{"id":3766,"date":"2000-12-23T13:01:22","date_gmt":"2000-12-23T12:01:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3766"},"modified":"2023-05-07T13:03:32","modified_gmt":"2023-05-07T11:03:32","slug":"in-der-luecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/12\/23\/in-der-luecke\/","title":{"rendered":"In der L\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\">Jetzt ist es also soweit: Die Wintersonnwende ist vor\u00fcber, morgen brechen die &#8222;12 heiligen N\u00e4chte&#8220; an. Der Konsumrausch feiert sein Finale, dann gehen alle nachhause, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, das Erstandene zu verpacken, vorzukochen &#8211; fast komisch, so ein kollektives Agieren in einer das Individuelle so hoch sch\u00e4tzenden Gesellschaft.<\/p>\n<p>Bei uns hier nichts von alledem. Am zweiten Weihnachtsfeiertag sind wir bei Freunden im Haus eingeladen, ansonsten Stille. Die Wiese, die B\u00fcsche und B\u00e4ume drau\u00dfen sind jetzt voller Reif, zweimal am Tag bekommen die H\u00fchner warmes Wasser, weil es so schnell einfriert &#8211; ich m\u00f6chte jetzt nicht Huhn sein! Und doch legen sie immer weiter Eier&#8230; Ein Vogelhaus haben wir heute aufgestellt, aber noch halten sich die V\u00f6gel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wenn ich meinen Eintrag vom 23.12. letzten Jahres lese, merke ich, dass ich heute deutlich weniger besinnlich drauf bin. Lustigerweise war damals ebenfalls Reif, und zwar der einzige im ganzen Jahr! Ist schon komisch, so ein Diary, ich schaue selten alte Eintr\u00e4ge an, vielleicht w\u00e4r&#8216; das ein Einstig ins jahresendzeitliche Bilanz ziehen.<\/p>\n<p>Was tun in diesen letzten Tagen, ohne ins allgemeine Festgeschehen involviert zu sein? Zu meiner Family nach Wiesbaden fahre ich nicht, denn da tobt Weihnachten echt die Lucy. Und so ist es fast ein wenig abenteuerlich, hier in der Pampa im Nichts zu sitzen, frei geschaufelt von den Pflichten, noch ganz ohne Vorstellung, wie das selbst gewollte Vakuum zu f\u00fcllen w\u00e4re. Ich liebe L\u00fccken im normalen Geschehen, in denen man sp\u00fcrt, dass das Leben nichts Selbstverst\u00e4ndliches ist, sondern sehr sehr seltsam.<\/p>\n<p>Jedenfalls hab&#8216; ich vor, bis Anfang Januar recht viel Diary zu schreiben &#8211; in Berlin konnte man nachts in die Kneipe gehen und andere versprengte Weihnachtsfl\u00fcchter treffen, hier mu\u00df ich eben virtuell &#8222;nach drau\u00dfen&#8220; gehen. Webdiarys sind ja dieses Jahr in Mode gekommen, viele schreiben jetzt ein &#8222;Weblog&#8220;. Ich bin mal gespannt, was davon \u00fcbrig bleiben wird. Die, in die ich bisher eher zuf\u00e4llig &#8218;reingelesen habe, wirken auf mich meist irgendwie &#8222;\u00e4u\u00dferlich&#8220;, jemand schreibt, was er oder sie so denkt, aber ohne da\u00df man einen wirklichen Eindruck von der Person gewinnen k\u00f6nnte, die da schreibt! Und DAS ist f\u00fcr mich doch der eigentliche Grund, Tageb\u00fccher zu lesen, Leute &#8222;aus der Entfernung&#8220; kennen zu lernen. Erst wenn ich sie &#8222;kenne&#8220;, sagt es mir was, wenn sie dieses oder jenes empfehlen oder kritisieren.<\/p>\n<p>Viele, die nonkommerziell im Web publizieren, scheinen ein bi\u00dfchen gespalten in der eigenen Intention: sich ausdr\u00fccken wollen, aber m\u00f6glichst ohne sich zu zeigen. Dabei halte ich es f\u00fcr immer wichtiger, dass Menschen sich im Netz darstellen. Nicht &#8222;zur eitlen Selbstdarstellung&#8220;, wie es Carola Heine mutig auf ihre Seiten schrieb, sondern damit wir uns \u00fcberhaupt noch verstehen k\u00f6nnen in diesen Zeiten, in denen die Begriffe selber immer bedeutungsloser werden. Ich merke, dass abstraktes Argumentieren auch bez\u00fcglich allerwichtigster Themen bei mir nicht mehr ankommt: ich will denjenigen sehen, der die Behauptungen aufstellt und die Argumente bringt. Erst wenn ich insgesamt einen Eindruck habe, ob ich von dieser Person einen Gebrauchtwagen kaufen w\u00fcrde, erst dann lasse ich mich auf Argumente ein.<\/p>\n<p>Durchaus bedenklich, ich wei\u00df. Aber ich MACHE mich nicht, sondern ich werde. Allenfalls kann ich zuschauen und beschreiben, was l\u00e4uft.<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ist es also soweit: Die Wintersonnwende ist vor\u00fcber, morgen brechen die &#8222;12 heiligen N\u00e4chte&#8220; an. Der Konsumrausch feiert sein Finale, dann gehen alle nachhause, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, das Erstandene zu verpacken, vorzukochen &#8211; fast komisch, so ein kollektives Agieren in einer das Individuelle so hoch sch\u00e4tzenden Gesellschaft. Bei uns hier nichts [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,9,414],"tags":[34,359],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3766"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3766\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}