{"id":359,"date":"2009-10-07T11:48:37","date_gmt":"2009-10-07T09:48:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=359"},"modified":"2009-10-09T08:27:46","modified_gmt":"2009-10-09T06:27:46","slug":"morgenlektuere-morgengefuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/10\/07\/morgenlektuere-morgengefuehle\/","title":{"rendered":"Morgenlekt\u00fcre &#8211; Morgengef\u00fchle"},"content":{"rendered":"<p>Kurz nach dem Aufstehen rubble ich mit so einem kratzigen Massagehandschuh \u00fcber den ganzen K\u00f6rper: das macht mich wach, f\u00fchlt sich gut an, l\u00e4sst mich sp\u00fcren, dass ich lebe, dass ich hier und jetzt nicht blo\u00df reiner Gedanke, sondern wirklich DA bin. <\/p>\n<p>Sitze ich dann wenig sp\u00e4ter mit dem frischen Kaffee vor dem Monitor, rufe ich den Browser auf und setze mich einer \u00e4hnlichen Massage aus &#8211; nur diesmal psychisch statt physisch. Auch die Gef\u00fchle wollen erwachen, es soll mich etwas erregen, innerlich bewegen, mich \u00e4rgern oder begl\u00fccken, mich f\u00fchlen lassen, dass ich Teil eines gr\u00f6\u00dferen Ganzen bin und nicht blo\u00df frei schwebende Monade, die zufrieden ihren Kaffee schl\u00fcrft.<!--more--><\/p>\n<p>So schaue ich also auf <a href=\"http:\/\/rivva.de\/\">Rivva<\/a>, wo die meist-verlinkten und getwitterten Artikel der letzten zwei Tage versammelt sind. Der kritische Abgesang auf Googles neue eierlegende Wollmilchsau &#8222;Wave&#8220; auf SPIEGEL ONLINE (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,653372,00.html\">Das Netz h\u00e4ngt seine Nutzer ab<\/a>) spricht mir spontan aus dem Herzen: Noch mehr und nun auch &#8222;in Echtzeit&#8220; zu verfolgende, auf einem einzigen Bildschirm zusammen gefasste Kommunikationsstr\u00f6me k\u00f6nnte ich nicht verkraften! Auch noch zusehen, was die anderen eintippen (!), dazu die gesamte Vergangenheit der jeweiligen Kommunikation als nachlesbare History &#8211; wirklich toll, was da alles M\u00d6GLICH ist, aber mir ist ja schon alles, was JETZT geht, viel zu viel. Und weil ich mich vom Tenor des Artikels in diesem \u00dcberfordertsein so sch\u00f6n best\u00e4tig f\u00fchle, lese ich auch noch drei Seiten <a href=\"http:\/\/forum.spiegel.de\/showthread.php?t=8836\">Kommentare<\/a> und ein auf den Artikel reagierendes Blogposting, das die deutsche <a href=\"http:\/\/mrtopf.de\/blog\/de\/innovationsphobie\/\">&#8222;Innovationsphobie&#8220;<\/a> beklagt und den Nutzen gemeinsamer Bearbeitung derselben Dokumente hervor hebt. Mit Schrecken erinnere ich mich an die vielf\u00e4ltigen Versuche, das &#8222;kollaborative Schreiben&#8220; zu etablieren und mache eine <a href=\"http:\/\/mrtopf.de\/blog\/de\/innovationsphobie\/#comment-6198\">kulturpessimistische Anmerkung<\/a> &#8211; und weiter gehts, zum n\u00e4chsten Thema mit Erregungspotenzial. