{"id":3793,"date":"2000-11-21T13:50:25","date_gmt":"2000-11-21T12:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3793"},"modified":"2023-05-18T15:33:27","modified_gmt":"2023-05-18T13:33:27","slug":"nichtrauchen-wahrheit-oder-gehirnwaesche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/21\/nichtrauchen-wahrheit-oder-gehirnwaesche\/","title":{"rendered":"Nichtrauchen: Wahrheit oder Gehirnw\u00e4sche?"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/20\/nichtrauchen-heisst-umdenken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umdenken<\/a>, das daf\u00fcr n\u00f6tig ist, dauerhaft und ohne sp\u00fcrbare Entbehrungen von der Zigarette loszukommen, macht einigen Leuten ziemliche Probleme. Sie leiden lieber, als dass sie bereit w\u00e4ren, fremde Gedanken zu denken, Gedanken, die denen entgegenstehen, die sie &#8211; mehr oder weniger suchtbedingt &#8211; w\u00e4hrend der gesamten Raucherzeit gedacht haben und immer noch denken. Wo k\u00e4me man da hin, w\u00fcrde man so einfach ganze Gedankengeb\u00e4ude in die eigenen Denklandschaften pflanzen, daf\u00fcr wom\u00f6glich selbst gebautes, liebevoll gepflegtes und instand gehaltenes abreissen? Wo bliebe denn das wirklich EIGENE, das ORIGINALE?<\/p>\n<p>Wer auch noch sein Geld damit verdient, die Vorstellung von Eigenheit &amp; Originalit\u00e4t im Denken aufrecht zu erhalten und zu vermarkten, kann nicht einfach all das, was er oder sie \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr wahr gehalten hat, schlicht fallen lassen, bzw. zugeben, dass es falsch war, und das &#8222;nur&#8220;, um sich von einer Sucht wie dem Rauchen zu berfreien. Insbesondere Alan Carr, der schon vielen zum Aufh\u00f6ren verholfen hat, zieht von intellektueller Seite viel \u00c4rger auf sich, denn er verlangt das &#8222;Verstehen&#8220; einiger Punkte, die zumindest gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sind, zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Es ist leicht, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren<\/li>\n<li>Zigaretten bringen keinerlei Genu\u00df<\/li>\n<li>Zigaretten beruhigen nicht, sondern schaffen die Nervosit\u00e4t erst, die dann mittels der Kippen &#8222;bek\u00e4mpft&#8220; wird.<\/li>\n<li>Rauchen macht ganz schnell nikotins\u00fcchtig: bereits mit der zweiten Zigarette kann man drin sein, obwohl die Kippen noch l\u00e4nger nicht einmal schmecken<\/li>\n<li>Die Entzugserscheinungen beim Aufh\u00f6ren sind zum Gl\u00fcck gering, ja, kaum wahrnehmbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man kann nun diese Behauptungen &#8222;hinterfragen&#8220;, also daraufhin diskutieren, ob sie wahr oder falsch sind. Carr tut das in seinem B\u00fcchern auch bereitwillig. Er begr\u00fcndet jeden einzelnen Punkt ausf\u00fchrlich mit logischen Argumenten, mit eigenen Erfahrungen und mit den Erfahrungsberichten von Leuten aus seinen Kursen und seinem Bekanntenkreis. Punkt 1 und 5 wird zum Beispiel damit untermauert, dass die physisch sp\u00fcrbaren Folgen des Entzugs tats\u00e4chlich geringf\u00fcgig sind: oder wo w\u00e4ren denn die schlimmen Schwerzen? Hat die schon mal einer erlebt? Nein, vielmehr ist es nur ein Gef\u00fchl der Leere und Unruhe, ungef\u00e4hr so wie Hunger, mehr nicht. Der Rest ist Psycho und diesen Psycho, bestehend aus VORSTELLUNGEN \u00fcber das Rauchen, die &#8211; auch dank der Aktivit\u00e4ten der Zigarettenindustrie &#8211; im Umlauf sind, m\u00f6chte Carr zerst\u00f6ren, wirkungslos machen, auf dass es uns leicht f\u00e4llt, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><b>Geist und Schmerz<\/b><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte jetzt so fortfahren und Carr auch mittels Erkenntnissen aus ganz anderen Quellen &#8222;beweisen&#8220;: zum Beispiel hat die Schmerzforschung festgestellt, dass ein beliebiger Schmerz (oder auch ein L\u00e4rm) ganz unterschiedlich intensiv empfunden wird, je nach der subjektiven Einstellung des Betroffenen. Die &#8222;gef\u00fchlte Intensit\u00e4t&#8220; kann um bis zu 90% und mehr schwanken! Das erinnert mich an eine Online-Freundin, die mich vor einigen Monaten hier besucht hat. Aus ihren Texten und E-Mails hatte ich den Eindruck gewonnen, sie sei schwer krank, von vielfachen Leiden gezeichnet. Tats\u00e4chlich war es eine