{"id":3519,"date":"2001-09-01T11:47:44","date_gmt":"2001-09-01T09:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3519"},"modified":"2022-05-15T11:59:24","modified_gmt":"2022-05-15T09:59:24","slug":"luftverbesserung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/09\/01\/luftverbesserung\/","title":{"rendered":"Luftverbesserung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit vorgestern nicht mehr geraucht, auch den Milchkaffe weggelassen. Normalerweise trink&#8216; ich einen guten Liter pro Tag, oft auch mehr. Da Kaffe und Zigaretten eine jahrzehntelang einge\u00fcbte Verbindung aufweisen, lasse ich am besten gleich beide weg, um den Kippen zu entkommen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Und wirklich: Es plagt mich kein heftiges Verlangen, ich f\u00fchle keinen &#8222;Suchtdruck&#8220;. Allerdings ist der gleichzeitige Entzug eines so umfangreichen &#8222;Giftkost\u00fcms&#8220; nicht ganz ohne. Die ersten Stunden f\u00fchlte ich mich wie eine Taucherin, leichtes Rauschen \u00fcberall, Matschbirne und ein Gef\u00fchl, als h\u00e4tte ich viel zu lange gebadet. Nicht mal unangenehm, solange man nichts arbeiten oder irgendwie spritzig-witzig auf die Welt reagieren mu\u00df. Noch jetzt f\u00fchl&#8216; ich mich wie in einem gut abged\u00e4mpften Glashaus &#8211; und so ruhig, unglaublich ruhig, als h\u00e4tten die Zellen zum ersten Mal seit Jahren Pause&#8230;. ist ja wohl auch ein ganz richtiger Eindruck, schlie\u00dflich fehlen zwei m\u00e4chtige aufputschende Substanzen.<\/p>\n<p>Schon seit Monate wusste ich, dass ich zum Ende des Sommers aufh\u00f6ren w\u00fcrde. Denn sobald es k\u00fchler wird und ich nicht mehr bei offener Balkont\u00fcr rauchen kann, wird es in der schnell verqualmten Bude einfach unertr\u00e4glich stickig, Haare und Klamotten stinken nach kaltem Rauch &#8211; ihhhhhh, so was kann ich schon lang nicht mehr haben! Und alle paar Minuten meine T\u00e4tigkeiten zu unterbrechen, um drau\u00dfen in der K\u00e4lte oder hinten in der K\u00fcche eine zu qualmen, ist auch nicht mein Ding. Das kann man mit sechs oder zehn Zigaretten pro Tag ganz gem\u00fctlich durchziehen, aber nicht mit &#8222;ordentlichen&#8220; Mengen. In Mecklenburg bewohnte ich allein eine ganze Etage mit riesigen hohen R\u00e4umen, der Rauch konnte sich optimal verteilen &#8211; hier ist jetzt wieder r\u00e4umliche Selbstbeschr\u00e4nbkung angesagt, Pech f\u00fcr die Zigarettenindustrie, ich geh&#8216; als Kundin verloren.<\/p>\n<p>Seit 1998 ist es mein drittes Aufh\u00f6ren, die Stammleser werden sich vielleicht eins grinsen! Damals schrieb ich monatelang das Nichtrauchertagebuch <a href=\"http:\/\/home.snafu.de\/klinger\/glueck\/nrdiryfs.htm\" target=\"new\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/>&#8222;Power of Now&#8220;<\/a>, wurde eine gelehrige Sch\u00fclerin von Alan Carr, dem Nichtraucherpabst &#8211; und als mir das Thema langweilig geworden war, beendete ich das Diary und fing schon bald wieder an zu rauchen. Heute mag ich da nicht mal mehr &#8218;reinlesen, so sehr \u00f6den mich die ganzen Heilserwartungen an: das &#8222;Nichtrauchen&#8220; als &#8222;Utopie-Ersatz&#8220;, Gesundung f\u00fcr mich, Gesundung f\u00fcr alle, die vom Nikotin loskommen und f\u00fcr den ganzen Rest der Welt, wenn wir die Zigarettenindustrie besiegen&#8230;. ach je!<\/p>\n<p>Wie schnell so etwas scheitert. Dabei ist es doch nicht verwunderlich: Wenn einem kleinen Glimmstengel mit ein paar Stimmungsgiften derart viel Bedeutung gegeben wird, BEH\u00c4LT er diese auch! Und sobald ich &#8211; warum auch immer &#8211; auf &#8222;gesund&#8220; mal wieder pfeife, ist auch die Kippe wieder dran. Oder es kommt ganz pl\u00f6tzlich die Einsicht: Auch Nichtraucher sterben, warum also g\u00f6nn&#8216; ich mir nicht eine?&#8220; Fanatische Gesundheitsapostel und Nikotin-Gegner tun dann noch ein \u00fcbriges, um einem den Wieder-Einstieg nahe zu legen&#8230;<\/p>\n<p>Nein, das bringt&#8217;s alles nicht. Vom Nicht-Rauchen (schon so ein absdurder Begriff!) ist nichts Besonderes zu erwarten: Kein Heil, keine Unsterblichkeit, kein Besser-Sein-als-Andere &#8211; nicht mal sicheren Schutz gegen die n\u00e4chste Erk\u00e4ltung. Daf\u00fcr spart es jede Menge Geld und in den Zimmern riecht die Luft besser.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vorgestern nicht mehr geraucht, auch den Milchkaffe weggelassen. Normalerweise trink&#8216; ich einen guten Liter pro Tag, oft auch mehr. 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