{"id":3515,"date":"2001-08-20T11:29:42","date_gmt":"2001-08-20T09:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3515"},"modified":"2022-05-15T11:35:33","modified_gmt":"2022-05-15T09:35:33","slug":"ciao-buddha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/08\/20\/ciao-buddha\/","title":{"rendered":"Ciao Buddha!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich jetzt meinen Eintrag vom 12.Juli &#8222;<a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/07\/12\/was-du-nicht-erfuehlen-kannst-das-wirst-du-nicht-erjagen\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Was du nicht erf\u00fchlen kannst<\/a>&#8220; nochmal lese, kann ich es kaum glauben, wie schnell sich die Dinge ver\u00e4ndern &#8211; kaum hatte ich meine Stagnation ausformuliert, begann sie auch schon, sich aufzul\u00f6sen&#8230; Naja, so sieht es jetzt das positive Erinnerungsverm\u00f6gen, immerhin hat der Zustand, den ich bei mir &#8222;W\u00fcste&#8220; nenne, lange lange angehalten: Nicht mehr wissen, WOZU das Ganze, nicht mehr tr\u00e4umen, keinen Wunsch mehr erleben, der \u00fcber das Stadium &#8222;blasser Gedanke&#8220; hinaus kommt &#8211; und das dann auch noch f\u00fcr einen sinnvollen Endzustand halten, nur leider zum Geld verdienen nicht besonders geeignet&#8230; Jetzt find&#8216; ich das schon wieder richtig lustig!<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/buddha.jpg\" alt=\"Buddhastatue\" width=\"200\" height=\"265\" class=\"alignleft size-full wp-image-3516\" \/><\/p>\n<p>Der Ansatz \u00fcber &#8222;F\u00fchlen&#8220; ist jedenfalls richtig: Nicht gr\u00fcbeln, sondern einfach zugucken, was da eigentlich l\u00e4uft oder eben nicht l\u00e4uft, sp\u00fcren, wie sich das anf\u00fchlt. Der Verstand darf sich im Diary austoben und gern immer neue &#8211; mehr oder weniger brilliante &#8211; Beschreibungen verfassen. Etwas \u00c4NDERN geht mit ihm alleine nicht, das wei\u00df ich schon lang. Man kann sich selbst nicht inszenieren, ganz einfach, weil wir gar nicht wissen, was wir sind, wo wir anfangen und aufh\u00f6ren, und ab wo &#8222;Welt&#8220; bzw. die Anderen hereinwirken.<\/p>\n<p>Als ich \u00fcber die R\u00fcckkehr der W\u00fcnsche schrieb, hatte ich nur vor, aktuelle W\u00fcnsche aufzuz\u00e4hlen, ganz &#8222;normale&#8220; W\u00fcnsche, die f\u00fcr mich aber neu sind: lange lange nicht mehr erlebt! Dass das dann gleich im ersten Satz zum Gedicht geriet, hat mich verwundert, aber auch begeistert. Die Reimform erleichtert n\u00e4mlich &#8211; ganz ohne Gr\u00fcbeln! &#8211; auf fast m\u00e4rchenhafte Weise, wichtige Dinge zur Sprache zu bringen, Hindernisse zu benennen und beiseite zu r\u00e4umen, die mich lange davon abgehalten hatten, \u00fcberhaupt noch irgend etwas zu w\u00fcnschen. Jetzt sehe ich, dass ich jeden aufkommenden Wunsch immer schon im Ansatz abgeb\u00fcgelt hatte: nix da! Das f\u00fchrt nirgendwohin, das verschmutzt die Landschaft, fri\u00dft Ressourcen, macht krank, verbraucht Energie, lenkt vom Wesentlichen ab, ist sinnlos und l\u00e4cherlich, zudem \u00e4u\u00dferst egoistisch angesichts der Lage der Welt. Wozu nach etwas streben? Verlangen ist Anhaften und Anhaften bringt Leiden&#8230;.usw. usf.<\/p>\n<p>Der Buddhismus-Virus, kurz gesagt. Womit ich nicht behaupten will, ich w\u00e4re von buddhistischer Seite ideologisch indoktriniert, bewahre! Ich liebe Buddhismus und auch jetzt lese ich gerade wieder mit Freude ein buddhistisches Buch: &#8222;\u00d6sel Tendzin &#8211; Buddha zum Greifen nah.