{"id":35,"date":"2006-09-25T20:43:38","date_gmt":"2006-09-25T18:43:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/09\/25\/vom-panikpunkt-zum-wesentlichen\/"},"modified":"2006-09-28T08:12:56","modified_gmt":"2006-09-28T06:12:56","slug":"vom-panikpunkt-zum-wesentlichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/09\/25\/vom-panikpunkt-zum-wesentlichen\/","title":{"rendered":"Vom Panikpunkt zum Wesentlichen"},"content":{"rendered":"<p>Nun hab ich drei Wochen &#8222;Arbeit mit Wochenplan&#8220; hinter mir. Wenn ich auch nicht immer 100%-Planerf\u00fcllung schaffe, so ist die Herangehensweise doch schon ein gro\u00dfer Erfolg. Anders als mit der niemals endenden ToDo-List, auf der ich wahllos gro\u00dfe Werke und organisatorische Kleinigkeiten, Kundenprojekte und eigene Vorhaben auflistete, zwingt der Wochenplan zu einem \u00dcberblick \u00fcber ALLE Arbeiten, an denen ich dran bin, bzw. dran sein will. Um ihn erstellen zu k\u00f6nnen, kam ich schnell zu einer \u00fcbergeordneten Projektliste, an der entlang ich von Woche zu Woche erkenne, ob ich &#8222;voran&#8220; gekommen bin. Und JA, es geht!!!  Auf diese Weise hab ich einige Dinge geschafft und begonnen, die ich fr\u00fcher immer nach hinten schob, weil es im Moment &#8222;Wichtigeres&#8220; gab. Jetzt wei\u00df ich, wann und wieviel &#8222;Wichtiges&#8220; zu tun ist und plane diese Dinge einfach mit ein.<\/p>\n<p>So ist es mir z.B. endlich gelungen, die eigene <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/webwork\/\">Freiberufler-Seite<\/a> auszubauen, die viele Jahre als blo\u00dfe  Linkliste mit Mailto vor sich hin d\u00fcmpelte (so haben es Leute, die mich ihrer Firma\/ihrem Verein\/ihrer Organisation empfehlen wollen, endlich leichter). Auch in Gestaltung und Produktion der Bildkalender bin ich eingestiegen, die ich demn\u00e4chst auf verschiedenen Webprojekten anbieten will.  Die lange geplante Website zum Verkauf meiner <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/buddha\/\">Buddha-Statue<\/a> hat (hiermit!) das Licht der Welt erblickt &#8211; und sogar so was Langweiliges wie &#8222;Steuer 2005&#8220; ist schon bei der Steuerberaterin im Kasten, obwohl es bis Ende Dezember Zeit gehabt h\u00e4tte.<!--more--><\/p>\n<p>Komischerweise empfinde ich &#8222;den Plan&#8220; jetzt nicht mehr als belastende Zwangsma\u00dfnahme, sondern als Navigationshilfe im Gewirre meiner vielen ganz unterschiedlichen Aktionsfelder. Durch ihn wird mir der reale Umfang der einzelnen T\u00e4tigkeiten bewusst. Endlich nehme ich Dinge als Arbeit wahr, die nicht direkt &#8222;gestaltend&#8220; oder &#8222;schreibend&#8220;, also &#8222;Werk-nahes&#8220; Tun sind, sondern vor- oder nachbereitend, planend, beratend, besprechend und recherchierend &#8211; und dabei genauso &#8222;zeitfressend&#8220; wie das &#8222;Eigentliche&#8220;.  Dieses Bewusstsein macht es leichter, solche Leistungen auch in die Auftragshonorare einzurechnen &#8211; sei es als explizit benannte Posten oder mittels der H\u00f6he des Stundensatzes bzw. Pauschalhonorars.     Und das Gef\u00fchl am Ende der Woche ist super: wow, ich hab&#8216; was weggeschafft, bin tats\u00e4chlich weiter gekommen!<\/p>\n<p><strong>Wohin &#8222;fortschreiten&#8220;?? <\/strong><\/p>\n<p>Das psychische Wohlbefinden ist nicht etwa abh\u00e4ngig vom Kontostand. