{"id":3527,"date":"2001-09-24T12:39:22","date_gmt":"2001-09-24T10:39:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3527"},"modified":"2022-05-15T12:50:16","modified_gmt":"2022-05-15T10:50:16","slug":"ruestungen-ablegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/09\/24\/ruestungen-ablegen\/","title":{"rendered":"R\u00fcstungen ablegen \u00a0&#8211; Rilke-Gedichte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Herbsttag<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gro\u00df.<br \/>\nLeg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,<br \/>\nund auf den Fluren la\u00df die Winde los.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Befiehl den letzten Fr\u00fcchten voll zu sein;<br \/>\ngib ihnen noch zwei s\u00fcdlichere Tage,<br \/>\ndr\u00e4nge sie zur Vollendung hin und jage<br \/>\ndie letzte S\u00fc\u00dfe in den schweren Wein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.<br \/>\nWer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,<br \/>\nwird wachen, lesen, lange E-Mails schreiben<br \/>\nund wird in den Alleen hin und her<br \/>\nunruhig wandern, wenn die Bl\u00e4tter treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Rainer Maria Rilke,<br \/>\nupdated.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Texte sind Ritterr\u00fcstungen, sagt mein Lebensgef\u00e4hrte. Und ich bin manchmal so unendlich m\u00fcde von ihrem Gewicht! Dann lese ich Gedichte, die sind so wohltuend anders, singen Lieder aus dem Herzen, eine Art Musik aus Buchstaben und Gef\u00fchlen.<\/p>\n<p>Rilke mag ich zum Beispiel sehr.<\/p>\n<p><center><strong>Spaziergang<\/strong><\/center><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Schon ist mein Blick am H\u00fcgel, dem besonnten,<br \/>\ndem Wege, den ich kaum begann, voran.<br \/>\nSo fa\u00dft uns das, was wir nicht fassen konnten,<br \/>\nvoller Erscheinung, aus der Ferne an &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,<br \/>\nin jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;<br \/>\nein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen &#8230;<br \/>\nWir aber sp\u00fcren nur den Gegenwind.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Auch im Herbst ber\u00fchrt mich das n\u00e4chste ganz besonders, vielleicht gerade im Herbst!<\/p>\n<p><center><strong>Vorfr\u00fchling<\/strong><\/center><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">H\u00e4rte schwand. Auf einmal legt sich Schonung<br \/>\nan der Wiesen aufgedecktes Grau.<br \/>\nKleine Wasser \u00e4ndern die Betonung.<br \/>\nZ\u00e4rtlichkeiten, ungenau,<br \/>\ngreifen nach der Erde aus dem Raum.<br \/>\nWege gehen weit ins Land und zeigens.<br \/>\nUnvermutet siehst du seines Steigens<br \/>\nAusdruck in dem leeren Baum.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><center><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/leerbaum.jpg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"424\" border=\"0\" \/><\/center><center><\/center>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herbsttag Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gro\u00df. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren la\u00df die Winde los. Befiehl den letzten Fr\u00fcchten voll zu sein; gib ihnen noch zwei s\u00fcdlichere Tage, dr\u00e4nge sie zur Vollendung hin und jage die letzte S\u00fc\u00dfe in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,10],"tags":[599,602,600,601],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3527"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3527\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}