{"id":3506,"date":"2001-08-08T10:21:51","date_gmt":"2001-08-08T08:21:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3506"},"modified":"2022-05-15T10:33:31","modified_gmt":"2022-05-15T08:33:31","slug":"raus-in-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/08\/08\/raus-in-die-welt\/","title":{"rendered":"Raus in die Welt?"},"content":{"rendered":"<p>Sieben Wochen Berlin sind es jetzt und ich f\u00fchle mich bereits, als wohnte ich schon ewig hier in Friedrichshain &#8211; kein Wunder, sieht es doch genauso aus wie meine alte Heimat Kreuzberg vor f\u00fcnfzehn Jahren. Die zwei Jahre Mecklenburg, Schlo\u00df Gottesgabe, das wunderbar weite Land mit den hohen Horizonten und den endlosen Feldern ist fast nur noch ein Traum, als w\u00e4r&#8216; es sehr sehr lange her&#8230;. <!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/08\/rapsfeld.jpg\" alt=\"Rapsfeld\" width=\"801\" height=\"511\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3508\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/08\/rapsfeld.jpg 801w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/08\/rapsfeld-300x191.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/08\/rapsfeld-650x415.jpg 650w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2001\/08\/rapsfeld-768x490.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/p>\n<p>Tags\u00fcber bin ich jetzt immer allein, denn seit drei Wochen hat mein liebster Freund einen Job, der ihn fr\u00fch morgens aus dem Haus treibt. Es ist anders, in der Wohnung allein zu sein, ohne die st\u00e4ndige M\u00f6glichkeit, zu einer kurzen Plauderei in die K\u00fcche oder ins Nebenzimmer gehen zu k\u00f6nnen. Zwar f\u00fchl&#8216; ich mich nicht einsam wie noch vor zwei Jahrzehnten, als ich alleine wohnte und kaum je zuhause aushielt, ja, ich sch\u00e4tze es sogar, mal ganz ohne Resonanz und Input aus Real World nur f\u00fcr mich zu sein &#8211; aber will ich das auf Dauer so haben?<\/p>\n<p>Es regnet, ich trete raus auf den Balkon, schau&#8216; nach links und rechts und beobachte ein wenig das Sanierungsgeschehen, das mich das halbe Leben schon begleitet. Es ist jetzt wie eingraviert in meiner Wahrnehmung Gewohnheit, so tief, dass ich mich nur unter Bauger\u00fcsten richtig heimisch f\u00fchle! Komisch eigentlich: erst leidet man unter der Nerverei (L\u00e4rm, Hindernisse, fabrikhaft wirkendes Gest\u00e4nge an Gr\u00fcnderzeit-Fassaden), dann gew\u00f6hnt man sich dran, bemerkt es schlie\u00dflich nicht mehr, sehnt sich auf einmal danach, wenn es pl\u00f6tzlich fehlt &#8211; und letztlich findet man es sogar sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Soll ich mir vielleicht einen Job suchen? Der pl\u00f6tzlich aufblitzende Gedanke irritiert mich, kommt mir sogar ziemlich entlegen vor nach f\u00fcnf Jahren Selbst\u00e4ndigkeit &#8211; aber irgendwie bringt er eine Saite ins Schwingen, die schon allzu lange stumm ist: Rausgehen aus der Wohnung, um zu arbeiten, mit physisch anwesenden Menschen Face to Face zusammen sein. Fragen wie &#8222;was?&#8220;, &#8222;warum?&#8220;, &#8222;wieso?&#8220; und &#8222;wie&#8220; nicht immer nur alleine erdenken, kreieren, beantworten und die Antworten verteidigen m\u00fcssen &#8211; das w\u00e4r&#8216; doch mal was?