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Zwar gibt es einen &#8222;Panik-Punkt&#8220;, wenn ich etwa absehen kann, dass ich gerade noch die Abbuchungen zum Monatswechsel schaffe, damit aber dem Dispo-Ende sehr nahe komme. Wenn dann nichts Festes in Aussicht ist und auch keinerlei R\u00fccklage existiert, werde ich sehr umtriebig und die innere Ruhe ist dahin.  Ist der Panik-Punkt aber \u00fcberwunden, sehe ich \u00fcblicherweise keinen Grund mehr, etwas am Status Quo zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Mein letzter &#8222;Panik-Punkt&#8220; war im Oktober 2005. Damals hab ich hier <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/ondemand.html\">Diary-Sponsoring mit Wunschthema<\/a> ausgelobt, was auf die Schnelle ein paar hundert Euro brachte (noch mal 1000 Dank!). Ein Freund hat mir einen Privatkredit angeboten, den ich seither gem\u00fctlich abstottere, und ich bin  auch tief eingestiegen in das &#8222;\u00dcberblick verschaffen&#8220; und &#8222;Arbeit planen&#8220;. Allerdings nicht so sehr aus eigenem Antrieb, sondern unter dem sanften und \u00e4u\u00dferst wohlmeinenden Druck meines Kreditgebers, der mich einerseits f\u00f6rdern, andrerseits ein Wiedersehen mit seinem Geld zumindest wahrscheinlich machen wollte.<\/p>\n<p>Damals hat es mich f\u00fcr kurze Zeit fasziniert, den vollen Durchblick durch Kosten und Eink\u00fcnfte zu gewinnen &#8211; allerdings empfand ich das &#8222;Zukunft planen&#8220; auf dieser Basis als \u00e4u\u00dferst spekulativ, weshalb ich es auch nicht weiter betrieb. Die ganze Planerei versackte schnell im Business as usual, denn sobald deutlich wurde, dass die Ratenzahlung verl\u00e4sslich klappt, empfand ich dar\u00fcber hinaus keine &#8222;Bringschuld&#8220; mehr gegen\u00fcber dem Kreditgeber. Und ein eigenes Motiv, mich diesseits der Katastrophenbew\u00e4ltigung um &#8222;mehr Geld verdienen&#8220; k\u00fcmmern zu wollen, hatte ich ja nicht. Wenn die Betr\u00e4ge, die auf dem Konto landen, ausreichen, um die Abbuchungen (jetzt inkl. Kreditrate) und minimalen Bargeldsummen zu decken, wende ich mich gerne spannenderen Themen zu, die es ja haufenweise gibt!  Das hat seit 1997 gut funktioniert, die wenigen &#8222;Panikpunkte&#8220; haben nicht geschadet, die &#8222;Hoch-Umsatz-Phasen&#8220;, die es ebenfalls gab, haben nichts <em>gen\u00fctzt<\/em> &#8211; ja bin ich denn nicht der gl\u00fccklichste Mensch auf Erden, was das &#8222;Leben &#038; Arbeiten&#8220; angeht? Ich tue, was ich tun will, folge meinen Impulsen, nehme Auftr\u00e4ge an, die herein kommen, veranstalte gelegentlich einen Schreibkurs &#8211; was will ich denn MEHR?<\/p>\n<p><strong>Visualisier doch mal! Hm&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Bis k\u00fcrzlich war da wirklich nichts. Alle Ratgeber- und Coaching-Weisheiten, man m\u00f6ge seine W\u00fcnsche visualisieren und sich Ziele setzen, um der eigenen Motivation Kraft und Gestalt zu geben, gingen nutzlos an mir vorbei. Ich konnte tats\u00e4chlich nichts anderes als &#8222;w\u00fcnschbar&#8220; imaginieren, als die Fortsetzung dessen, was ist: weiter so arbeiten, schreiben, Webprojekte gestalten wie bisher, weiter in Berlin-Friedrichshain wohnen in dieser wundersch\u00f6nen 2-Zimmer-Altbauwohnung, die genau zu mir passt &#8211; ja was denn sonst?? Mit einigem Gr\u00fcbeln kam ich