{"id":3719,"date":"2023-02-25T12:05:35","date_gmt":"2023-02-25T11:05:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3719"},"modified":"2023-02-25T12:33:29","modified_gmt":"2023-02-25T11:33:29","slug":"am-tiefpunkt-friedenschwurbler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2023\/02\/25\/am-tiefpunkt-friedenschwurbler\/","title":{"rendered":"Am Tiefpunkt: #Friedensschwurbler"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Der Hass und die Bereitschaft zum Krieg und zur Feindbildproduktion ist tief verwurzelt in der Menschheit, gerade in Zeiten gro\u00dfer Krisen und existentieller \u00c4ngste. Heute aber gilt: Wer die Welt wirklich retten will, diesen kostbaren einzigartigen wunderbaren Planenten, der muss den Hass und den Krieg gr\u00fcndlich verlernen. Wir haben nur diese eine Zukunftsoption.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das schreibt Antje Vollmer in ihrem <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ein-jahr-ukraine-krieg-kritik-an-gruenen-antje-vollmers-vermaechtnis-einer-pazifistin-was-ich-noch-zu-sagen-haette-li.320443\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verm\u00e4chtnis einer Pazifistin: \u201eWas ich noch zu sagen h\u00e4tte\u201c<\/a> in der Berliner Zeitung.<\/p>\n<p>Was stattfindet, ist das genaue Gegenteil. Auf Twitter trendet das Hashtag &#8222;Friedensschwurbler&#8220; &#8211; f\u00fcr mich das krasse Zeichen, dass die Debatte auf ihrem Tiefpunkt angekommen ist. Es gibt nur noch &#8222;kriegsgeile Bellizisten&#8220; und &#8222;Friedensschwurbler&#8220; &#8211; eine abw\u00e4gende, differenzierende Position dazwischen scheint unm\u00f6glich geworden.<\/p>\n<p>Heute demonstrieren Wagenknecht und Schwarzer, sowie alle, die deren &#8222;Manifest&#8220; unterzeichnet haben und es nach Berlin schaffen, f\u00fcr einen Waffenstillstand &#8211; in Grund und Boden gebasht vom medialen Gro\u00dfkonzert, dass sie alle als Putinknechte und eben &#8222;Friedenschwurbler&#8220; diffamiert. Ich finde das Manifest auch nicht gut, aber die Art und Weise, wie z.B. Sascha Lobo die Initiatorinnen in die Tonne tritt, ihnen lediglich pers\u00f6nliche Genervtheit von den Kriegsfolgen unterstellt, ist mindestens ebenso daneben. <!--more--><\/p>\n<p>Vor der russischen Botschaft haben Enno Lenze und andere Aktivisten <a href=\"https:\/\/taz.de\/Panzerwrack-vor-russischer-Botschaft\/!5915441\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Panzerwrack<\/a> aufgestellt &#8211; <a href=\"https:\/\/www.berlinstory-news.de\/wie-der-russische-panzer-nach-berlin-kommt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier seine Story dazu<\/a>. Der Bezirk Mitte hat versucht, das zu verhindern, doch letztlich entschied ein Gericht, dass der Panzer zwei Wochen als &#8222;Kunst im Stadtraum&#8220; dort stehen darf. Klar, Kunst darf (fast) alles, nur vermittelt sich mir durch diese Aktion keine vern\u00fcnftige Botschaft. Aber das ist ja auch nicht intendiert, es geht wohl eher darum, Hassgef\u00fchle zu demonstrieren.<\/p>\n<p><strong>Hass ist verst\u00e4ndlich<\/strong> angesichts der russischen Verbrechen in der Ukraine, aber nie und nimmer entsteht daraus ein Weg in Richtung Frieden. Die von der ukrainischen Seite ebenso nachvollziehbare Forderung nach einem vollst\u00e4ndigen R\u00fcckzug der russischen Arme vom gesamten Staatsgebiet einschlie\u00dflich der Krim als Voraussetzung f\u00fcr Verhandlungen ist ebenso illusorisch wie das Vorhaben Putins, die Ukraine einer Art Gro\u00dfrussland einzuverleiben und einen &#8222;Diktatfrieden&#8220; zu erzwingen. Wenn irgendwann verhandelt wird, werden beide Seiten mit ihren Maximalforderungen nicht durchkommen, es wird Kompromisse geben m\u00fcssen, die die Interessen beider Seiten beachten.