<\/p>\n<p>Meine sich \u00fcber Monate schleppende Sinnkrise, was die Arbeit angeht, hat eine ihrer Wurzeln in der Anmutung, was immer ich anfange, letztlich &#8222;nur f\u00fcr mich allein&#8220; tun zu sollen: Um Geld zu verdienen und dabei noch maximalen Spa\u00df zu haben. Genau das hatte ich ja all die Jahre &#8211; aber irgendwie l\u00e4uft es sich tot: Ich, ich und wieder ich &#8211; und jetzt m\u00fc\u00dfte ich auch noch eine richtige Angebots-Seite machen, auf der ich mich ordentlich anpreise&#8230;<\/p>\n<p>Was ich f\u00fchle, ist keinesfalls ein Anfall von Altruismus oder Weltverbesserungswunsch, nichts dergleichen. Auch kein mangelndes Selbstwertgef\u00fchl, denn ich wei\u00df jetzt weit besser noch als fr\u00fcher, was ich gut kann, wo meine Talente liegen und was ich an Einsatz bringen kann, wenn der Sachzwang m\u00e4chtig auf die Tube dr\u00fcckt. Es verlangt mich einfach danach, Teil einer gr\u00f6\u00dferen Aufgabe zu sein, mich in eine vorhandene Struktur einzuklinken und mein Bestes zu geben &#8211; in steter Reibung an fremden Impulsen, in Auseinandersetzung mit konkreten anfassbaren Menschen und all den Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man zwar in die gleiche Richtung will, aber jeder wom\u00f6glich denkt, sein Weg sei der beste&#8230;. anstrengend, ja, aber auch inspirierend, erf\u00fcllend &#8211; und dann kommt man abends nach Hause und hat sowas wie &#8222;Feierabend&#8220; &#8211; wow!<\/p>\n<p>Meine Gedanken wandern zur\u00fcck in die 90er, zur KEBAB gGmbH, wo ich zwei Jahre Projektleiterin war: Energiesparkampagnen entwickeln und mit 18 Leuten unterschiedlichster Herkunft umsetzen. Da gab es die Engagierten, mit denen ich \u00fcber die &#8222;richtige Richtung&#8220; verhandelte, aber auch die innerlich Abwesenden, die am liebsten ihre Ruhe haben wollten &#8211; wobei es zu meinem Job geh\u00f6rte, ihnen auf die F\u00fc\u00dfe zu treten. Dann die Sch\u00fcchternen und Zur\u00fcckhaltenden, die sich nichts zutrauten, denen ich immer erst sagen mu\u00dfte, wie einfach die Dinge im Grunde sind und da\u00df sie es doch schon verdammt gut hinbekommen&#8230; dazu dann noch die &#8222;Papierwelt&#8220; mit ihren Verr\u00fccktheiten: bis zu acht verschiedene finanzierende Beh\u00f6rden und Institutionen, von denen jede erst Geld bewilligen wollte, wenn sicher w\u00e4re, dass auch die anderen das ganz gewi\u00df tun w\u00fcrden&#8230; Zigseitige Antr\u00e4ge schreiben, Geh\u00e4lter und Sachmittel kalkulieren f\u00fcr Aufgaben, die erst ein Jahr sp\u00e4ter konkret geplant werden sollten &#8211; manchmal hab&#8216; ich selber kaum mehr glauben k\u00f6nnen, dass das alles wirklich funktioniert, unendlich sperrig manchmal, aber doch.<\/p>\n<p>Als dann mal wieder Mittel gek\u00fcrzt wurden, bin ich gegangen. Ich hatte das Internet, speziell das Web entdeckt und mich ein halbes Jahr bem\u00fcht, bei KEBAB Interesse daf\u00fcr zu wecken. Ohne Erfolg, es war einfach noch zu fr\u00fch, damals 1995. Ich war bis zu den Haarwurzeln fasziniert und machte mich also alleine auf den Weg.<\/p>\n<p>Gerade mal bei google gesucht: Klar doch, HEUTE hat nat\u00fcrlich auch die KEBAB gGmbH eine Website&#8230;<\/p>\n<p>Mein Lebensgef\u00e4hrte beneidet mich zur Zeit darum, da\u00df ich tags\u00fcber zu Hause bleiben kann &#8211; und ich bin mir grad nicht mehr sicher, ob ich das noch gut finde! Bin mal gespannt, ob das eine Anwandlung bleibt, die vor\u00fcber geht, oder ob es sich wom\u00f6glich verdichtet. Alles von Fragen der Machbarkeit mal noch ganz abgesehen, schlie\u00dflich sind &#8222;Arbeitspl\u00e4tze&#8220; nicht grad breit gestreut, schon gar nicht solche mit Sinn. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben Wochen Berlin sind es jetzt und ich f\u00fchle mich bereits, als wohnte ich schon ewig hier in Friedrichshain &#8211; kein Wunder, sieht es doch genauso aus wie meine alte Heimat Kreuzberg vor f\u00fcnfzehn Jahren. 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