{"id":3783,"date":"2023-05-09T10:58:41","date_gmt":"2023-05-09T08:58:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3783"},"modified":"2023-12-29T12:20:56","modified_gmt":"2023-12-29T11:20:56","slug":"klimawandel-und-wir-optimismus-ist-keine-option-was-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/05\/09\/klimawandel-und-wir-optimismus-ist-keine-option-was-dann\/","title":{"rendered":"Klimawandel und wir: Optimismus ist keine Option &#8211; was dann?"},"content":{"rendered":"<p>Erst Corona, dann Ukraine-Krieg und jetzt der zunehmende Druck der Klimakatastrophe: Viele Menschen sind aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden krisenm\u00fcde und sehnen sich nach &#8222;Normalit\u00e4t&#8220;. Eine Normalit\u00e4t, die es nie wieder geben wird, denn der Klimawandel mit all seinen destruktiven Folgen schreitet voran und ist nicht mehr zu leugnen. Dass wir das 1,5 Grad-Ziel noch schaffen, glaubt kaum noch jemand, denn die CO\u00b2-Emissionen steigen weltweit und sinken nicht etwa, trotz aller Absichtserkl\u00e4rungen und Vereinbarungen.<!--more--><\/p>\n<h2>Lasst mich doch damit in Ruhe&#8230;<\/h2>\n<p>Immerhin scheint es noch m\u00f6glich, &#8222;das alles&#8220; aus dem eigenen Leben heraus zu halten und so zu tun, als k\u00f6nne alles so weiter gehen. Wer bei dieser Verdr\u00e4ngung der Tatsachen st\u00f6rt, bekommt \u00c4rger! Aktuell richtet sich der Unmut gegen jene, die wirklich handeln und Anpassungsleistungen auf den Weg bringen wollen. Das trifft derzeit Habeck mit dem Heizungsgesetz, das den Einbau neuer (!) \u00d6l- und Gasheizungen verbieten will, aber auch die GR\u00dcNEN allgemein und nat\u00fcrlich Aktivisten wie #LetzteGeneration. Jede m\u00f6gliche Anpassungsleistung wie &#8222;weniger Fleisch&#8220;, &#8222;mehr Windr\u00e4der&#8220;, &#8222;Fahrrad statt Auto, wo machbar&#8220;, &#8222;E-Mobilit\u00e4t statt Verbrenner&#8220; und &#8222;W\u00e4rmepumpe statt Gas\/\u00d6lheizung&#8220; trifft auf eine breite Front der Ablehnung, gesch\u00fcrt von Populisten und vielen Medien, die \u00c4ngste und Zumutungen mit Freude aufnehmen und verst\u00e4rken.<\/p>\n<h2 id=\"metzinger\">Sch\u00f6ner scheitern: Eine neue Bewusstseinskultur?<\/h2>\n<p>Der Philosoph <span class=\"section-article-head-area-subtitle\">Thomas Metzinger hat ein bemerkenswertes Buch zur Lage geschrieben: &#8222;<span class=\"book-image-title\"><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/thomas-metzinger-bewusstseinskultur-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bewusstseinskultur<\/a> &#8211; Spiritualit\u00e4t, intellektuelle Redlichkeit und die planetare Krise&#8220;. Er geht davon aus, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht zum Erfolg f\u00fchren werde, weil die Evolution das \u201eMehr\u201c (mehr Nachkommen, mehr Ressourcenverbrauch&#8230;) belohne. Zudem sei die &#8222;Klimakrise&#8220; keine klassische Krise, denn Krisen h\u00e4tten einen Anfang und ein Ende. Der elend lange Bremsweg des Klimawandels lasse jedoch auf absehbare Zeit keine Verbesserungen erhoffen, selbst wenn es gel\u00e4nge, jetzt die Emissionen drastisch zu vermindern. <\/span><\/span><\/p>\n<p>Optimismus ist f\u00fcr Metzinger also keine Option. Seine Frage: \u201e<strong>Wie kann es gelingen, angesichts der planetaren Krise in Bewusstheit und Anmut zu scheitern?<\/strong>\u201c bezieht sich nicht auf politische Ver\u00e4nderungen, sondern auf das Innenleben des Individuums. Er fordert eine &#8222;neue Bewusstseinskultur&#8220;, die es uns erm\u00f6glichen soll, bei sich verd\u00fcsternden Aussichten und zunehmenden Problemen das Richtige zu tun, auch ohne Hoffnung auf schnelle Besserung. Voraussetzung sei, sich nicht mehr in die Tasche zu l\u00fcgen (=&#8220;intellektuelle Redlichkeit&#8220;): Fakten ernst nehmen und entsprechend handeln. Damit wir das schaffen, brauche es &#8222;eine neue Kombination von Herzensgegenwart und Geistesgegenwart&#8220;, sowie eine Bewusstseinskultur, die auch in anhaltenden Krisen &#8222;den