogar, dass diejenigen wenig Chancen haben, von den Kippen frei zu werden, die so ein Hinsehen vermeiden wollen und glauben, Rauchen (oder Sucht ganz allgemein) sei eine Art Krankheit und mit Hilfe eines Medikaments oder anderen stofflichen Inputs wegzubekommen.<\/p>\n<p><strong>WER wird r\u00fcckf\u00e4llig?<\/strong> Aus einer beliebigen Gruppe ehemaliger Raucher w\u00fcrde ich diejenigen benennen, die von &#8222;den Sch\u00f6nheiten der EINEN Zigarette nach dem Essen&#8220; schw\u00e4rmen oder vom Genu\u00df, den es immerhin gelegentlich gebracht h\u00e4tte, von der Entspannung bei Nervosit\u00e4t, etc. &#8211; die ganze Arie vom Rauchen, die nur Raucher herunterbeten und wer so denkt, ist nun mal Raucher und kein Nichtraucher. Um Nichtraucher zu werden, muss man UMDENKEN. Ansonsten ist das &#8222;Umhandeln&#8220; einfach nicht von Dauer &#8211; eigentlich klar, oder?<\/p>\n<p>Immer wenn eine Zigarette meine Aufmerksamkeit gewinnt &#8211; als Anblick im Aussen oder als inneres Bild &#8211; dann m\u00fcssen die Gedanken an all die vollen Aschenbecher kommen, an die verstopften Bronchien, die beim Atmen h\u00f6rbar mitpfeifen, an die verqualmten Zimmer und den abgestandenen Rauch, der sich in alle Textilien setzt und einfach nur f\u00fcrchterlich stinkt. Auch die Gedanken an das elend viele Geld, an die Schlaffheit und Tr\u00e4gheit schaden nicht, genau wie die Erinnerungen an die Unfreiheit: Ohne Zigaretten kann man sich als Raucher NIRGENDS wohl und zufrieden f\u00fchlen. Vor allem aber muss im Bewusstsein stehen, dass es DIE EINE Zigarette nicht gibt (sie schmeckt einfach nicht), sondern dass man sich ja erst &#8222;einrauchen&#8220; muss, um an der jeweils n\u00e4chsten Zigarette &#8222;Freude&#8220; zu haben: Weil sie den Entzug lindert, der durch das schnell schwindende Nikotin ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>Ohne solches Umdenken bedarf es immer einer gewissen Anstrengung und Willenskraft, um w\u00e4hrend gelegentlicher Verlangensattacken das selbstverst\u00e4ndliche Zusammenspiel von F\u00fchlen (&#8222;ich will eine Zigarette&#8220;), Denken (&#8222;gelegentlich EINE bringt durchaus Genu\u00df&#8220;) und Handeln (eine rauchen) zu unterbinden. Selbst wenn diese Kraftanstrengung noch so gering ist, so wird sie doch keinesfalls dauerhaft aufrecht erhalten werden k\u00f6nnen: immer gibt es Tage oder Momente, die all unsere Kraft oder unsere Leidensf\u00e4higkeit f\u00fcr andere Dinge ben\u00f6tigen &#8211; und schon h\u00e4ngt man wieder an der Zigarette!<\/p>\n<p>Man mag \u00fcber Willenskraft und ihre M\u00f6glichkeiten eine hohe Meinung haben, eines ist gewiss: Aus dem Willen heraus kann mensch mal eben sehr hoch springen, aber der Wille ist ungeeignet, den &#8222;Normalzustand&#8220; zu ver\u00e4ndern, der sich ergibt, OHNE dass speziell Wille eingesetzt wird. Das ist nicht nur wahr, sondern sogar richtig logisch, nicht?<\/p>\n<p>Sobald also der Konsum eines sch\u00e4dlichen, letztlich t\u00f6dlichen Stoffs Teil unseres Normalzustands geworden ist, und das Wechselspiel zwischen dem Reiz der Droge und der zunehmenden Immunit\u00e4t des K\u00f6rpers langsam oder schnell zur Steigerung der Dosis f\u00fchrt, k\u00f6nnen wir nicht weiterhin im Halbschlaf mit dem &#8222;Autopiloten&#8220; durchs Leben fahren. Wenn ich diesen Dreck wieder loswerden will, weil das Leiden daran mittlerweile die &#8222;Freuden&#8220; \u00fcbersteigt, muss ich bereit sein, mich der Sache &#8211; bzw. MIR SELBST &#8211; zuzuwenden. Und erforschen, was funktioniert, wenn es der Wille nicht tut.<\/p>\n<p>Bei dieser Betrachtung bleibt wenig, vielleicht nichts von mir \u00fcbrig. Das zu sehen, ist nicht sehr angenehm. Immer wieder greift man lieber nach etwas, und sei es nach der Form der Darstellung, nach der Identitfikation, die aus dem Verfassen von Texten kommt, nach neuen &#8222;Besonderheiten&#8220;, die sich aus dem Erleben vielleicht doch noch generieren lassen &#8211; aber leider: dies alles ist nur Fassade und Verpackung. Das sp\u00fcrt man, so ganz ohne das &#8222;innere Ger\u00fcst&#8220;, das das Nikotin vorher auf den Innenseiten der Zellw\u00e4nde angelagert hatte, fast wie eine Schicht Hartplastik, hart genug, um dem Leben etwas ENTGEGEN zu setzen&#8230;<\/p>\n<p>Na, jetzt werde ich fast poetisch, das wollte ich nicht. Eigentlich hatte ich vor, vom Umdenken, vom Denken allgemein und von der &#8222;Wahrheit&#8220; zu schreiben &#8211; und von Allen Carr, dem Lehrer f\u00fcr&#8217;s Umdenken. Das mu\u00df ich jetzt allerdings vertagen, denn die Arbeit ruft. Das Thema ist zu gro\u00df f\u00fcr einen Eintrag, ich kratze gerade mal an der Oberfl\u00e4che. Wer sofort mehr will, kann mal <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/magazin\/nrtagebuch\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">den Eintrag vom 15.11.<\/a> in <b>Steinhoffs Nichtrauchertagebuch<\/b> lesen. Der bekannte STERN-Reporter hat mit seinem Diary die publizistisch erfolgreichste Nichtraucher-Aktion seit Jahren losgetreten &#8211; interessant, dass er mit Alan Carr Probleme hat (siehe u.a. sein Eintrag <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/magazin\/nrtagebuch\/2000\/03\/21\/di.html\" target=\"_top\" rel=\"noopener\">vom 5.Tag &#8222;ohne&#8220;<\/a>).<\/p>\n<p><i>&#8230;wird fortgesetzt!<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch ist eine Ganzheit aus Geist, K\u00f6rper und Psyche. Ob man es als Konglomerat verschiedener Wesenheiten betrachtet oder als Aspekte derselben Sache, ist eine Diskussion, die im realen Leben kaum je Bedeutung gewinnt. 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