{"id":377,"date":"2009-11-02T13:48:13","date_gmt":"2009-11-02T11:48:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=377"},"modified":"2009-11-02T14:00:21","modified_gmt":"2009-11-02T12:00:21","slug":"einsam-im-web-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/11\/02\/einsam-im-web-2-0\/","title":{"rendered":"Einsam im Web 2.0 ?"},"content":{"rendered":"<p>Auf seinem Blog X-Town.net schrieb <em>Christian Rentrop<\/em> einen <a href=\"http:\/\/www.xtown.net\/web-2-0-einsamkeit.html\">etwas wehm\u00fctigen Artikel<\/a> \u00fcber die &#8222;Web2.0-Einsamkeit&#8220;, den er wie folgt einleitet:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Twitter, Facebook, Xing, Weblog, Webforen, Skype und E-Mail: ich bin rundum vernetzt, rund um die Uhr, per Laptop, iPhone, immer on, immer greifbar. Alle Freunde, Bekannten, Gesch\u00e4ftskontakte sind nur einen Mausklick entfernt. Und doch f\u00fchle ich mich manchmal einsam. Wenn ich Skype \u00f6ffne, und keiner online ist. Wenn ich in Facebook schaue und zwar genau wei\u00df, was wann wer warum gerade treibt, aber merke, dass dabei niemand an mich gedacht hat. Wenn niemand Blogbeitr\u00e4ge kommentiert. Doch wenn es dunkel wird, kann das Web 2.0 sehr, sehr einsam sein.&#8220;<br \/>\n<\/em> (gefunden via <a href=\"http:\/\/yuccatree.de\/2009\/11\/web-2-0-einsamkeit\/\">YuccaTreePost<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich finde diesen Artikel schon deshalb bemerkenswert, weil hier mal jemand miese Gef\u00fchle inmitten all des ansonsten eher in den digitalen Himmel gehypten Web 2.0-Geschwurbels zugibt. Und ich kenne diese Anwandlungen durchaus, auch wenn ich bei weitem nicht so extrem &#8222;vernetzt&#8220; und schon gar nicht &#8222;allways on&#8220; lebe. Ja, das gab es sogar schon damals, im Web 1.0., als man die Leser-Reaktionen noch per E-Mail erhielt und &#8222;h\u00e4ndisch&#8220; unter Beitr\u00e4ge auf Magazin-artige Webseiten setzte, die nach Themen und nicht nach Erscheinungstagen geordnet waren.<\/p>\n<p>Ist es nicht ein seltsames Ph\u00e4nomen, dass immer mehr Kontakte auf immer mehr Plattformen zustande kommen, begleitet von vielerlei Formen, Resonanz und Aktivit\u00e4ten zu unterst\u00fctzen und transparent zu machen (&#8222;X hat ein neues Bild eingestellt&#8220;) &#8211; und dennoch f\u00fchlen sich Menschen in diesen Kontexten einsam? Offenbar sogar einsamer bzw. &#8222;anders einsam&#8220; als in der alten Internet-losen Welt?<!--more--><\/p>\n<p>Das Ganze jetzt mit dem Hinweis abzub\u00fcgeln, Netzkontakte und Aktivit\u00e4ten seien ja nicht das richtige, das &#8222;reale Leben&#8220; und wer sich darin verstricke, werde zwangsl\u00e4ufi vereinsamen, greift zu kurz bzw. trifft das Spezifische an der &#8222;neuen Einsamkeit&#8220; nicht. Denn  Christian HAT ja durchaus ein Leben au\u00dferhalb des Paralleluniversums, <em>&#8222;eins mit Familie, Freundin, Freunden und Arbeit. Eins, das auch ohne Internet und nur per Telefon weitestgehend funktioniert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Warum also dieses Einsamkeitsgef\u00fchl? Nochmal Christian, weil er es so sch\u00f6n auf den Punkt bringt: <\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Rund 500 Menschen besuchen t\u00e4glich meine Website, aber nur wenige hinterlassen einen Kommentar. Ich aktualisiere Statusmeldungen bei Facebook, kommentiere auf Blogs, aber niemand antwortet, niemandem \u201cGef\u00e4llt dies\u201d. Es ist frustrierend. Man f\u00fchlt sich ein wenig wie ein Komapatient, der alles mitbekommt, dessen geistige Aktivit\u00e4t aber niemand mehr bemerkt. Als br\u00fcllte man permanent in die gro\u00dfe, weite Welt, ohne dass jemals jemand antwortet.&#8220;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Der aktuelle Artikel hat ihm Antworten gebracht &#8211; nicht nur diese, sondern auch nicht wenige gute Kommentare. &#8222;Seelenstriptease&#8220; zieht Leser, auch das wei\u00df Christian, der uns im weiteren  mitteilt, dass er die &#8222;A-Blogger&#8220; bewundert und gerne in der ersten Liga mitspielen w\u00fcrde, es aber trotz aller Bem\u00fchungen nicht schafft. <\/p>\n<p>Das Ganze ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie die Web2.0-M\u00f6glichkeiten der Selbstdarstellung und Interaktion den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Narzissmus\">Narzissmuss<\/a> in den Menschen verst\u00e4rken. Anstatt Themen und Aufgaben zu finden, f\u00fcr die