{"id":3792,"date":"2000-11-23T13:45:16","date_gmt":"2000-11-23T12:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3792"},"modified":"2023-05-18T13:54:57","modified_gmt":"2023-05-18T11:54:57","slug":"nachlese-zur-gehirnwaesche-mehltau-ueber-dem-web","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/23\/nachlese-zur-gehirnwaesche-mehltau-ueber-dem-web\/","title":{"rendered":"Nachlese zur Gehirnw\u00e4sche, Mehltau \u00fcber dem Web"},"content":{"rendered":"<p>Den gestrigen Beitrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/21\/nichtrauchen-wahrheit-oder-gehirnwaesche\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wahrheit oder Gehirnw\u00e4sche?<\/a> hatte ich auch im STERN-Raucherforum gepostet und damit heftigen Wiederspruch geerntet. Dazu muss man wissen, dass dieses Forum ungemein \u00fcberlaufen ist und extrem schnell durchscrollt &#8211; ein Grund, dort allenfalls mal eine URL zu hinterlassen, zum richtigen Gedanken-Austausch ist es viel zu ungem\u00fctlich. Umso mehr wundert es mich, wenn dann doch lange &#8222;Widerlegungen&#8220; kommen: Warum, um Himmels Willen macht sich da jemand die M\u00fche, in einem anonymen Rahmen &#8222;an Unbekannt&#8220; so ausf\u00fchrlich und voll agressiver Energie zu antworten? Naja, der Schreiber nennt sich immerhin Fumo, das heisst &#8222;Rauch&#8220;, und das ganze Forum ist ein Raucher- und kein Nichtraucherforum. :-)<\/p>\n<p>Genug davon &#8211; f\u00fcr jetzt. Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr dieses Thema manchen langweilt, der damit nun mal nichts am Hut hat. Sorry, aber haupts\u00e4chlich schreib&#8216; ich dieses Diary f\u00fcr mich: als Selbstverst\u00e4ndigung, zur Ordnung der Gedanken und Gef\u00fchle, und als ein Experiment in der Frage &#8222;Wer bin ich?&#8220;. Wenn ein Text n\u00e4mlich mal &#8222;draussen&#8220; ist, dann ver\u00e4ndert er sich auf geheimnisvolle Weise in einen Beitrag zum Thema &#8222;Wer will ich sein?&#8220;, auch wenn ich darauf wert lege, halbwegs authentisch zu schreiben und nichts definitiv Falsches einfliessen zu lassen. Diese Tatsache immer wieder zu beobachten, ist schon an und f\u00fcr sich lehrreich. Man kann dabei feststellen, wie Texte es doch niemals verm\u00f6gen, ein Ganzes abzubilden, bzw. wie dieses Ganze sich eiligst \u00e4ndert und seinem Begr\u00e4bnis in den Festschreibungen immer wieder davonl\u00e4uft. (Gl\u00fccklicherweise behindert mich keinerlei VERPFLICHTUNG gegen\u00fcber unbekannten Lesern, explizit &#8222;ehrlich&#8220; zu sein. Ihm oder ihr k\u00f6nnte ich ohne den Schimmer eines Schuldgef\u00fchls das Blaue vom Himmel herunterschreiben, schliesslich werde ich hier mehr oder weniger in der Sparte &#8222;Unterhaltung&#8220; konsumiert. Andrerseits ist das absichtsvoll Simulierte f\u00fcr mich sehr viel langweiliger und anstrengender als das, was &#8222;von selber&#8220; kommt &#8211; das mach&#8216; ich also verst\u00e4ndlicherweise nur noch gegen Bezahlung.)<\/p>\n<h2 id=\"mehltau\">Werkstattbericht: Mehltau \u00fcber dem Web<\/h2>\n<p>Tja, so langsam gerate ich doch wieder ins arbeiten, ein Gl\u00fcck! Zwar ist es nicht der gro\u00dfe Motivationsschub, die durchgreifende Ver\u00e4nderung, der ganz neue Elan, &#8211; sowas kann man wohl nur im Fr\u00fchling und nicht im November sp\u00fcren &#8211; doch das Gef\u00fchl der L\u00e4hmung, der absoluten Ablehnung aller Aktivit\u00e4ten ist vorbei. Und so langsam beginne ich mich wieder f\u00fcr das zu interessieren, was ich vorhabe. Da ist zuvorderst das Webwriting-Magazin, f\u00fcr das jetzt die ersten Artikel in Arbeit sind. Sowohl die Inhalte als auch das Design des Cyberzines entstehen ganz neu, alles, was vor Monaten schon einmal vorlag, wird links liegen gelassen, allerh\u00f6chstens ausgeschlachtet. Anders als bei fast allen vorherigen Projekten steht im Moment auch DESIGNERISCH der Inhalt im Vordergrund, der Text, der Sinn. Der erste Artikel wird \u00fcber den Webguru Nielsen (&#8222;Designing Web Usability&#8220;) gehen und befindet sich damit inmitten der Kontroverse und der Entwicklungen, die auch zu meiner monatelangen Depression bez\u00fcglich der Web-Arbeit beigetragen haben.