{"id":3522,"date":"2001-09-10T12:07:42","date_gmt":"2001-09-10T10:07:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3522"},"modified":"2022-05-15T12:24:02","modified_gmt":"2022-05-15T10:24:02","slug":"schoene-welt-unter-nackten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/09\/10\/schoene-welt-unter-nackten\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Welt: Unter Nackten"},"content":{"rendered":"<p>Nie h\u00e4tte ich geglaubt, eines Tages ein Sauna-Fan zu sein! Bis mich meine Schwester vor gut zwei Jahren in die Wiesbadener Thermen f\u00fchrte, war das ganz undenkbar: Nackt unter v\u00f6llig fremden Menschen? Sich wom\u00f6glich anstarren lassen, mit dem herrschenden Sch\u00f6nheitsideal aus den Werbespots verglichen werden? Nicht mit mir! Dazu diese Hitze: Wie soll ein Mensch bei 90 Grad \u00fcberhaupt \u00fcberleben?<!--more--><\/p>\n<p>Solche und noch viel mehr verr\u00fcckte Vorstellungen hinderten mich viele Jahrzehnte, eine der angenehmsten Formen, seine Zeit zu verbringen, kennen zu lernen und zu genie\u00dfen! Bin meiner Schwester unendlich dankbar, dass sie es geschafft hat, mich locker-flockig ins Sauna-Geschehen zu initiieren. Ihr trockener Humor hat meine seltsamen \u00c4ngste schlicht unwirklich erscheinen lassen. Und au\u00dferdem: als &#8222;\u00e4ltere Schwester&#8220; kann man ja schlecht v\u00f6llig versagen und trotzig-zitternd beim &#8222;Ich mag nicht, ich trau&#8216; mich aber nicht!&#8220; stehen bleiben. Also nahm ich meinen letzten Mut zusammen und folgte ihr einfach nach, tat alles, was sie tat, h\u00fcllte mich in nichts als ein wei\u00dfes Handtuch und betrat die wunderbare Kaiser-Friedrich-Therme. In Wiesbaden haben schon die R\u00f6mer in den hei\u00dfen Quellen gebadet, warum verdammt nochmal also nicht auch ich?<\/p>\n<p>Wir begannen mit einem warmen Fu\u00dfbad, hey wie prosaisch, gesundheitsversessen, Kneipp-m\u00e4\u00dfig &#8211; ich w\u00e4hnte mich in einer Art Birkenstocksandalenwelt, und auch die Menschen um mich her waren ganz anders, als ich gef\u00fcrchtet hatte: Alte, Faltige, \u00dcbergewichtige schritten ungeniert zwischen den Becken und Duschen umher und auch die wenigen J\u00fcngeren, die in dieser Morgenstunde den Weg ins Bad gefunden hatten, wirkten nicht gerade wie aus der Langnese-Werbung gefallen! Und niemand guckte, alle schienen irgendwie in sich versunken, es war erstaunlich still, dazu das beruhigende Pl\u00e4tschern und Rauschen der Wassserspeiher und Duschen &#8211; ich entspannte mich. Wir badeten dann in der hei\u00dfen Quelle, die auf ertr\u00e4gliche Temperaturen heruntergek\u00fchlt ist, wechselten ins Kalte, dann wieder ins Warme, schlie\u00dflich die Sauna! Wow, was f\u00fcr ein Empfinden das ist, in diesen trocken-hei\u00dfen, gem\u00fctlich mit Holz vert\u00e4felten R\u00e4umen mit anderen zusammen die Elemente zu genie\u00dfen! Und danach ins eiskalte Tauchbecken, jetzt war ich mutig geworden und traute mich alles, was so dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und weil ich damals gerade gut verdiente, lud ich Schwesterherz gleich noch zu einem &#8222;Rasulbad&#8220; ein: Jeder bekommt auf einem Tellerchen drei Sorten farbigen Schlamm: hellbraun f\u00fcrs Gesicht, schwarz und rot zum beliebigen Verteilen. Damit begibt man sich in ein kleines rundes orientalisch wirkendes Keramik-Dampfbad, in das maximal vier Leute passen. Man schlammt sich mit der Heilerde ein, w\u00e4hrend aus dem Ofen zu leiser Musik der Dampf entweicht, am &#8222;Himmel&#8220; blinken Sterne. Etwa eine halbe Stunde tr\u00e4umte ich weg, verga\u00df das Denken, rieb mir den Schlamm \u00fcber die Haut, was ein tolles Peeling ergibt &#8211; und zuletzt &#8222;regnet&#8220; es so stark von der Decke, dass der Schlamm abgewaschen wird. Den Rest besorgt man mit dem Schlauch, danach gibt es \u00d6l zum Eincremen. Nie zuvor seit den Baby-Tagen hatte ich eine solche Haut!<\/p>\n<p>Seit damals ist Sauna f\u00fcr mich ein St\u00fcck Paradies, das ich nicht mehr missen will. Kaum zu glauben, da\u00df ich mich mal schwer davor gef\u00fcrchtet habe! Heute denk&#8216; ich so bei mir, man k\u00f6nnte viel viel mehr daraus machen, als die derzeitige Sauna-Kultur hergibt. Sich nackt begegnen hei\u00dft, die soziale Maske hinter sich lassen, nicht mehr auf Klamotten und Status setzen, einfach &#8222;nur Mensch&#8220; sein. Das hat was Befreiendes &#8211; w\u00e4re es nicht toll, dieses Erleben mit Menschen zu teilen, mit denen man auch sonst etwas zu tun hat? Und nicht nur in dieser Anonymit\u00e4t zu saunieren, jeder in sich versunken? Dass Helmut Kohl mit dem Jelzin ins Dampfbad gegangen ist, find&#8216; ich geradezu vorbildhaft!<\/p>\n<p>In Mecklenburg &#8211; bei den Ossis! &#8211; hab&#8216; ich es dann auch anders erlebt, lockerer, gemeinschaftlicher&#8230; Aber davon erz\u00e4hl ich ein andermal mehr. Jetzt, bzw. morgen fr\u00fch, fahr ich f\u00fcr vier Tage nach Wiesbaden. Und geh&#8216; nat\u00fcrlich mal wieder in die Therme&#8230;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3524\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/09\/kftb.jpg\" alt=\"Therme Wiesbaden\" width=\"262\" height=\"232\" \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nie h\u00e4tte ich geglaubt, eines Tages ein Sauna-Fan zu sein! 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