{"id":3776,"date":"2000-11-28T13:35:04","date_gmt":"2000-11-28T12:35:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3776"},"modified":"2023-05-07T13:43:46","modified_gmt":"2023-05-07T11:43:46","slug":"yoga-meine-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/28\/yoga-meine-geschichte\/","title":{"rendered":"Yoga &#8211; meine Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder deutlich fr\u00fcher aufgestanden: um sieben anstatt erst um halb acht. In der dunklen Jahreszeit besteht eine Neigung, l\u00e4nger im Bett zu bleiben, doch genau das tr\u00e4gt zum Winterblues bei. Je sp\u00e4ter man aufsteht, desto k\u00fcrzer wirkt der Tag, umso l\u00e4nger die Nacht, die jetzt schon kurz nach vier beginnt: Was um Himmels willen soll ich diese ganze lange Zeit tun? Manchmal beneide ich die B\u00e4ren um ihren Winterschlaf! Die morgendliche Nacht wirkt dagegen inspirierend, die Stille ist voller Versprechen, langsam verdichtet sich die Energie in Richtung Tag, die Morgend\u00e4mmerung setzt ein, hier draussen noch immer in Stille. Wundersch\u00f6n.<\/p>\n<p>So ungef\u00e4hr an zwei Dritteln aller Tage \u00fcbe ich morgens von 8 bis 9 mit meinem Lebensgef\u00e4hrten Yoga. Eigentlich hatte ich nie vor, das morgens zu machen, doch letztlich hat es sich so ergeben: es ist sehr viel schwerer, einen Tag &#8211; und sei er noch so eint\u00f6nig und ereignislos &#8211; zu unterbrechen, um eine Stunde \u00dcbungen zu machen, als gleich morgens damit zu beginnen. Das gilt erst recht, wenn es \u00dcbungsformen sind, die sowieso einen leeren Geist ben\u00f6tigen, bzw. erst richtig erfahren werden k\u00f6nnen, wenn das Gedanken-Wandern im Kopf zum Erliegen kommt oder zumindest von der Konzentration auf den Atem dominiert, wenn schon nicht ganz abgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>1991 hab&#8216; ich mit Yoga angefangen, eine wirklich lange Zeit. Ich m\u00f6chte gar nicht wissen, was aus mir geworden w\u00e4re, wie ich heute das Leben sp\u00fcren bzw. nicht sp\u00fcren w\u00fcrde und was ich dar\u00fcber d\u00e4chte, wenn ich NICHT mit Yoga angefangen und es stets und st\u00e4ndig fortgef\u00fchrt h\u00e4tte. Acht Jahre mit Unterst\u00fctzung meines ZEN-inspirierten Lehrers in seinen wunderbar kleinen Gruppen von jeweils nur vier Sch\u00fclern! Der einmal-die-Woche-Termin hat sich dadurch als Minimum eingespielt, das ich mit wenigen Ausnahmen all die Jahre durchgezogen habe, auch in lustlosen Zeiten. Doch per &#8222;einmal die Woche&#8220; geschieht im Yoga nicht viel. Ich kann von Gl\u00fcck sagen, dass Hans-Peter es fertig brachte, meine Motivation zu Beginn derart zu steigern und regelm\u00e4\u00dfig neu zu entfachen, dass ich die ersten Jahre fast t\u00e4glich \u00fcbte. Allein die Ver\u00e4nderungen der Befindlichkeit, die sich im ersten halben Jahr ergaben, gerieten deshalb spektakul\u00e4r und taten das ihre, mich weiterhin bei der Stange zu halten. Auch sp\u00e4ter gab es viele lange Phasen, wo das \u00dcben zumindest in Richtung t\u00e4glich tendierte oder sich bei zwei bis dreimal pro Woche einpendelte.<\/p>\n<p>Wenn eine \u00dcbungsweise mal so weit in einem Leben etabliert ist, gewinnt sie einen ganz anderen Charakter und v\u00f6llig andere Bedeutungen, als zu Beginn des Engagements. (Da liegt auch der Grund meiner tiefen Dankbarkeit f\u00fcr Hans-Peter-Hempel, denn ohne ihn h\u00e4tte ich diese Kontinuit\u00e4t niemals aufbringen k\u00f6nnen). In der R\u00fcckschau wirkt manches geradezu komisch, was ich \u00fcber Yoga zu wissen meinte, bzw. davon erwartet habe, als ich damit anfing. Und es ist ein unverdientes Wunder, ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, dass ich dabei geblieben bin, wenn auch mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schwankungen in der inneren und \u00e4u\u00dferen Beteiligung.<\/p>\n<p>Vermutlich ist es ganz egal, was man macht: ob Yoga, Tai Chi, Feldenkrais, QiGong, Bogenschiesen, Karate, KungFu, Sitzmeditation oder Marathon, man muss es nur machen, \u00f6fter als einmal die Woche, l\u00e4nger als ein paar Monate. Und nicht mechanisch wie ein sogenanntes &#8222;Working Out&#8220;, sondern mit aller Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Hingabe. Es braucht nun einmal diese Zeit, damit sich die eigentlichen, weniger oberfl\u00e4chlichen Wirkungen dieser \u00dcbungen entfalten &#8211; auf Ebenen, auf denen man sie gar nicht erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nun zwar m\u00f6glich, Konkreteres aus meiner Yoga-Geschichte