{"id":34,"date":"2006-09-12T10:01:04","date_gmt":"2006-09-12T08:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/09\/12\/vom-geldwert-und-selbstwert\/"},"modified":"2008-01-21T18:16:07","modified_gmt":"2008-01-21T16:16:07","slug":"vom-geldwert-und-selbstwert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/09\/12\/vom-geldwert-und-selbstwert\/","title":{"rendered":"Vom Geldwert und Selbstwert"},"content":{"rendered":"<p>Wieder mal bin ich dabei, meine Art, zu arbeiten, genauer zu betrachten.  Jeden Sonntag erfasse ich gemeinsam mit einem lieben Freund die &#8222;Aktionsfelder&#8220;, mache mir klar, was da anliegt und erstelle dann einen Wochenplan. Das ist neu, denn bisher war die niemals endende To-Do-Liste mein einziges &#8222;Planungsinstrument&#8220;: ein Gef\u00fchl, fertig zu sein, vermittelte sie mir nie, nur ein gro\u00dfes Durcheinander unverbundener Aufgaben, ohne Priorit\u00e4ten, ohne Zielvorstellung und \u00dcbersicht.<\/p>\n<p>Jetzt erlebe ich Woche f\u00fcr Woche 60 bis 80 Prozent &#8222;Planerf\u00fcllung&#8220;. Die erste Erkenntnis, die mir der Plan verschafft, hei\u00dft also: ich untersch\u00e4tze die jeweilige Arbeit, untersch\u00e4tze die Zeit, die ich daf\u00fcr ben\u00f6tige &#8211; und das wirkt sich direkt auf meine Kostenvoranschl\u00e4ge aus. <!--more--><\/p>\n<h2>Was ist wichtig? Was ist ARBEIT?<\/h2>\n<p>Durch die Besch\u00e4ftigung mit dem &#8222;Plan&#8220; wird mir endlich klarer, warum ich trotz einer 50 bis 60-Stundenwoche nicht auf einen gr\u00fcnen Zweig komme. Es gibt da Grundhaltungen und tief sitzende \u00dcberzeugungen, nach denen ich immer schon unbewusst handelte. \u00dcberzeugungen, die mit gro\u00dfer Sicherheit dazu beitragen, materiell arm zu bleiben, mir aber das Gef\u00fchl geben, &#8222;bei den Guten&#8220; zu sein. Zum Beispiel: <em>Das Eigene kommt immer zuletzt, n\u00e4mlich dann, wenn alles Wichtigere erledigt ist.<\/em> &#8222;Wichtiger&#8220; ist die konkrete Auftragsarbeit f\u00fcr Kunden, klar &#8211; aber diese h\u00f6rt ja niemals auf! Wenn ich s\u00e4mtliche Vorhaben, die mir sp\u00e4ter einmal neue Kunden bringen k\u00f6nnen, als unwichtig nach hinten schiebe, \u00e4ndert sich nichts am Status Quo. Es ist ja so simpel, eine Plattheit eigentlich &#8211; und doch f\u00e4llt es mir recht schwer, hier umzusteuern.<\/p>\n<p>Ein anderer, weniger offensichtlicher Punkt ist die Frage: Was ist eigentlich ARBEIT?  Ich stelle fest, dass ich oft nur die Arbeit am konkreten Werk als solche empfinde und berechne &#8211; alles organisatorische Drumrum, n\u00e4mlich Vorbereitung, Planung, Recherche, Konzept und Beratung sehe ich gar nicht als &#8222;echte Arbeit&#8220; an. Verr\u00fcckt! In einer Agentur w\u00e4ren das alles ordentliche Gewerke, die unter Umst\u00e4nden von verschiedenen Mitarbeitern erledigt werden und die selbstverst\u00e4ndlich in die Rechnungen und Kostenvoranschl\u00e4ge einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dass ich mit dem Entwurf einer Website erst mal eine Zeit lang &#8222;schwanger gehe&#8220; und der kreative Prozess eher einem &#8222;Geb\u00e4ren&#8220; \u00e4hnelt als einem Erschaffen in Anwendung rationalisierbarer Methoden, sehe ich verr\u00fcckter Weise eher als Defizit denn als Qualit\u00e4t. Meine Vorstellungen von Qualit\u00e4t und Stimmigkeit erlebe ich als etwas, das ich dem Kunden kaum vermitteln kann und eher m\u00fchevoll aufdr\u00e4nge, da er ja vom Metier keine Ahnung hat. Fast f\u00fchle ich mich &#8222;schuldig&#8220;,  dass ich nicht einfach den Homepage-Baukasten bem\u00fche, nicht links, nicht rechts und schon gar nicht in den Code sehe, und ein schnelles, billiges Ergebnis vorzeige, wie es ja tats\u00e4chlich viele machen, die sich Webdesigner nennen. Anstatt stolz auf meine Methoden und die nun schon zehnj\u00e4hrige Erfahrung zu sein, hab ich glatt ein schlechtes Gewissen, dass ich keine &#8222;Homepagebaukasten-Preise&#8220; nehmen kann &#8211; und rechne meine Honorare nach unten, wo immer es geht.<\/p>\n<h2>Gl\u00fcck nur im Kostenlosen?