{"id":357,"date":"2009-10-06T11:06:23","date_gmt":"2009-10-06T09:06:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=357"},"modified":"2015-12-14T15:07:04","modified_gmt":"2015-12-14T14:07:04","slug":"arbeit-musse-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/10\/06\/arbeit-musse-liebe\/","title":{"rendered":"Arbeit, Mu\u00dfe, Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Grade finde ich aus einem Arbeitstunnel heraus, der mein Leben online und offline mehr als eine Woche sehr verengt hat. Es waren Verwaltungsarbeiten rund um Steuer 2008, deren Ergebnisse rechtzeitig vor Jahresende bei der Steuerberaterin ankommen mussten: gut, dass es &#8218;rum ist, ich f\u00fchl&#8216; mich schwer erleichtert!<\/p>\n<p>Wenn ich denn wollte und mir mehr Arbeitsverdichtung und Disziplin (= weniger surfen, kommunizieren, im <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">Garten<\/a> arbeiten) auferlegen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich mehr Geld verdienen, h\u00e4tte dann aber keine Zeit mehr, es auch zu genie\u00dfen. Und ich kenne Menschen, die krisenbedingt gerade von Kurzarbeit betroffen sind, dies aber alles andere als unangenehm empfinden: endlich mehr Zeit f\u00fcr alles, was sonst noch Freude macht!  (Dass es auch weniger Geld gibt, st\u00f6rt dann nicht, wenn es sich um ein &#8222;ordentliches Gehalt&#8220; handelt, das nun halt ein wenig reduziert ist und man nicht auf Kredit gelebt hat). <!--more--><\/p>\n<p>Gerade diejenigen, die in ihrer Arbeit aufgehen und sie gerne tun, sind oft gef\u00e4hrdet, daneben gar nichts mehr zu kennen. Mir ist das nicht fremd, doch bin ich Gott sei Dank von diesen zehrenden Arbeitstrips wieder &#8218;runter gekommen und kann heute die Mu\u00dfe sch\u00e4tzen: Zeit, in der man GAR NICHTS macht, Zeit zum Entspannen, zur Verarbeitung des Erlebten und &#8211; wichtig! &#8211; zum Abgleich all dessen, was man tut und erf\u00e4hrt mit den eigenen Werten und W\u00fcnschen. Wer immer nur &#8222;in \u00c4ktschn&#8220; ist und versucht, jede Minute m\u00f6glichst effektiv und produktiv zu sein, verengt das eigene Leben aufs \u00d6konomische. Dass genau das mehr und mehr zum Leitbild dieser Gesellschaft wird, ist ein Elend, gegen das leider nur wenige Widerstand leisten. Wie konnte es nur passieren, dass Arbeit mehr und mehr zum Selbstzweck wurde &#8211; und dass das so viele fraglos mitmachen ?<\/p>\n<h2>Liebe<\/h2>\n<p>Mit dem Verschwinden der Mu\u00dfe verschwindet auch die Liebe. Nicht die begehrende Liebe mit den &#8222;Schmetterlingen im Bauch&#8220;, die sich nahtlos ins allgemeine Stress-Geschehen eingliedern l\u00e4sst, sondern die Liebe als Zustand, als Staunen, als Dankbarkeit f\u00fcr das, was ist, OHNE dass wir erst gro\u00df &#8222;was machen&#8220; m\u00fcssten. <\/p>\n<p><strong>Thinkabout <\/strong>hat ihr in seinem wundersch\u00f6nen Artikel <a href=\"http:\/\/thinkabout.ch\/article\/mehr-liebe-fuer-das-eine-thema\">&#8222;Mehr Liebe f\u00fcr das EINE Thema&#8220;<\/a> eine Stimme gegeben: <\/p>\n<blockquote><p>Und es gibt Liebe, die keine Ansprache braucht, sich nicht mitteilen muss, die stillen Dank sagt, im Augenblick, in dem eine Sch\u00f6nheit wahr genommen, eine Bl\u00fcte bewundert, die Glasscherbe vom Boden aufgehoben, zu reflektieren beginnt im Sonnenlicht. Eine Liebe, welche Gef\u00fchle nicht von sich weist, sich nicht lustig macht, nur weil etwas peinlich ber\u00fchrt. Es g\u00e4be sehr viel mehr Liebe, die sich zeigen d\u00fcrfte, wenn wir nicht so ein verklemmtes Verhalten an den Tag legen w\u00fcrden, je sorgloser wir leben k\u00f6nnen und je weniger wir an unseren Tod denken. Jede Generation tut es ein bisschen weniger. Und erfindet stattdessen den Enthusiasten, den Naiven, die Phantasten, den Gutmenschen. Ihn vor allem, Ausbund und Inkarnation, Abbild einer L\u00e4cherlichkeit, wom\u00f6glich von selbsts\u00fcchtigen Motiven geleitet oder zumindest zu einem Scheitern verurteilt, das man sich doch selbst bitte besser gleich erspart.<br \/>\nUnd ich glaube, in dieser allgemeinen Tendenz, der Liebe jenseits von romantischen Teenager-Blogs keine wirkliche Stimme im Netz mehr zu geben, liegt das virtuelle wie reale Elend: Wir wagen sie eigentlich gar nicht mehr. Selbstlos kennen wir sie nicht, und einem Partner zugewandt trauen wir ihr nicht zu, in der Tr\u00e4gheit der relativen Langeweile und Sorglosigkeit zu bestehen. Das Leben ist ohne die Ewigkeit eh immer k\u00fcrzer geworden: Wir haben mehr Jahre als je zur Verf\u00fcgung, um mit dem Leben anzufangen, und kommen doch viel weniger weit als je. Wir denken nicht mehr hinter das Ende, wir denken es gar nicht.<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grade finde ich aus einem Arbeitstunnel heraus, der mein Leben online und offline mehr als eine Woche sehr verengt hat. Es waren Verwaltungsarbeiten rund um Steuer 2008, deren Ergebnisse rechtzeitig vor Jahresende bei der Steuerberaterin ankommen mussten: gut, dass es &#8218;rum ist, ich f\u00fchl&#8216; mich schwer erleichtert! 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