{"id":3764,"date":"2000-12-29T12:53:57","date_gmt":"2000-12-29T11:53:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3764"},"modified":"2023-05-07T12:57:27","modified_gmt":"2023-05-07T10:57:27","slug":"keine-visionen-aber-gute-laune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2000\/12\/29\/keine-visionen-aber-gute-laune\/","title":{"rendered":"Keine Visionen, aber gute Laune"},"content":{"rendered":"<p>Immer kommt es anders. Ganz darauf gefa\u00dft, in stillen Tagen &#038; N\u00e4chten schwer besinnlich zu werden und das Jahr angesichts des Todes zu bilanzieren (Was war? Was bleibt? Was bedeutet das?) stelle ich fest: Die Muse k\u00fcsst mich nicht. Die G\u00f6tter lassen mich alleine wursteln, kein Engel streift mich mit den Fl\u00fcgeln, keine bedeutungsschwangeren Tr\u00e4ume st\u00f6ren den Schlaf. Gro\u00dfe Worte verm\u00f6gen es derzeit nicht, mein Herz zu ergreifen; eher denke ich daran, nachher den H\u00fchnerstall auszumisten, weil es mittlerweile wieder stinkt. Offensichtlich schiebt die Eksistenz Dienst nach Vorschrift, schickt mir keine Visionen und nicht den allerkleinsten Hinweis, dass da irgendwo MEHR sei, als das, was eben IST.<\/p>\n<p>Und weil das Schreiben eine gewisse Eigendynamik entwickelt, kann ich mich nur mit M\u00fche zur\u00fcckhalten, jetzt das Lob dessen, was ist, anzustimmen. Das w\u00fcrde hier n\u00e4mlich gut passen, es folgt eigentlich immer an dieser Stelle: Man schreibt dann getragene S\u00e4tze \u00fcber DAS WUNDER des ganz banalen und normalen Da- und So-Seins bis man selber dran glaubt, bis Schreiber und Leser ausreichend ger\u00fchrt und ergriffen sind von der Tatsache des Etwas im Gro\u00dfen Schwarzen Nichts&#8230;. ABER wenn dieses Etwas dann in Gestalt der zust\u00e4ndigen Sachbearbeiterin im Finanzamt Schwerin mich am Tag nach Weihnachten morgens um zehn anruft und mit erhobener Stimme fragt, WANN ich denn bittsch\u00f6n die Rechnungen vom 2. und 30. Juni versteuert h\u00e4tte &#8211; tja, dann wird die Liebe zum Wunder des Daseins auf eine harte Probe gestellt!<\/p>\n<p>Ich habe sie versteuert, das konnte ich ihr am folgenden Tag (&#8222;Ich verlange ja nicht von Ihnen, dass Sie SOFORT Auskunft geben&#8220;) Zahl f\u00fcr Zahl vorrechnen, womit die Obrigkeit f\u00fcr dieses Mal zufrieden gestellt ist, dem Himmel sei Dank! Der unverhoffte Amtskontakt erinnert mich aber daran, dass ich mir bald mal wieder Gedanken um meine professionelle Zukunft machen mu\u00df: Wohin will ich eigentlich? Besser gefragt: Wohin soll ich streben, angesichts der Tatsache, nichts Bestimmtes zu wollen?<\/p>\n<p>Der M\u00f6glichkeiten sind viele, die naheliegendste ist sicher ein Update meiner Webdesigner-Existenz: Endlich eine &#8222;richtig kommerzielle&#8220; Angebots- und Selbstdarstellungs-Site mit aktiver Ansprache meiner Wunschzielgruppen. Oder aber ich investiere weit intensiver in die Know-How-Vermittlung und \u00fcberlege mir daf\u00fcr praktische und eintr\u00e4gliche Erwerbswege (B\u00fccher + Kurse + Seminare&#8230;). M\u00f6glich w\u00e4re auch die weitgehende Abwendung vom N\u00fctzlichen zugunsten des Sch\u00f6nen und\/oder Sinnvollen: Schreiben, Kunst, sogar Politik lockt mich gelegentlich. Allerdings w\u00fcrde dann die Finanzierung wieder sehr viel problematischer, doch mu\u00df das ja kein Hindernis sein, schlie\u00dflich war ich die meiste Zeit meines Lebens &#8222;arm&#8220;. Zu guter letzt, so unter der \u00dcberschrift &#8222;v\u00f6llig verr\u00fcckt&#8220; denk&#8216; ich manchmal daran, einen E-Shop aufzumachen und Gips-Skulpturen f\u00fcr Haus und Garten zu verkaufen. Ganz besondere Skulpturen, die ich erst selber produzieren lassen m\u00fc\u00dfte, womit diese Idee schon wieder verdammt aufwendig wird!<\/p>\n<p>Wenn ich in solche \u00dcberlegungen verfalle, nehme ich mich selber nicht ganz ernst: Bisher hat sich letztlich immer alles &#8222;von selber&#8220; ergeben, und das viel besser, als ich es selber h\u00e4tte planen und machen k\u00f6nnen. Das hei\u00dft aber nicht, dass ich nun dasitzen und D\u00e4umchen drehen k\u00f6nnte bis die richtige Eingebung kommt. Es ist wie in den Yoga-\u00dcbungen (Asanas): Man mu\u00df voll konzentriert und engagiert zwischen Anspannung und Entspannung wechseln, um letztlich in der &#8222;rechten Spannung&#8220; mit dem Leben mitschwingen zu k\u00f6nnen. Reines Abh\u00e4ngen macht schwach, dauernde Anstrengung verkrampft, weder das eine noch das andere ist Ziel oder Sinn, sondern das Geschehen selber, bewu\u00dft erlebt. (&#8222;Form ist Leere, Leere ist Form&#8220;).<\/p>\n<p>Ein Wunder eigentlich, diese gute Laune. Viel \u00f6fter ist mir in letzter Zeit nach Verschwinden zumute, nach dem endg\u00fcltigen Abwenden von Mensch und Gesellschaft. (Warum? Nur das \u00dcbliche: immer mehr Kommerz &#038; Konsum, Gier, Hass und Verbl\u00f6dung, Mord &#038; Totschlag, Krieg &#038; Umweltzerst\u00f6rung, schlu\u00dfendlich Medien, die all das verst\u00e4rken, so gut sie k\u00f6nnen &#8211; kotz!). Wohin aber sollte ich schon abhauen? Robinsonaden liegen mir genauso wenig wie Sekten oder Landkommunen. Mein Temperament neigt nicht die Bohne zum Selbstmord und &#8211; sofern ich gesund und n\u00fcchtern bleibe &#8211; krieg ich nicht mal tageweise eine Depression hin. Wenn ich dann noch den Morgen mit Yoga beginne und mittags mal &#8217;ne Runde ums Dorf gehe, f\u00fchle ich mich k\u00f6rperlich so wunderbar wohl, dass es aufs Denken und F\u00fchlen \u00fcbergreift und auf einmal ist es ganz unm\u00f6glich, alles schlecht zu finden: weder mich, noch die anderen, noch die ganze Welt!<\/p>\n<p>Wow, die Sonne scheint, ich mu\u00df mal raus. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer kommt es anders. Ganz darauf gefa\u00dft, in stillen Tagen &#038; N\u00e4chten schwer besinnlich zu werden und das Jahr angesichts des Todes zu bilanzieren (Was war? Was bleibt? Was bedeutet das?) stelle ich fest: Die Muse k\u00fcsst mich nicht. 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