<\/h2>\n<p>Dann gibt&#8217;s da noch den nonkommerziellen Sektor. Wer seine Arbeit plant, merkt ja dann doch, wie viel Zeit da rein flie\u00dft! Ich hab das jetzt &#8222;Arbeit f\u00fcr Freunde&#8220; genannt und will sie nicht etwa abschaffen. Erstens macht es Freude, zweitens arbeiten auch f\u00fcr mich immer mal wieder liebe Menschen kostenlos, wenn ich f\u00fcr ein Eigenprojekt Hilfe brauche, sie aber nicht bezahlen kann. Und ich hab&#8216; die sch\u00f6ne Erfahrung gemacht, dass es da immer einen &#8222;Return on Invest&#8220; gibt, auch wenn man nichts erwartet. Manchmal erst sehr viel sp\u00e4ter, doch wer schenkt, wird auch wieder beschenkt, das scheint ein &#8222;Gesetz des Universums&#8220; zu sein.Trotzdem ist es gut, zu wissen, welchen Umfang diese T\u00e4tigkeiten annehmen, dann wei\u00df ich n\u00e4mlich auch Bescheid, wenn mal nichts mehr geht, weil sonst mein kommerzieller Sektor zu sehr leidet.<\/p>\n<p>Je mehr ich mich mit den Gr\u00fcnden und Rahmenbedingungen meiner Arbeit befasse, desto tiefer steige ich hinunter in die Abgr\u00fcnde des Unbewussten und finde \u00dcberzeugungen, deren Herkunft und Sinn mir auf den ersten Blick schleierhaft ist. Zum Beispiel:  <em>Arbeit ist M\u00fche und ungeliebte Pflicht,  was Spass macht, kann nicht Arbeit sein!<\/em> Das ist mein &#8222;urt\u00fcmliches&#8220; Empfinden und es setzt sich nahezu unbemerkt in die finanzielle Minderbewertung s\u00e4mtlicher T\u00e4tigkeiten um, die mir Freude machen. Je mehr Selbstverwirklichung, desto weniger &#8222;Recht auf Bezahlung&#8220;. Klar, es macht ja Spass!  Und Spass und Selbstverwirklichung  sind unbezahlbar, jedenfalls nicht &#8222;k\u00e4uflich&#8220;. Also hauen wir&#8217;s raus, begl\u00fccken wir die Welt mit freudig erschaffenen Ergebnissen -Geld verlangen und Rechnungen schreiben ist dann allerdings immer mit einem Gef\u00fchl von &#8222;S\u00fcnde&#8220; verbunden.<\/p>\n<p>Ziemlich verr\u00fcckt, das Ganze!  Wer  es dann auch noch lebensl\u00e4nglich vermeidet, mit langweiligen und nervigen T\u00e4tigkeiten sein Geld zu verdienen, sondern nach Freude bei der Arbeit strebt,  muss sich nicht wundern, st\u00e4ndig in Sorge um die Finanzen zu leben.<\/p>\n<h2>Selbst ohne Wert = minder-wertige Arbeit?<\/h2>\n<p>Wie ich sehe,  leide ich unter einem lebensphilosophischen Defizit: Weil ich &#8222;mir selbst&#8220; keinen Wert zuordnen will, bewerte ich auch den Teil der Arbeit ungen\u00fcgend, der aus diesem Selbst erw\u00e4chst.  Lobt mich jemand, denke ich: <em>&#8222;Ach, das ist doch nichts Besonderes! Das kann doch jeder, der sich mal intensiv damit befasst!&#8220;<\/em>. Fakt ist aber: ICH habe mich schon &#8222;befasst&#8220;, und zwar intensiv und mit Liebe. Wer meine Leistungen einkauft, bekommt mehr Qualit\u00e4t als von jemandem, der gerade mal einen Kurs hinter sich gebracht hat und nun Webdesign anbietet. Warum zum Teufel soll das in die finanzielle Bewertung nicht einflie\u00dfen?<\/p>\n<p>Es geschah alles wie &#8222;von selbst&#8220; &#8211; das ist mir Grund genug, dass es &#8222;nichts wert&#8220; ist. Immer dem eigenen D\u00e4mon folgen, tun, was Freude macht, tief einsteigen in die Dinge, nicht nur f\u00fcr Kunden, sondern immer auch am Eigenen arbeiten, dessen Ergebnisse wiederum den Kunden zu Gute kommen &#8211; warum sollte das keinen WERT darstellen, der sich auch in Euro ausdr\u00fccken l\u00e4sst? Wenn das Selbst auch nicht bewertbar ist (und dabei bleibe ich!), so ist doch ein solcher Weg auch mit M\u00fchen und Kosten, mit Luxus- und Freizeitverzicht, mit Akzeptanz von Unsicherheit und Investitionen aller Art verbunden, die f\u00fcr sich nicht &#8222;Selbstverwirklichung&#8220; sind, sondern durchaus &#8222;M\u00fche und Arbeit im Schwei\u00dfe meines Angesichts&#8220;, mal biblisch gesprochen. Dass ich in dieser M\u00fche l\u00e4chle und mich schwitzend freue, dass das Ergebnis nun da ist und zwar genau SO, wie ich es gut finde, kann doch kein Grund sein, einen finanziellen Abschlag einzurechnen!<\/p>\n<p>Es mal so klar aufzuschreiben, ist schon ein Zeichen der Besserung &#8211; toi, toi, toi! Ich glaube an die <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schreibimpulse.de\/kurs_200610.html\">&#8222;Kraft zur Ver\u00e4nderung&#8220;<\/a>: nichts muss bleiben, wie es ist, blo\u00df weil wir in falschen Haltungen tendenziell festkleben, die ihre eigene Geschichte haben, jedoch heute sch\u00e4dlich und nicht mehr n\u00fctzlich sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je mehr Selbstverwirklichung, desto weniger &#8222;Recht auf Bezahlung&#8220;. Klar, es macht ja Spass! Und Spass und Selbstverwirklichung sind unbezahlbar, jedenfalls nicht &#8222;k\u00e4uflich&#8220;. 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