der Einsatz lohnt, wird das blo\u00dfe eigene Da-Sein und bemerkt-werden zum Ziel des Tuns. Doch je mehr das von Erfolg gekr\u00f6nt ist, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Abh\u00e4ngigkeit von der Resonanz anderer: heute nur 150 Besucher? Was ist los? Bin ich etwa nicht mehr interessant genug? <\/p>\n<p>Narzissmuss ist die Liebe zum Bild von sich selbst, keine wahre Selbstliebe. Dieses Bild ist NICHTS ohne genug Betrachter, die es wieder und wieder als &#8222;sch\u00f6n&#8220; (bzw. spannend, wichtig, unterhaltsam&#8230;) best\u00e4tigen. Der Mensch wird zum sich abstrampelnden Sklaven dieses Bildes und f\u00fchlt sich zu recht &#8222;leer&#8220;, wenn die Resonanz ausbleibt. Alle, die immer schon in der \u00d6ffentlichkeit standen (Politiker, Medienstars etc.) kennen diese Falle, die fr\u00fcher einmal dem gemeinen Volk mangels M\u00f6glichkeit gar nicht drohte. Web 2.0 hat das erfolgreich ge\u00e4ndert. Es ist nicht schwer, &#8222;f\u00fcr 15 Minuten ber\u00fchmt&#8220; zu sein und auch mal eine Sau durch die Blogosph\u00e4re zu treiben &#8211; und jeder f\u00fcr sich kann locker s\u00e4mtliche Methoden austesten, die man einst der Zeitung mit den vier Buchstaben vorgeworfen hat, um die eigene Publizit\u00e4t zu erh\u00f6hen, koste es, was es wolle. <\/p>\n<h2>Wer?<\/h2>\n<p>Aber WER ist es eigentlich, der diesen Versuchungen verf\u00e4llt? WER will gesehen und beachtet werden? Wer bin ich, abgesehen von jeglicher Darstellung nach au\u00dfen?<\/p>\n<p>Diese vielleicht seltsam anmutende Frage kann die ganze Ver-r\u00fccktheit, in der sich der Selbstdarstellungss\u00fcchtige befindet, stoppen. Man muss sie nicht umfangreich beantworten, es reicht, sie t\u00e4glich im Bewusstsein zu halten und immer wieder kleine Teil-Antworten zu finden. Daf\u00fcr lohnt es sich, auch die Leere einfach mal eine Zeit lang auszuhalten und anzusehen, anstatt sich in die n\u00e4chsten aufmerksamheitsheischenden T\u00e4tigkeiten zu st\u00fcrzen. Ein unangenehmes Gef\u00fchl tritt ja oft genug nur wegen der Ungewohntheit einer Sache auf: wer die Leere partout vermeiden will, dringt nie zur Erfahrung vor, dass das \u00fcble Gef\u00fchl auch ganz von selbst wieder verschwindet. Eine nie gekannte innere Ruhe breitet sich aus, in der man sich beheimatet f\u00fchlen kann &#8211; ganz ohne die Resonanz von Anderen.<\/p>\n<p>Manchmal stehe ich mit der DigiCam im Garten und versuche, das Lichtspiel und die Farben in der sp\u00e4ten Nachmittagssonne einzufangen. Es gelingt nicht, denn die Kamera ist nicht im Stande, gleichzeitig Himmel UND Erde, Wolken und Wiese, B\u00fcsche, B\u00e4ume richtig zu belichten. Ich m\u00fcsste einiges daf\u00fcr tun und mit technischen Features tricksen, um am Ende ein Bild zeigen zu k\u00f6nnen, das dem Anblick nahe kommt, den ICH gerade SEHE, der mich einfach so ohne jeglichen Ger\u00e4te-Einsatz ergreift und in Begeisterung versetzt. <\/p>\n<p>Die das Abendlicht im Garten ganz ohne &#8222;Equipment&#8220; SO sehen und empfinden kann, das bin &#8222;ich&#8220; &#8211; nur so als Beispiel. Dieses &#8222;Ich&#8220; (manche nennen es auch &#8222;Selbst&#8220;) ist leistungslos einfach so da und letztlich nicht mit-teilbar. Es ist sehr leicht zu \u00fcbersehen durch \u00e4u\u00dfere Aktivit\u00e4ten wie etwa das Bem\u00fchen um die &#8222;korrekte&#8220; Abbildung, doch ist es der leere Grund, aus dem alles echte Engagement kommt. Sein Kennzeichen ist die Abwesenheit jeglicher Gedanken an &#8222;seine Majest\u00e4t, das Ich&#8220; &#8211; sie verschwinden im Sehen und F\u00fchlen, ganz &#8222;von selbst&#8220;. <\/p>\n<p>Mit diesem einfach-so-Sein des \u00f6fteren in Kontakt zu treten, hilft gegen die Verlorenheit im Web 2.0 ganz genauso wie gegen althergebrachtere Formen der Einsamkeit. Doch trendige, allumfassende Gesch\u00e4ftigkeit (&#8222;allways on&#8220;) ist der beste Weg, diesen Kontakt zu verlieren, bzw. gar nicht erst zu gewinnen. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf seinem Blog X-Town.net schrieb Christian Rentrop einen etwas wehm\u00fctigen Artikel \u00fcber die &#8222;Web2.0-Einsamkeit&#8220;, den er wie folgt einleitet: &#8222;Twitter, Facebook, Xing, Weblog, Webforen, Skype und E-Mail: ich bin rundum vernetzt, rund um die Uhr, per Laptop, iPhone, immer on, immer greifbar. Alle Freunde, Bekannten, Gesch\u00e4ftskontakte sind nur einen Mausklick entfernt. 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