{"id":3410,"date":"2001-07-31T13:47:38","date_gmt":"2001-07-31T11:47:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3410"},"modified":"2021-09-26T13:50:31","modified_gmt":"2021-09-26T11:50:31","slug":"coole-rationalitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/07\/31\/coole-rationalitaet\/","title":{"rendered":"Coole Rationalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Wie lange dauert das nun schon an, dass ich den Einstieg in ein ziel- und zweckgerichtetes &#8222;sinnvolles Arbeiten&#8220; zwischen Montag und Samstag nicht richtig finde? Wochen, Monate? Ich wei\u00df es gar nicht mehr, immer wieder tu ich ja doch was, k\u00fcmmere mich &#8211; zu wenig, aber immerhin &#8211; um das Webwriting-Magazin, arbeite an Demos f\u00fcr neue Angebote, finde sogar gelegentlich etwas Neues, wie neulich einen anderen Design-Stil &#8211; aber all das ist sprunghaft da und dann gleich wieder weg. Im Moment bin ich f\u00fcr mich selbst eine schlechte Chefin, gerade, dass ich noch die n\u00f6tigsten Verwaltungsangelegenheiten halbwegs termingerecht hinbekomme, ein Gl\u00fcck!<\/p>\n<p>Dabei geht&#8217;s mir nicht schlecht, keine Rede. Ich f\u00fchle mich nicht deprimiert, nur h\u00f6chst selten irgendwie ge\u00e4ngstigt, k\u00f6nnte nicht mal behaupten, ein &#8222;Problem&#8220; zu haben &#8211; oh Gott, schon das Wort ist mir so seltsam zuwider! Ein Problem w\u00e4re ja etwas, das ich l\u00f6sen m\u00fcsste und auch k\u00f6nnte, etwas, das mich fordert, es zu analysieren, Ziele festzulegen, Methoden und Schritte zu deren Erreichung zu planen &#8211; bis hin zur Erfolgskontrolle, dass ich auch mitbekomme, wann das Problem weg ist&#8230;. schon die Vorstellung \u00f6det mich ungeheuer an.<\/p>\n<p>Heute ist der vierte Tag meiner Erk\u00e4ltung, zwar ist sie besser geworden, aber nicht weg, wie sonst nach drei Tagen. Bin fast \u00fcberzeugt, es liegt daran, dass ich gerne krank bin, irgendwie befreit mich das von der Pflicht, vern\u00fcnftig zu sein und endlich richtig loszulegen &#8211; was immer das hei\u00dfen mag. Die Erk\u00e4ltung ist \u00fcbrigens genau dann aufgetreten, als ich den Alkohol als m\u00f6gliches &#8222;Ausstiegsmittel f\u00fcr Stunden&#8220; verabschiedet hatte &#8211; woraus will ich denn nur aussteigen und wohin lockt es mich eigentlich?<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend, dass mir das im Kopf nicht mehr einfallen will. Wie meistens befinde ich mich am Ziel meiner (denkbaren) W\u00fcnsche: die richtige Wohnung am richtigen Ort, kein Bock auf Urlaub, Friede, Freude, auch Inspiration durch andere Menschen, wenn ich danach verlange &#8211; was sollte ich denn sonst noch wollen? Ich wei\u00df es nicht &#8211; und trotzdem ist da was&#8230;. was???<\/p>\n<p>Luxusprobleme, k\u00f6nnte ich sagen und es dabei bewenden lassen. Es wird vor\u00fcbergehen, irgendwann wird etwas von au\u00dfen kommen, vermutlich etwas Unangenehmes, und mich in hektische Aktion versetzen &#8211; solange aber kann ich nicht umhin, diesen seltsamen Zustand &#8222;am Rande&#8220; zu bemerken, als w\u00e4re ich drauf und dran, eine bis in den letzten Winkel erforschte Heimat zu verlassen, doch noch ohne jede Sicht auf ein &#8222;wohin&#8220;, also unf\u00e4hig dazu, mit bekannten Bordmitteln die erforderlichen Schritte zu unternehmen.