{"id":3775,"date":"2000-11-30T13:23:45","date_gmt":"2000-11-30T12:23:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3775"},"modified":"2023-05-07T13:41:59","modified_gmt":"2023-05-07T11:41:59","slug":"yoga-die-fortsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/30\/yoga-die-fortsetzung\/","title":{"rendered":"Yoga &#8211; die Fortsetzung"},"content":{"rendered":"<p>Der Eintrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/11\/28\/yoga-meine-geschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gestern<\/a> scheint gefallen zu haben: ein paar Mails mehr als sonst, einige Info-Mail-Bestellungen. Vielleicht sollte ich da weiter schreiben, was spricht schon dagegen, auch meine Yoga-Geschichte zu erz\u00e4hlen? Das l\u00e4\u00dft sich sowieso nicht mehr trennen vom &#8222;Rest&#8220;: alles, was ich erlebe und schreibe, ist davon gepr\u00e4gt, wenn ich auch immer darauf verzichtet habe, explizit &#8222;\u00fcber Yoga&#8220; zu schreiben. Mit einer Ausnahme: der Artikel <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/entspann.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Entspannung&#8220;<\/a> ist zum Jahreswechsel 1996\/97 entstanden und bringt meine erste und wichtigste Erfahrung mit Yoga auf den Punkt: dass der K\u00f6rper, das Denken und F\u00fchlen nicht drei unterschiedliche &#8222;Dinge&#8220; oder Welten sind, sondern Aspekte ein- und desselben Ganzen. Wie viele Yoga-Erkenntnisse h\u00f6rt sich das verdammt banal an, man kann damit kaum im Gespr\u00e4ch gl\u00e4nzen. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich glaube, ich sei ein unabh\u00e4ngiges Wesen (genannt &#8222;ich&#8220;), das eine ebenso unabh\u00e4ngige Welt wahrnimmt, und dann diesen Wahrnehmungen entprechende Gedanken, Gef\u00fchle und K\u00f6rperempfindungen HAT &#8211; oder ob ich weiss, dass das nicht der Fall ist.<!--more--><\/p>\n<h2>Feststellen, was ist<\/h2>\n<p>Ja, was denn statt dessen? Dies abstrakt und allgemein zu formulieren, will ich lieber auch weiterhin nicht versuchen. F\u00fcr diejenigen, die das nicht selbst erleben, w\u00e4ren solche Zusammenfassungen nur weitere Gedankengeb\u00e4ude neben ganzen Metropolen aus \u00e4hnlichen mentalen Bauwerken, die im Grunde nur ablenken von dem, was ansteht, wenn man etwas wissen will: Hinsehen, beobachten, ganz neutral feststellen, was ist.<\/p>\n<p>Das allein ist schon schwer, wenn man es die ersten Male versucht. Denn wir sind es nicht gewohnt, uns in Stille m\u00fchelos auf einen Punkt zu sammeln. Allenfalls schafft man es, sich angestrengt auf ein Ziel zu konzentrieren, die Aufmerksamkeit liegt dann immer knapp VOR dem, was ist, n\u00e4mlich bei dem, was man erreichen will &#8211; und nat\u00fcrlich auf der Anstrengung selbst, sei sie nun schwerpunktm\u00e4\u00dfig k\u00f6rperlich oder eher mental.<\/p>\n<p>Hatha-Yoga nutzt diesen leidigen und erkenntnisarmen Status Quo als Ausgangsbasis: Jede \u00dcbung geht langsam in eine k\u00f6rperliche Anspannung hinein. An der Grenze zum Schmerz (vorher!) wird angehalten: Diese Haltung ist das, was in den Yogab\u00fcchern \u00fcblicherweise abgebildet ist, meist in sehr fortgeschrittener Form, so dass der arme Betrachter denkt: &#8222;Oh je, das w\u00fcrd&#8216; ich nie schaffen!