gepflegte, jugendlich wirkende, kerngesunde und meist gut gelaunte Person, die lediglich die unz\u00e4hligen kleinen Zipperlein, die mensch nun mal ab dem mittleren Alter hat, st\u00e4ndig thematisierte. Sie &#8222;litt&#8220; unter diesen Dingen, zumindest, wenn man ihrer Rede glaubte &#8211; aber ich sa\u00df ihr gegen\u00fcber und glaubte eher ihrer gesamten Ausstrahlung: gesunder Luxus-Typ&#8230;. :-)<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil eines Unwohlseins oder Schmerzes r\u00fchrt vom Widerstand her, den man ihm entgegen setzt: Wenn ich diese Pickel einfach nicht akzeptiere, regen sie mich von mal zu mal mehr auf, wenn ich sie sehe. Oder das Symptom links neben dem Brustbein: juckt wie eine alte Narbe, verdammt, es k\u00f6nnte wunder wer weiss was Schlimmes sein, ich will es nicht haben&#8230;. und alles verspannt sich rund um das, was ich nicht sp\u00fcren will, und macht auf diese Weise (ganz physisch REAL!) den Bereich immer gr\u00f6\u00dfer, der nicht flexibel und dynamisch mit den Gegebenheiten des Augenblicks mitschwingen kann, weil er ja seine Verteidigungs-Verspannung aufrecht erhalten muss. Und immer h\u00e4rter, verspannter, schmerzhafter wird &#8222;das Symptom&#8220;&#8230;.<\/p>\n<p>Ja, und so geht es auch mit dem Rauchen und dem Entzug. Wenn ich weiterhin Gedanken hege wie &#8222;EINE Zigarette gelegentlich bringt durchaus Genu\u00df&#8220;, dann richtet sich dieser Gedanke wie der Focus eines Brennglases auf das vorhandene physisch-reale Gef\u00fchl der Leere, gibt ihm Energie, Gestalt, Raum, und bl\u00e4ht es zu schier unendlich wachsender Gr\u00f6\u00dfe und St\u00e4rke auf. Gl\u00fcckwunsch! Jetzt ist es NICHT mehr leicht, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren&#8230;<\/p>\n<p><b>Und die Wahrheit?<\/b><\/p>\n<p>Ja, was ist mit ihr? Pers\u00f6nlich w\u00fcrde ich mir da keine weiteren tiefsch\u00fcrfenden Gedanken machen, solange es &#8222;nur&#8220; darum geht, mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren. Ich war schon immer bereit, umzudenken, wenn ich das, was ich dadurch gewinne, wirklich ben\u00f6tige und durch das Umdenken auch tats\u00e4chlich bekomme. Und ich weiss mittlerweile, dass ich es nur dann schaffe, von den Kippen dauerhaft loszukommen, wenn es LEICHT ist. Auf die schwere Weise hat es bisher nicht geklappt.<\/p>\n<p>Und die wirkliche Wahrheit? Die geht so:<\/p>\n<blockquote><p>Indem ich auf eine bestimmte Weise denke, schaffe ich eine Realit\u00e4t, die sich vollst\u00e4ndig anders anf\u00fchlt als diejenige, die ich erleben w\u00fcrde, wenn ich anders denken w\u00fcrde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist unabweisbar wahr. Ich erlebe es nicht zum ersten Mal, sondern kann es t\u00e4glich auch in Kleinigkeiten beobachten. Wichtig dabei ist, nicht zu vergessen, dass man nicht bei Null beginnt: Die &#8222;Start-Realit\u00e4t&#8220; ist auch schon zustande gekommen, durch Gedanken, die t\u00e4glich, ja sek\u00fcndlich, von &#8222;aussen&#8220; und &#8222;innen&#8220; kommend, in einem imagin\u00e4ren Punkt zusammenknallen, den wir gewohnt sind, ICH zu nennen.<\/p>\n<p>Dieses wissend, ist es kein Problem, mit Gedankengeb\u00e4uden wie das von Alan Carr umzugehen. Ob eine Zigarette ein Genu\u00df sein kann oder nicht, ist keine Frage der Wahrheit, sondern eine der Bewertung, der Definition. Und es erscheint f\u00fcrs Nichrauchen dienlicher, den sogenannten &#8222;Genu\u00df&#8220; als Illusion zu verstehen, als Falle, als hinterh\u00e4ltige Verlackmeierung. Schlie\u00dflich ist es nicht zu leugnen, dass die Zigarette das Bed\u00fcrfnis, das sie dann mit vermeintlichem &#8222;Genu\u00df&#8220; deckt, dauernd selber erst schafft &#8211; zu Lasten unserer Gesundheit, unseres Geldbeutels und unserer inneren Ruhe.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Umdenken, das daf\u00fcr n\u00f6tig ist, dauerhaft und ohne sp\u00fcrbare Entbehrungen von der Zigarette loszukommen, macht einigen Leuten ziemliche Probleme. Sie leiden lieber, als dass sie bereit w\u00e4ren, fremde Gedanken zu denken, Gedanken, die denen entgegenstehen, die sie &#8211; mehr oder weniger suchtbedingt &#8211; w\u00e4hrend der gesamten Raucherzeit gedacht haben und immer noch denken. 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