Geist bereit mache f\u00fcr Mitgef\u00fchl und neue Perspektiven&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr sich selbst hat Metzinger einen Weg gefunden. Er meditiert schon lange und empfiehlt \u00f6stliche Meditationstechniken als Methode, den eigenen Geist in der gew\u00fcnschten Richtung zu ver\u00e4ndern. <strong>Die Gesellschaft m\u00fcsse \u201egute\u201c Bewusstseinszust\u00e4nde f\u00f6rdern<\/strong>, die Meditation ist also nur als Beispiel zu verstehen. Konkretes findet man bei ihm allerdings kaum, jedoch ist die Idee durchaus \u00fcberlegenswert. Im Bildungssystem von der Kita bis zum Abi w\u00fcrde das allerdings erfordern, nicht mehr das Funktionieren im Arbeitsleben als obersten Wert zu setzen, sondern die Entwicklung zur <a href=\"https:\/\/clevermemo.com\/blog\/7-saeulen-der-resilienz-resilienzmodell\/\">Resilienz<\/a>: Zur F\u00e4higkeit, auch in schlechten Zeiten nicht zu verzweifeln, nicht in Wut, Hass oder Depression abzudriften, sondern konstruktiv zu bleiben und gelassen das Richtige zu tun.<\/p>\n<h2>Bewusstseinszust\u00e4nde bewerten<\/h2>\n<p>Wo Metzinger schwammig bleibt, ist es an uns, \u00fcber m\u00f6gliche &#8222;positive Bewusstseinszust\u00e4nde&#8220; nachzudenken. Explizite Sitzmeditation wird nur f\u00fcr wenige eine machbare M\u00f6glichkeit sein, aber gibt es nicht viele andere gute Bewusstseitszust\u00e4nde? Die geforderte Bewusstseinskultur m\u00fcsste diese sichten, vergleichen und bewerten, sowie Wege aufzeigen, in sie hinein bzw. aus ihnen heraus zu finden.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Waldspaziergang ergibt zum Beispiel einen &#8222;guten Bewusstseinszustand&#8220;, allerdings nur, wenn man dabei nicht die ganze Zeit an irgend etwas Nerviges denkt, sondern sich auf die Wahrnehmung konzentriert. Regelm\u00e4\u00dfige Praxis verbessert Laune und Gesundheit, man entwickelt auch Mitgef\u00fchl f\u00fcr die hier und da recht geschundene Natur. Ohne Frage ein &#8222;guter&#8220; Bewusstseinszustand!<\/li>\n<li>Weniger positiv zu bewerten, aber ebenfalls &#8222;positiv empfunden&#8220; ist der Bewusstseinszustand, der bei der Suche nach einem neuen Konsumgegenstand auftritt: Jagen und Sammeln, das m\u00f6gen wir! Eigenschaften vergleichen, Bewertungen lesen, wom\u00f6glich ein Schn\u00e4ppchen machen &#8211; das ergibt ein gewisses Hochgef\u00fchl, solange es andauert. Was k\u00f6nnte man dagegen setzen, um das Konsumieren um des Konsumierens willen zu vermindern? Mir f\u00e4llt da schon einiges ein, aber hier soll es ja nur um Beispiele gehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Mein pers\u00f6nliches Fazit<\/strong> aus diesen \u00dcberlegungen ist durchaus gemischt. Was Metziger verlangt, ist die \u00dcbernahme der Verantwortung f\u00fcr den eigenen Geisteszustand. Dass das m\u00f6glich ist, ist f\u00fcr mich <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/entspann.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Tatsache<\/a>, ob es aber &#8222;skalierbar&#8220;, also f\u00fcr viele machbar ist, wei\u00df ich nicht. Es ist ja so viel einfacher, in der Opferrolle zu verharren und die &#8222;b\u00f6se Welt&#8220; bzw. die &#8222;b\u00f6sen Anderen&#8220; anzuklagen, die an allem schuld sind. Dennoch ist Metzingers Denkansto\u00df inspirierend, denn er unterscheidet sich vom Zweckoptimismus, der von den meisten Klima-Aktivisten aus guten Gr\u00fcnden verbreitet wird. Dem aber immer weniger geglaubt werden kann angesichts dessen, was tats\u00e4chlich geschieht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst Corona, dann Ukraine-Krieg und jetzt der zunehmende Druck der Klimakatastrophe: Viele Menschen sind aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden krisenm\u00fcde und sehnen sich nach &#8222;Normalit\u00e4t&#8220;. Eine Normalit\u00e4t, die es nie wieder geben wird, denn der Klimawandel mit all seinen destruktiven Folgen schreitet voran und ist nicht mehr zu leugnen. 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