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,653389,00.html\">D\u00e4mpfer f\u00fcr Gabriel und Nahles: SPD verpatzt den Neustart<\/a> &#8211; Himmel nochmal, dieses &#8222;Niederschreiben&#8220; der in der jetzigen Situation ganz normalen, ja sogar ANGESAGTEN Uneinigkeiten in der SPD kotzt mich richtig an! W\u00fcnscht sich SPON etwa jetzt Einigkeit und sozialistisch geschlossene 98%-Ergebnisse bei Abstimmungen? Das w\u00e4re doch geradezu gruslig. Hach&#8216; und dass unser &#8222;Wowi&#8220; auf der Funktion\u00e4rsebene der Partei nicht so richtig ankommt, macht ihn doch eher sympathisch &#8211; mir jedenfalls. <\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes begl\u00fcckt mich eine echte  &#8222;Balsam-f\u00fcr-die-Seele&#8220;-Info: BRIGITTE, die Mutter aller deutschen Frauenmagazine, verzichtet in Zukunft auf Hungerharken als Models!! Die <a href=\"http:\/\/maedchenmannschaft.net\/die-frauenzeitschriftenrevolution\/\">&#8222;Frauenzeitschriftenrevolution&#8220;<\/a> war lange f\u00e4llig, ich bin begeistert und beschlie\u00dfe, sie sofort zu abonnieren &#8211; obwohl ich schon Jahrzehnte keine Frauenmagazine mehr lese.  Die ersch\u00fctternden Details der bisherigen Praxis lese ich auf <a href=\"http:\/\/meedia.de\/nc\/details\/article\/mutig--brigitte-wird-mager-model-freie-zone_100023678.html\">Media.de:<\/a> Die Mode-Labels (Gucci, Prada  Co.) lieferten den Redaktionen immer nur derart winzige Klamotten-Muster, dass niemand anders als die Gr\u00f6\u00dfe-Null-Hungerharken da &#8218;rein passten. Jetzt kommen normale Frauen aufs Bild, denen man nicht erst die durch die Haut sichtbaren Knochen wegretouchieren muss (!) &#8211; und die Designer m\u00fcssen Muster in Gr\u00f6\u00dfe 38, 40 und &#8211; man glaubt es kaum &#8211; 42 liefern!<\/p>\n<p>Nach weiteren f\u00fcnf bis f\u00fcnfzehn Themen, die ich noch kurz \u00fcberfliege, nimmt das Gef\u00fchl sinnloser Zerstreuung \u00fcberhand: Hey, was mache ich da eigentlich? Hat all das irgend etwas mit MIR zu tun bzw. mit dem Sinn, den ich diesem Mittwoch vielleicht geben k\u00f6nnte? Wenn solche Gedanken kommen, halte ich kurz inne und schaue, ob sich irgend eine innere Stimme meldet, die zu etwas Bestimmtem dr\u00e4ngt. Und wenn nicht, gehe ich auf die Suche nach Anderen, die dieser Stimme gerne lauschen &#8211; heute ist es das Einschau-Blog meines Kreuzberger Nachbarn G\u00f6tz. <\/p>\n<p>Sein Beitrag <a href=\"http:\/\/einschau.de\/blog\/?p=861\">&#8222;Entwirrung durch Arbeit&#8220;<\/a> beschreibt die Erfahrung der inneren Sammlung, wenn eine T\u00e4tigkeit uns ganz fordert: keine Zeit mehr f\u00fcr Hintergrundmonologe, kein Abschweifen und Gr\u00fcbeln &#8211; statt dessen der Flow und das gute Gef\u00fchl, \u00fcber sich selbst hinaus zu wachsen, wenn man sich zu etwas \u00fcberwindet, das einem nicht leicht f\u00e4llt.  <\/p>\n<p>Was mir mal wieder zeigt, dass ich grade auf dem falschen Dampfer bin: nichts ist leichter als das Erregungs-Zapping solcher Morgenlekt\u00fcre, sie bringt nicht St\u00e4rkung, sondern schw\u00e4cht. Zum Gl\u00fcck muss ich nicht dauernd stark sein, kann mir das also ohne innere Verurteilung g\u00f6nnen &#8211; aber wenns genug ist, ist&#8217;s genug. Danke G\u00f6tz!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz nach dem Aufstehen rubble ich mit so einem kratzigen Massagehandschuh \u00fcber den ganzen K\u00f6rper: das macht mich wach, f\u00fchlt sich gut an, l\u00e4sst mich sp\u00fcren, dass ich lebe, dass ich hier und jetzt nicht blo\u00df reiner Gedanke, sondern wirklich DA bin. 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