&#8220; (Der Autor schafft es, in ganz einfacher Sprache zu den letzten Dingen vorzudringen und die buddhistische Sicht zu entfalten: klasse!) Gerade anhand der Gef\u00fchle zu den buddhistischen Texten \u00fcber das Leiden kann ich Ver\u00e4nderungen gut feststellen. In der Phase &#8222;ohne W\u00fcnsche&#8220;, die gerade zu Ende geht, war da immer heftiger Widerspruch zu Buddhas Ausgangsbasis &#8222;Alles Leben ist Leiden&#8220;. Mit dem Verstand erkannte ich, dass im \u00f6stlichen Denken jede Ver\u00e4nderung als leidhaft angesehen wird und deshalb ALLES als Leiden erscheint: Alles Sch\u00f6ne und Gute verschwindet ja irgendwann mal &#8211; das kann also nix sein! Spitzfindig b\u00fcgelte ich die Frage mit dem Gegenargument ab, dass das ja nicht mehr stimme, wenn man Ver\u00e4nderung nicht negativ, sondern positiv bewertet. Ganz so, als w\u00e4re ich wirklich frei, das auch ZU TUN!!! Und warum wollte ich \u00fcberhaupt widersprechen, so wunschlos, wie ich mich vermeintlich f\u00fchlte?<\/p>\n<p>Es ist nicht so einfach wegzudiskutieren, dass Ver\u00e4nderung f\u00fcr uns gew\u00f6hnliche Unerleuchtete recht oft Leiden bringt: heute erlebt das auch im Westen jeder (ehemals) verschnarchte Beamte, dessen Arbeitsplatz erst zum &#8222;Dienstleistungscenter&#8220; und dann gleich noch in Richtung &#8222;E-Government&#8220; umgebaut wird. (Alter, Krankheit und Tod sind sowieso immer schon globalisiert).<\/p>\n<p>Leiden meiden und nach Freude streben, das Angenehme dem Unangenehmen vorziehen, symphatische Menschen lieben und die Knallk\u00f6ppe hassen oder zumindest ignorieren &#8211; das ist der ganz normale Zustand und ich kann nicht behaupten, ihn jemals auf Dauer verlassen zu haben. Allenfalls hab&#8216; ich immer weniger ins Feuer gefa\u00dft, um mir nicht schon wieder die Finger zu verbrennen. Und das als &#8222;Gelassenheit&#8220; verkauft&#8230;<\/p>\n<p>Und jetzt? Es ist nicht leicht, Prozesse gedanklich zu fassen, die gerade laufen, man veranstaltet sie ja nicht selbst, sondern wird von ihnen ergriffen. Sie ergeben sich &#8222;von selbst&#8220; und unterminieren totgelaufene Denk- und Verhaltensweisen, sofern man vor dem, was nun mal grad so ist, nicht innerlich flieht: weder verteidigen noch krampfhaft \u00e4ndern wollen, zur Not bis hin zum Verlernen, was &#8222;Wollen&#8220; ist&#8230;.<\/p>\n<p>Alles was ich jetzt (wieder..) wei\u00df, pa\u00dft in einen einfachen Satz: Nicht Ver\u00e4nderung m\u00fchsam umbewerten, sondern Leiden akzeptieren; das ist die immer offene T\u00fcr zur Lebendigkeit. Alles Leben ist Leiden &#8211; so what? Will ich deshalb vorzeitig tot sein? Will ich nicht!<\/p>\n<p>Tja, manchmal sind geistige Befreiungs\u00fcbungen genauso wichtig wie z.B. Yoga-Asanas, mit denen man psychophysische Verspannungen so wunderbar l\u00f6sen kann! Und ich f\u00fchle mich gel\u00f6st, sehe staunend zu, was f\u00fcr W\u00fcnsche so alles aufkommen: z.B: w\u00fcrde ich furchtbar gerne Budhha-Statuen sammeln, vielleicht sogar produzieren lassen &#8211; und dann einen Laden und eine Website aufmachen! Oder neulich tr\u00e4umte ich davon, mal selber eine Saunalandschaft zu gestalten, weil ich doch nie zufrieden bin mit dem, was ich in Berlin so vorfinde. Auch ein &#8222;Best of Diary&#8220;-Buch stelle ich mir vor &#8211; aber nicht als Bod (Book on Demand), sondern sch\u00f6n und teuer, von engagierten Hobby-Buchbindern in Leder gebunden&#8230;<\/p>\n<p>Solche W\u00fcnsche realisieren heisst, in einer anderen Liga spielen, was die Finanzen angeht. Kein Grund, die W\u00fcnsche gleich wieder wegzuschicken, sie sind wie Samen, die ins Keimen kommen, die werde ich jetzt gie\u00dfen anstatt sie zu j\u00e4ten! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich jetzt meinen Eintrag vom 12.Juli &#8222;Was du nicht erf\u00fchlen kannst&#8220; nochmal lese, kann ich es kaum glauben, wie schnell sich die Dinge ver\u00e4ndern &#8211; kaum hatte ich meine Stagnation ausformuliert, begann sie auch schon, sich aufzul\u00f6sen&#8230; Naja, so sieht es jetzt das positive Erinnerungsverm\u00f6gen, immerhin hat der Zustand, den ich bei mir &#8222;W\u00fcste&#8220; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3515"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3515\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}