&#8220; Man sollte mal ein Yoga-Buch herausbringen, wo ganz normale Leute die \u00dcbungen vorf\u00fchren, weder besonders sch\u00f6ne Menschen, noch besonders WEIT gehende Verrenkungen und Verbiegungen. Denn darauf kommt es zu allerletzt an, ja, das &#8222;m\u00f6glichst weit&#8220; ist genau das, wovon man durch das \u00dcben wegkommen soll: Kein Ehrgeiz! Kein z\u00e4hneknirschendes Schmerz-aushalten! Sondern: an die Grenze gehen, dort anhalten und beobachten, was geschieht. Still halten, atmen, darauf achten, dass die Haltung &#8222;stimmt&#8220; &#8211; und NICHT dr\u00fccken oder ziehen und versuchen, &#8222;weiter&#8220; zu kommen.<\/p>\n<p>Schafft man es endlich, dieser doch recht einfachen Weisung zu folgen, stellt man fest, dass sich &#8222;an der Grenze&#8220; auf einmal alle Muskeln entspannen, die f\u00fcr das Einnehmen der jeweiligen Haltung nicht erforderlich sind. Auch das klingt wenig spektakul\u00e4r, doch die Wirkung ist frappierend. \u00dcber Wochen und Monate ge\u00fcbt, verlernt der K\u00f6rper, die ganz gew\u00f6hnlichen <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/verspann.htm\" target=\"unten\" rel=\"noopener\">Mit-Verspannungen<\/a> zu vollziehen, die unser Lebensgef\u00fchl in hohem Ma\u00dfe ausmachen. Ein Baby und ein Kleinkind sind noch wirklich entspannt, doch schon mit dem Kindergarten beginnt der Prozess, der uns formt, um uns f\u00fcr die Sozialit\u00e4t und die Zw\u00e4nge der Erwachsenenwelt fit zu machen. Allein schon das erzwungene Sitzen \u00fcber nicht kindgerecht lange Zeiten ist Ein\u00fcbung in k\u00fcnftiges Ungl\u00fcck, doch zus\u00e4tzlich wird uns der frei fliessende Atem genommen, der Brustraum zum starren Panzer umgemodelt und der Bauch ans &#8222;einziehen&#8220; gew\u00f6hnt &#8211; Haltungen der Angst und Enge, aus denen wir nicht so ohne weiteres wieder herauskommen. Wir bemerken sie gar nicht mehr, sondern nehmen an, unser Grundgef\u00fchl der Welt gegen\u00fcber sei normal und angemessen. (Kein Wunder, was f\u00fcr eine Welt und was f\u00fcr ein Miteinander dann SO tats\u00e4chlich ensteht!)<\/p>\n<p>Dass unsere Gesellschaft Sex in besonders kranker Weise betont, hat auch damit zu tun, dass der Orgasmus immerhin ein Moment ist, wo mensch sich mal entspannt &#8211; danach, wohlgemerkt, leider in der Regel erst danach. Ein kurzer Moment, der wirklich jeden f\u00fchlen l\u00e4\u00dft, wie das Leben auch sein k\u00f6nnte. Doch welche H\u00fcrden und Verstrickungen, welche sozialen, emotionalen und mentalen &#8222;Mit-Verspannungen&#8220; sind damit verbunden! Vor dem wirklich einfachen und kostenlosen Vergn\u00fcgen stehen so viele H\u00fcrden, \u00c4ngste und Pflichten, als gelte es, mit aller Kraft zu verbergen, WIE EINFACH es ist, sich wohl zu f\u00fchlen. Man k\u00f6nnte ja auf die Idee kommen, schon VOR dem Orgasmus locker und entspannt zu sein (bzw: nur das N\u00f6tigste anzuspannen.. :-). Oder beim Bumsen nicht stehen zu bleiben, sondern grunds\u00e4tzlich jede Situation ganz entspannt anzugehen: Ohne Festhalten an Mauern und Z\u00e4unen, ohne innere und \u00e4u\u00dfere Starre, ohne Druck und Angst, weil wir wissen, dass wir sowieso nichts besitzen, also auch nichts verlieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Stopp! Hier mach&#8216; ich Schlu\u00df f\u00fcr heute, bevor ich ins spirituelle Schw\u00e4rmen oder Schimpfen gerate. Die freien Assoziationen haben mich eh in Gebiete gef\u00fchrt, die ich eigentlich gar nicht aufsuchen wollte, doch zum Gl\u00fcck f\u00fchl&#8216; ich mich entspannt genug, ihnen einfach zu folgen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Eintrag gestern scheint gefallen zu haben: ein paar Mails mehr als sonst, einige Info-Mail-Bestellungen. 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