<\/p>\n<p>Vorgestern erinnerte ich einen seltsamen Traum &#8211; der dritte Traum, nachdem ich beschlossen hatte, Tr\u00e4umen wieder Aufmerksamkeit zu schenken (erst dann &#8222;kommen&#8220; sie wieder&#8230;):<\/p>\n<p>Mit einem alten Freund fahre ich irgendwohin, vielleicht nach S\u00fcden, in den Urlaub? Ein Propeller-Flugzeug taucht auf, so ein kleines rasantes Ding: Tiefflug \u00fcber die Autobahn, Looping durch die Luft, dann unter einer Br\u00fccke durch, kopf\u00fcber (!) mit dem Bauch nach oben durch eine dichte Nebelbank, die jede Sicht versperrt&#8230; wow! Es sind zwei M\u00e4nner, einer davon Araber. Sie landen und wir kommen ins Gespr\u00e4ch: Ich will mal mitfliegen, sie haben nichts dagegen. Doch als ich wirklich eingestiegen bin und die T\u00fcren schlie\u00dfen, \u00fcberkommt mich Angst: Ich will wieder raus, behaupte, mir sei \u00fcbel geworden (glatte L\u00fcge!). Doch die M\u00e4nner verweigern mir das Aussteigen schlichtweg, dreckig dabei grinsend, und werfen den Motor an. Worauf Angst, Panik und jede Menge Ha\u00df in mir aufsteigen&#8230;<\/p>\n<p>Jetzt die f\u00fcr einen Traum erstaunliche Sache: Ich w\u00e4ge ab, was passieren kann, wenn ich hier herumtobe und meinen Gef\u00fchlen freien Lauf lasse &#8211; und beschlie\u00dfe, mir das lieber zu schenken. Ich w\u00fcrde ja wom\u00f6glich unser aller Flugsicherheit gef\u00e4hrden&#8230; also schlie\u00dfe ich lieber die Augen, bereit, die Sache m\u00f6glichst blind auszusitzen. Sp\u00e4ter dann, sag ich mir noch, wenn ich aus diesem Flugzeug lebendig ausgestiegen sein werde, werde ich mich an diesen Typen r\u00e4chen!<\/p>\n<p>Dann aufgewacht. Die \u00fcblen Gef\u00fchle wirkten nicht nach, ich wunderte mich nur \u00fcber die coole Rationalit\u00e4t, die ich hier gezeigt hatte, noch dazu im Traum!<\/p>\n<p>Der Traum hat mir bisher nichts gesagt, aber wenn ich ihn jetzt so hinschreibe, kommen mir doch spontane Einf\u00e4lle: Genau diese coole Rationalit\u00e4t, die vermeintlich &#8222;zugunsten des \u00dcberlebens&#8220; auf Gef\u00fchle scheisst, ist meine altbekannte Heimat. die ich nicht verlassen kann, obwohl sie &#8222;abgelebt&#8220; ist. Vielleicht, weil ich der Angst, vor allem aber auch dem Ha\u00df wieder begegnen k\u00f6nnte. Ha\u00df? Ausgerechnet ein Gef\u00fchl, von dem ich mich seit mindestens zehn Jahren so angenehm frei f\u00fchle&#8230;<\/p>\n<p>Da werd&#8216; ich jetzt aber nicht etwa weiter nachgraben! Weder hab&#8216; ich Lust auf psychologisierendes W\u00fchlen in der eigenen Psyche, noch glaube ich dran, da\u00df man damit irgend etwas erreicht. Um n\u00e4mlich zu experimentieren, zu suchen, zu forschen braucht man Hypothesen, man projiziert bereits Gewusstes oder Gew\u00fcnschtes und Gef\u00fcrchtetes &#8211; und kann dann letztlich nicht mehr sagen, ob das Ergebnis &#8222;gefunden&#8220; oder durch das Suchen erst &#8222;geschaffen&#8220; ist.<\/p>\n<p>Lieber mach&#8216; ich mal was Handfestes, zum Beispiel ein Regal im Bad anbringen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lange dauert das nun schon an, dass ich den Einstieg in ein ziel- und zweckgerichtetes &#8222;sinnvolles Arbeiten&#8220; zwischen Montag und Samstag nicht richtig finde? Wochen, Monate? 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