zu erz\u00e4hlen, doch damit w\u00e4re der Abgrund nicht \u00fcberbr\u00fcckt zu denjenigen, die noch nie eine Geist-UND-K\u00f6rper-einbeziehende \u00dcbungsweise L\u00c4NGER praktiziert haben: Die vielleicht nach drei Monaten Yoga zu TaiChi geweschselt sind, danach Kailash-Besteigung oder Trecking in Nepal, im Winter dann Sitzmeditation, im Fr\u00fchling das Sportstudio und zur Sonnwende die Schwitzh\u00fctten-Zeremonie, als Vorbereitung und Reinigung vor dem Tantra in der Toskana. Oder die, die vom K\u00f6rper allenfalls Leistung verlangen, aber keinerlei Erkenntnisse &#8211; schlie\u00dflich findet denken im Kopf statt und den beh\u00e4lt man am sichersten oben, wenn man sein Leben im Sitzen verbringt.<\/p>\n<p>Das schreibt sich lustig dahin, doch war ich auch nicht viel besser. Mit Yoga h\u00e4tte ich ganz gewiss nicht angefangen, h\u00e4tte ich nicht <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/hempel.htm\" target=\"unten\" rel=\"noopener\">Hans-Peter<\/a> getroffen, ihn einfach um einen Termin gebeten nach seinem Vortrag \u00fcber &#8222;Buddhismus und Abendland&#8220; an der Berliner Urania.<\/p>\n<blockquote><p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-3777\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/hempel.jpg\" alt=\"Hans-Peter Hempel\" width=\"90\" height=\"121\" \/><\/p>\n<p><b>Hans Peter Hempel,<\/b><br \/>\nYogalehrer, Professor f\u00fcr Politik &amp; Philosophie an der TU Berlin<br \/>\nlehrt einen buddhistisch inspirierten Yoga (ZEN-Yoga), der darauf verzichtet, neue Systeme absoluter Wahrheiten zu errichten.<span style=\"font-family: Verdana; font-size: xx-small;\"><span style=\"color: white;\"><b>Offene Weite &#8211; nichts von heilig<\/b><\/span><\/span><br \/>\nB\u00fccher z.B.<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Alle Menschen sind Buddha. Der Weg des Zen&#8220;<\/li>\n<li>&#8222;Im Hier und Jetzt &#8211; Unterweisungen im ZEN-Yoga&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Dass er Yoga lehrte, wusste ich gar nicht, sondern hatte aufgrund des Vortrags angenommen, dass er eine Meditationsgruppe leite. Yoga war bei mir &#8222;schon durch&#8220; wie vieles andere: Mal ein tolles Buch gelesen, selber mit den \u00dcbungen angefangen, nach dem dritten Mal wieder aufgeh\u00f6rt, weil ich mir ein bi\u00dfchen bl\u00f6d vorkam auf der Matte am Boden meines Zimmers. Das n\u00e4chste Buch, bitte. Es kann auch gut sein, dass ich das &#8222;heiligm\u00e4\u00dfige Leben&#8220; nicht l\u00e4nger als eine Woche ausgehalten habe, das f\u00fcr meine Begriffe zwingend dazugeh\u00f6rte. Jedenfalls war Yoga f\u00fcr mich kein Thema, als Hans Peter davon anfing: Der K\u00f6rper sei so unruhig, nerv\u00f6s und verspannt bei uns Westlern, dass es ganz unm\u00f6glich sei, aus einem solchen Zustand in Meditation zu kommen. Deshalb lehre er Hatha-Yoga, schlichte \u00dcbungen, die jeder machen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ich hatte meine Zweifel, denn mein Leben lang hatte ich Sport vermieden und erst k\u00fcrzlich wieder bemerkt, dass ich mich kaum noch ohne Schmerzen bewegen konnte. Ein paar Wochen Krankengymnastik hatten mir gezeigt, wie eingerostet ich mit 36 schon war und das schlimmste wieder hingeb\u00fcgelt. Aber auch sonst war ich weit vom REINEN LEBEN entfernt, das ich als Voraussetzung meinte erstmal leben zu m\u00fcssen: Der Alkohol war immerhin schon &#8222;von mir abgefallen&#8220;, nicht aber rauchen, kiffen, zuviel essen, der Kaffee und vieles mehr. Ich &#8211; eine Yogini? Unm\u00f6glich!<\/p>\n<p>Nicht mehr rauchen? Das k\u00f6nne man nicht verordnen, sagte Hans-Peter. Das m\u00fcsse alles von selber verschwinden. Und in seiner unendlichen Geduld kreidete er es mir niemals an, dass ich \u00fcber viele Jahre Raucherin blieb, bzw. es immer wieder wurde. Nur merkte er gelegentlich in der Yogastunde an, dass man es wieder mal sehr stark rieche&#8230;<br \/>\nDass er mich trotzdem angenommen hat, obwohl ich seine Nase beleidigte, daf\u00fcr bin ich ganz besonders dankbar. Neun Jahre sp\u00e4ter scheint das Rauchen sich zu verabschieden &#8211; eine lange Zeit.<\/p>\n<p><i>Genug spontane Autobio &#8211; die Arbeit lockt&#8230;<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder deutlich fr\u00fcher aufgestanden: um sieben anstatt erst um halb acht. In der dunklen Jahreszeit besteht eine Neigung, l\u00e4nger im Bett zu bleiben, doch genau das tr\u00e4gt zum Winterblues bei. 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