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass in der Debatte \u00fcber m\u00f6gliche Wege zum Frieden die Vorgeschichte des Kriegs eine Rolle spielen muss, ohne dass die Erz\u00e4hler\/innen dieser Geschichte (z.B.<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ein-jahr-ukraine-krieg-kritik-an-gruenen-antje-vollmers-vermaechtnis-einer-pazifistin-was-ich-noch-zu-sagen-haette-li.320443\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vollmer<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/der-frieden-muss-vernichtet-werden-li.320792\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fabio de Masi<\/a>) gleich als &#8222;Friedensschwurbler&#8220; gebasht werden, die lediglich Putins Interessen dienen. Diese Geschichte mag umstritten sein, aber man muss sie besprechen k\u00f6nnen, weil sie nun einmal stattgefunden hat und man damit umgehen muss, um dem Frieden n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n<h2>Sind Gespr\u00e4che \u00fcber Verhandlungsoptionen gef\u00e4hrlich?<\/h2>\n<p>Von einigen werden solche \u00dcberlegungen als &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220; gebrandmarkt, weil sie Putin Hoffnung machen k\u00f6nnten, dass im Westen &#8222;die Stimmung kippen&#8220; k\u00f6nnte. Ich sehe derzeit nicht, dass das eine begr\u00fcndete Hoffnung ist, denn trotz der 640.000 Unterzeichnerinnen (Stand jetzt) steht die gro\u00dfe Mehrheit weiter hinter den Waffenlieferungen und zur Unterst\u00fctzung der Ukraine.<\/p>\n<p>Nimmt man das Argument aber mal als stimmig an, verweist das auf eine <strong>Schw\u00e4che der Demokratien<\/strong>: Hierzulande wird die \u00d6ffentlichkeit nicht unterdr\u00fcckt, man darf gegen das Regierungshandeln sein und das auch laut sagen, ohne staatliche Repressionen bis hin zu Gef\u00e4ngnis und Folter f\u00fcrchten zu m\u00fcssen wie in Autokratien und Diktaturen \u00e1 la Russland und Iran. Weder das Internet noch einzelne soziale Medien werden abgeschaltet, um unliebsame Meinungen nicht zu Wort kommen zu lassen. Es kann sich also f\u00fcr die Diktatoren lohnen, in die Meinungsbildung einzugreifen, um den Westen zu &#8222;destabilisieren&#8220;, w\u00e4hrend sie ihre Bev\u00f6lkerung von jeglicher Beeinflussung von au\u00dfen abschirmen. Dennoch sind nicht alle gleich &#8222;Putintrolle&#8220;, die in eine andere Richtung denken als der &#8222;Mainstream&#8220;. Wenn das Reden \u00fcber Verhandlungsoptionen unter Denk- und Sprechverbot fallen sollte, verraten wir gerade jene Europ\u00e4ischen Werte, f\u00fcr die die Ukrainer laut herrschender Meinung k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich sehe ich derzeit wenig Chancen auf Verhandlungen, denn noch glauben beide Seiten, sie k\u00f6nnten gewinnen. Solange das so ist, wird der Krieg weiter gehen mit all seinen schrecklichen Folgen und auch MIT der Gefahr einer Eskalation. Der weitere Verlauf wird zeigen, ob dieser Glaube auf einer oder beiden Seiten ersch\u00fcttert wird &#8211; durch Gel\u00e4nde-Gewinne und Verluste, durch Ersch\u00f6pfung der Ressourcen, kippende Stimmungen oder den bisher leider ausgebliebenen inneren Verfall der Putin-Front.<\/p>\n<p>Wie \u00e4tzend, dass ich einen solchen Diary-Artikel nicht mit einem hoffnungsvolleren Ausblick beenden kann! Immerhin kann ich mich (noch!) zeitweise &#8222;vom Thema abwenden&#8220; &#8211; ein Privileg, dass die geschundenen Ukrainier nicht haben, ebenso wenig wie die russischen Soldaten, die f\u00fcr Putins Angriffskrieg sterben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Hass und die Bereitschaft zum Krieg und zur Feindbildproduktion ist tief verwurzelt in der Menschheit, gerade in Zeiten gro\u00dfer Krisen und existentieller \u00c4ngste. 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