<\/p>\n<p>Es ist mir aus guten Gr\u00fcnden in der letzten Zeit nicht mehr gelungen, ein neues Magazin-Design zu entwickeln, das meinen eigenen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt. Wie ich jetzt bei der Arbeit am Artikel bemerke, lag das daran, dass es grundfalsch war, wieder eine neue SCHUBLADE, bzw. ein REGAL f\u00fcr beliebige Texte schaffen zu wollen. Dieses eigentlich \u00f6de Bem\u00fchen hat bei mir eingesetzt, als ich 1996 mein erstes Frameset f\u00fcr Missing Link baute (weil es soviel Arbeit spart&#8230;) und stellt sich heute webweit so dar, dass Programme beliebige Inhalte aus verschiedensten Datenbanken auf Designvorlagen zusammensetzen, die von den Inhalten v\u00f6llig unabh\u00e4ngig sind. Genau dieses Herangehen zerschl\u00e4gt die Einheit von Form und Inhalt, die nun einmal das Ideal ist, das im Herzen eines jeden Autors liegt; noch dazu ein Ideal, das sich &#8211; wie gute Webdesigner wissen &#8211; im Web sogar verwirklichen l\u00e4sst, wenn man sich die Arbeit macht.<\/p>\n<p>Die &#8222;Magazinform&#8220; als Container hat heute eine Standardisierung erfahren, die jeder kennt, weil sie bei jedem zweiten Mausklick erschient: Dreispalter, links und rechts allerlei Navigation und Werbung, in der Mitte kurz angerissen diverse Artikel, dr\u00fcber Bannerplatz und Erscheinungsdatum, drunter Impressum, Zusatzangebote&#8230;. g\u00e4hn. Ich verspreche nicht, dass das Webwriting-Magazin letztlich ganz anders sein wird, vielleicht ist das ja die &#8222;optimale Form&#8220;. Doch erlebe ich jetzt immerhin, dass ich auf jeden Fall ganz anders herangehen muss: n\u00e4mlich beim LayOut des zentralen Contents beginnend, bei der bestm\u00f6glichen Pr\u00e4sentation eines einzelnen Artikels, die Erfordernisse des k\u00fcnftigen Magazins nach und nach darum herum wachsen lassend &#8211; und immer erst dann, wenn man sie braucht, nicht von vorne herein ein f\u00fcr alle mal.<\/p>\n<p>Denn, das hab&#8216; ich schmerzhaft gemerkt: man kann sich monatelang damit befassen, einen Magazin-Mantel mit allem SchnickSchnack zu entwickeln, der heute \u00fcblich ist, und sich dabei immer weiter vom urspr\u00fcnglichen Impuls entfernen, warum man dieses Magazin eigentlich wollte: Um bestimmte Inhalte zu kommunizieren, um Angelegenheiten zu verhandeln und Einflu\u00df auszu\u00fcben in einem Sinne, den man f\u00fcr richtig und n\u00fctzlich, f\u00fcr gut und sch\u00f6n h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ich bin praktisch der Hynose erlegen, die der kommerzielle Sektor \u00fcber das Web gelegt hat wie Mehltau. Es geht da ja nicht mehr um Kommunikation, nicht einmal um die viel beschworenen N\u00dcTZLICHEN Anwendungen &#8211; nein, in aller breit angelegten \u00d6dheit geht es nur noch darum, wie man im Web Geld verdienen kann, und zwar so viel, dass es den Kapitalmarkt dauerhaft interessiert. Ein Bekannter mailte mir gestern:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;&#8230;Die ganze momentane Stimmung im Web gef\u00e4llt mir nicht mehr. Zu viel Cash, zu viel Geballer, zu viel Status Quo, zu viel Phrasendrescherei. Das ist nicht mehr das inspirierende Umfeld, in dem ich mal angefangen habe, sondern kommt mir manchmal eher vor wie die Plastikbank an der Bushaltestelle im Gewerbegebiet &#8230;&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Richtig, so ist es. Und ich sage trotzdem: Der kommerzielle Sektor irrt! Der Kaufklick mag alles sein, was ihn bewegt, dies gilt aber bei weitem nicht f\u00fcr den Menschen schlechthin. Ich brauch&#8216; gar nicht die Pose der Cybervision\u00e4rin einnehmen, um vorauszusagen, dass auch in zehn Jahren von hundert Mausklicks (bzw. entsprechenden Akten), noch immer 99 KEINE Kaufakte sein werden! Dem Nemax 50 w\u00e4re von daher zu w\u00fcnschen, dass er demn\u00e4chst die 2000 Punkte wieder sieht. Vielleicht w\u00fcrde dann allgemein soviel Ern\u00fcchterung einsetzen, dass im Web wieder Inhalte erscheinen, die auch von jemandem GEMEINT sind &#8211; und nicht nur als Pausenf\u00fcller da stehen, weil ja nicht jeder Klick ein Kaufklick sein kann&#8230;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den gestrigen Beitrag Wahrheit oder Gehirnw\u00e4sche? hatte ich auch im STERN-Raucherforum gepostet und damit heftigen Wiederspruch geerntet. Dazu muss man wissen, dass dieses Forum ungemein \u00fcberlaufen ist und extrem schnell durchscrollt &#8211; ein Grund, dort allenfalls mal eine URL zu hinterlassen, zum richtigen Gedanken-Austausch ist es viel zu ungem\u00fctlich. 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