noch drauf, dass es sch\u00f6n w\u00e4re, auch selbst mal Andere mit Geld und n\u00fctzlichen Geschenken begl\u00fccken zu k\u00f6nnen, Menschen, die handfestere Dinge brauchen als kostenlose &#8222;Web-Arbeit f\u00fcr Freunde&#8220;: eine neue Couch, einen Kredit, ein Essen in einem teuren Restaurant&#8230;<\/p>\n<p>Es war mal nett, mich als gl\u00fcckbringende Probleml\u00f6serin und Konsum-Fee zu visualisieren, doch die Vision hat mein &#8222;W\u00fcnschen&#8220; nicht nachhaltig stabilisieren k\u00f6nnen. Reiner Altruismus scheint (leider!) nicht zu reichen, und um geliebt zu werden, muss ich nicht erst noch was leisten, zahlen, schenken. Wer mich mag, mag mich ja auch jetzt schon, da bringt &#8222;reicher werden&#8220; nicht wirklich was. Eher im Gegenteil: wenn ich stressiger arbeite und effizienter nach dem Mammon jage,  bin ich f\u00fcr Andere schnell mehr Last als Lust.  Loslassen und den Augenblick genie\u00dfen wird dann zur Ausnahme: Sorgen-gebeugt und vom Ehrgeiz getrieben nerve ich meine Mitwelt&#8230; ach nee, das konnte es nicht sein!<\/p>\n<p>Nix Vision, kein Ziel, schlichtes &#8222;weiter so&#8220; &#8211; es machte mir nichts aus, im Feld des Strebens nach Effektivit\u00e4t und &#8222;planvoller Lebensgestaltung&#8220; nicht gerade zu gl\u00e4nzen. Problematisch erschienen mir immer eher diejenigen, die in eiserner Selbstdisziplin ungeliebte Arbeiten leisten bis sie nicht mehr k\u00f6nnen. Menschen, die niemals an Alternativen denken, sondern im Joch von Besitz- und Status-Erhalt jegliches H\u00f6ren auf die innere Stimme verlernt haben. Gefangene ihrer Best\u00e4nde &#8211; sie zu bedauern liegt mir weit n\u00e4her als ihnen nachzustreben.<\/p>\n<p><strong>Weite Ferne &#8211; gro\u00dfe Schw\u00e4che<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Erlebnisse haben mittlerweile diese Selbstgen\u00fcgsamkeit angekratzt:  Die <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/category\/kulturschock-kambodscha\/\">Reise nach Kambodscha<\/a> im Februar hat mich als bis dahin \u00fcberzeugte Nicht-Urlauberin schwer beeindruckt. Erm\u00f6glicht durch das vom Gastgeber geschenkte Ticket f\u00fcr meinen Begleiter und mich, kickte mich diese Reise derart &#8222;raus aus allem Gewohnten&#8220;, dass ich Geschmack an dieser Art Abenteuer fand. Gerne w\u00fcrde ich wieder hinfliegen, hab&#8216; ja die Flugangst halbwegs \u00fcberwunden:  die &#8222;ferne Welt&#8220; steht mir also grunds\u00e4tzlich offen! L\u00e4nger im Land herum reisen, auch mal nach Vietnam, Laos, Myanmar (Burma)&#8230; tja, daf\u00fcr br\u00e4uchte ich aber deutlich mehr Geld!<\/p>\n<p>Das zweite Erlebnis war eine ganz banale fiebrige Erk\u00e4ltung:  Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich tagelang \u00fcber 39 Fieber und f\u00fchlte mich komplett arbeitsunf\u00e4hig. Und musste TROTZDEM schnellstm\u00f6glich wieder aufstehen, mich an den &#8222;Kampfstand PC&#8220; begeben und  weiter arbeiten &#8211; immer am Ball, immer zuverl\u00e4ssig, wie es sich f\u00fcr eine gute Dienstleisterin geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das gab mir zu denken: Was, wenn die Schw\u00e4che mal l\u00e4nger anh\u00e4lt? Wenn ich mal ein paar Wochen richtig krank bin? Dann darf ich mich zeitgleich noch damit befassen, meine Arbeits- und Beh\u00f6rdenfront auf Hartz 4 und Krankenkasse herunter zu fahren &#8211; wie soll das gehen??? Und selbst wenn ich es schaffte: es w\u00e4re ja sowas von absurd und \u00fcberfl\u00fcssig, m\u00fcsste alsbald wieder zur\u00fcck ge\u00e4ndert werden. Viel Nerverei, Antrags- und Papierkrieg, blo\u00df weil ich von der Hand in den Mund lebe und keine R\u00fccklage existiert, um so was zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Nein, darauf hab&#8216; ich keine Lust! Wenn ich krank bin, will ich mich ohne \u00e4u\u00dfere Sorgen den Fiebertr\u00e4umen hingeben k\u00f6nnen &#8211;  und daf\u00fcr brauche ich eben deutlich mehr Geld.<\/p>\n<p>Diese beiden aus Lust und Leid geborenen W\u00fcnsche reichten nun endlich hin, mir die <a href=\"http:\/\/www.schreibimpulse.de\/kurs_200610.html\">Kraft zur Ver\u00e4nderung<\/a> zu geben. Mal wirklich angegangen, wird das Projekt &#8222;mehr und stetiger verdienen, R\u00fccklage bilden&#8220; zu einem interessanten Abenteuer,  zu einer Herausforderung, die ins Neuland lockt und alte Verhaltensweisen auf den Pr\u00fcfstand stellt. Endlich ergibt sich ein Schritt aus dem anderen:  Der Wochenplan erfordert die Projekt-Liste, die wiederum danach schreit, Ziele festzulegen. Neben der \u00dcbersicht \u00fcber die finanziellen Zu- und Abfl\u00fcsse kann ich nun locker konkretisieren, was ich in Sachen Einkommen und R\u00fccklage erreichen will.  Als mir mein Liebster dann noch einen &#8222;Investitionsplan&#8220; vorschlug, fremdelte ich erst noch leicht, erfasste dann aber schnell, dass es ganz n\u00fctzlich ist, mal aufzulisten, was ich gerne erneuern, ver\u00e4ndern oder anschaffen m\u00f6chte, von der Fu\u00dfst\u00fctze unterm Schreibtisch \u00fcber Pinnwand, Flip-Chart, neues Telefon bis hin zum Gasherd (=nur noch zwei Flammen!) zur Renovierung und zum n\u00e4chsten Zahnersatz, den ich sowieso werde zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich hab&#8216; dann gleich noch ein Wellness-Wochenende in Mecklenburg dazu geschrieben und die Liste in &#8222;Investitions- und Konsumplan&#8220; umgetauft! Merke: ich hab nicht etwa KEINE W\u00fcnsche, sie fallen mir nur zu selten ein!<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Warum ich das alles hier erz\u00e4hle? Es hilft mir, den roten Faden zu finden und zu halten, nicht wieder sang- und klanglos im &#8222;\u00dcblichen&#8220; zu versacken. Auch kenne ich genug Leute, denen es \u00e4hnlich geht, die in den 10.000 Dingen und Umtriebigkeiten schon  mal versacken, aber zu nichts kommen, weil der t\u00e4gliche &#8222;Druck des Vielf\u00e4ltigen&#8220; die Konzentration aufs Wesentliche nahezu verunm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Was das Wesentliche ist? F\u00fcr mich ist es zum Beispiel die Freiheit, alles mal loslassen zu k\u00f6nnen, was meinen Alltag ausmacht. Sei es, weil ich zu krank und schwach bin, sei es,  weil ich einfach Lust dazu habe. Im Leben die Kupplung treten k\u00f6nnen, nicht immer auf dem Gas oder auf der Bremse stehen m\u00fcssen &#8211; ja, ich werde mit Freude alt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun hab ich drei Wochen &#8222;Arbeit mit Wochenplan&#8220; hinter mir. Wenn ich auch nicht immer 100%-Planerf\u00fcllung schaffe, so ist die Herangehensweise doch schon ein gro\u00dfer Erfolg. 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